Plug-in-Hybrid Kia Sportage im Test: SUV mit ordentlicher E-Reichweite

Der Kia Sportage ist ein zeitgemäßes, geräumiges und angenehm fahrendes SUV mit wenigen Schwächen, das wie die meisten Konkurrenten beim Verbrauch enttäuscht.

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Kia Sportage PHEV

(Bild: Florian Pillau)

Von
  • Martin Franz
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Es gibt unterschiedliche Arten, auf sich aufmerksam zu machen, und Kia hat sich beim Sportage eine besonders eindrückliche überlegt. Ähnlich einem Lastwagen piepst das SUV beim Rückwärtsfahren so laut, dass sich nicht nur Leute umdrehen, sondern mitunter auch fragen, ob der Fahrer nicht ohne dieses aufdringliche Geräusch einparken kann. Nein, kann er nicht, denn seit diesem Modelljahr ist die Park-Beschallung im Sportage nicht mehr abschaltbar.

Das normale, vorgeschriebene Geräusch beim Vorwärtsfahren ist dagegen leise und dezent. Solche Kleinigkeiten fallen auf in einem Auto, in dem das Bemühen des Herstellers deutlich sichtbar ist, grobe Schnitzer zu vermeiden. Ein Test des Sportage PHEV zeigt, dass Kia diesbezüglich ziemlich erfolgreich war. Etwas Luft nach oben haben sich die Koreaner in einigen Bereichen aber noch gelassen.

Dazu gehören die Assistenten. So bremst der Sportage hin und wieder, wenn ein Auto am Straßenrand geparkt ist, selbst wenn die Spur vor ihm frei ist. Nicht ganz so dramatisch wie in einigen Skoda-Modellen erlebt ist die Macke, nach ein paar Hundert Metern Geradeausfahrt den Fahrer aufzufordern, die Hände ans Lenkrad zu nehmen – obwohl diese das Steuer nicht losgelassen haben.

Das nervt auch deshalb, weil dieser Helfer nicht nur nach jedem Start wieder an ist, und sich nach dem Deaktivieren unterwegs manchmal von allein wieder einmischt. Vergleichsweise gut funktioniert die Erkennung von Verkehrsschildern, nur selten lässt sich die Anzeige verwirren. Gelungen ist auch die Einparkhilfe, die mit ihren zahlreichen Kameraperspektiven gerade in engen Parkplätzen das Rangieren enorm erleichtert.

In dieses Bild passt auch die Unterhaltungselektronik, von der sich manch ein Hersteller die intuitive Bedienung abschauen dürfte. Das System ragt weder bei Funktionsvielfalt noch Arbeitstempo heraus. Doch es kann fast alles, was man im Alltag wirklich braucht und ist mit seiner flachen Menüstruktur vergleichsweise einfach zu handhaben. Die Kartendarstellung wirkt liebevoller gezeichnet als in jedem BMW. Wenn Kia nun noch Android Auto und Apple CarPlay kabellos ermöglicht und eine Sprachsteuerung installiert, die öfter versteht, was man ihr zuruft, gibt es kaum noch etwas zu mäkeln.

Kia Sportage PHEV (6 Bilder)

Was einst vor unsanften Einparkern schützte, ist auch bei Kia längst Geschichte. Glänzender Kunststoff erfreut im Schadensfall Werkstätten und Smartrepair-Unternehmen. Hinten ist der Sportage eher konventionell gezeichnet, vorn ...
(Bild: Florian Pillau)

Auch Kia ist bemüht, möglichst wenig sichtbare Tasten am Armaturenbrett zu verteilen. Das Ergebnis ist zwangsläufig ein Kompromiss zwischen Optik und Funktion. Lösen soll das unter anderem eine Leiste mit umschaltbarer Funktionalität. Der linke Drehregler ist mal für die Temperatur, mal für die Lautstärke zuständig. Der Fahrer muss also hinschauen, welche Ebene gerade aktiv ist. Wohltuend ist dagegen, dass Kia auf Touchflächen am Lenkrad verzichtet und die Zahl der Tasten dort auf ein sinnvolles Maß beschränkt. Insgesamt erschließt sich die Bedienung weitgehend von selbst, und das ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Kia hat sich bemüht, ein Auto ohne Schrullen zu bauen, und war in dieser Hinsicht auch erfolgreich. Der aufmerksame Fahrer merkt das auch an Kleinigkeiten wie der ebenso wirksamen wie leisen Sitzkühlung. Im Gegensatz zum neuen Opel Astra ist sie im Sportage kaum zu hören.

Leider sind die Sitze auf langen Strecken nur durchschnittlich bequem, was auch daran liegt, dass die Lordosenstütze lediglich horizontal variabel ist. Das Platzangebot ist erwartungsgemäß großzügig geschnitten und in etwa mit dem zu vergleichen, was ein VW Tiguan auch zu bieten hat. Mit 540 Litern ist der Kofferraum des Sportage allerdings ein ordentliches Stück größer als im VW Tiguan e-Hybrid (Test). Auf der Wunschliste an Kia: Eine verschiebbare Rückbank fehlt ebenso wie die Option auf Matrix-Licht und Head-up-Display. Auch bei der Dämmung darf Kia gern noch nachlegen. Der Sportage ist zwar kein lautes Auto, doch es gibt in dieser Klasse Konkurrenten, die gerade auf der Autobahn leiser sind.

Dort erweist sich der von uns für diesen Test gewählte Plug-in-Hybrid als durchaus kräftige Antriebsquelle, wenngleich auch dieser PHEV die Erwartungen, die eine Systemleistung von 195 kW hier und da erwecken mag, nicht erfüllen kann. Sowohl bei den Werksangaben wie auch subjektiv bleibt der Kia etwas hinter dem Tiguan e-Hybrid zurück. Die Stellantis-PHEV-Modelle mit 220 kW Systemleistung fühlen sich deutlich dynamischer an. Um Missverständnissen vorzubeugen: Selbstverständlich ist der Sportage alles andere als langsam, bei Bedarf beschleunigt er weit mehr als nur ausreichend flott. Dazu dröhnt der Benziner nicht ganz so angestrengt wie der im Mercedes-PHEV mit dem 1,3-Liter-Motor, wie er beispielsweise im GLA eingebaut wird.

Bei den meisten, die sich einen Plug-in-Hybriden zulegen, dürften die möglichen Fahrleistungen aber nachrangig sein. Deshalb haben wir die 14 Tage im Sportage genutzt, um verschiedene Szenarien durchzuspielen und so ein umfassendes Bild vom Verbrauch zu bekommen. Wer ihn so nutzt, wie es PHEV-Fahrern gern mal unterstellt wird, also ohne externe Aufladung, muss bei geruhsamer Fahrweise mit rund 5,8 Litern/100 km aufwärts rechnen. Weniger war es im Test nie. Auf der Autobahn mit selbstgewähltem Tempolimit von 130 km/h waren es rund 1,5 Liter mehr, maximal sind wir auf 10 Liter gekommen.

Kia baut keine Stromverbrauchsanzeige ein, doch wir messen in unseren Tests ohnehin immer ab dem Stromzähler. Schließlich ist dieser Wert inklusive Ladeverlusten das, was der Fahrer schlussendlich auch bezahlen muss. Während des Tests herrschten Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad, also ziemlich ideale Bedingungen für einen geringen Stromverbrauch. Über das ganze Jahr gerechnet wird dieser also höher liegen als die folgenden Werte suggerieren. An einer Wallbox luden wir zwischen 13,6 und 14 kWh nach. Die Anzeige im Auto suggerierte einen Rest-Ladestand zwischen 12 und 16 Prozent, bevor der Benziner sich am Vortrieb wieder mit beteiligte.

Kia Sportage PHEV (8 Bilder)

Armaturenbrett ganz im aktuellen Stil von Kia. EV6, Niro, Sportage sehen sich innen ziemlich ähnlich.
(Bild: Florian Pillau)

Die maximale Reichweite lag bei 65 km, also nahe dem, was Kia mit 70 km im WLTP verspricht. Umgerechnet auf die nachgeladene Strommenge bedeutet das einen minimalen Verbrauch von 20,9 bis 21,5 kWh/100 km – nochmals angemerkt: bei idealen Temperaturen. Im Winter wird dieser Wert deutlich höher ausfallen. Klar ist auch, dass es keine Kunst ist, die Batterie wesentlich zügiger zu leeren. Unter den Bedingungen des Testzeitraums habe es ich es hinbekommen, den Speicher innerhalb von 45 km zu entladen. Dann liegt der hochgerechnete Stromverbrauch bei 30,2 bis 31,1 kWh/100 km. Ziemlich sicher wird einigen Fahrern ein noch höherer Konsum gelingen.