Probefahrt mit dem Genesis G70: Nobel, aber durstig

Genesis bereichert das Kombi-Segment mit dem fein ausgekleideten G70 Shooting Brake. Nachbessern muss die Firma aber bei den Antrieben.

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Genesis G70 Shooting Brake
Von
  • Martin Franz
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Die Vans hat das SUV schon vom Markt gefegt, und es durchaus die berechtigte Sorge, dass die Kombis die nächsten sind, die aus dem Neuwagen-Angebot fliegen. Doch kampflos wird das Feld nicht geräumt, mit interessanten Autos lockt das Kombi-Segment noch immer jene, die sich mit den angedeuteten Geländegängern nicht anfreunden mögen. Zu den erfreulichen Neuerscheinungen gehört zweifelsohne der Genesis G70 Shooting Brake, den wir auf einer ersten Ausfahrt schon ausprobieren konnten.

Der G70 Shooting Brake tritt ausgesprochen eigenständig auf, keine Gefahr, ihn mit ähnlichen großen Konkurrenten wie Mercedes C-Klasse T-Modell oder BMW 3er Touring zu verwechseln. Genesis verzichtet auf eine übertrieben aggressive oder stark gefaltete Gestaltung – ein Design, was nicht so schnell altern dürfte. Ungewöhnlich erscheint der Verzicht auf eine dritte Scheibe hinter der C-Säule. Das bringt eine gewisse Dynamik in die Linie, doch der Preis dafür im Alltag ist hoch. Die Rundumsicht ist schlecht, was gerade im Stadtverkehr beim Abbiegen enorm stört.

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Es bleibt der einzige derart schwerwiegende Funktionsmangel. Wer unbedingt noch mäkeln möchte, könnte dies bei der Ladeluke tun, die sich nach unten hin verjüngt. Konkurrenten lassen sich leichter beladen als dieser Designer-Kombi, dessen schräg verlaufende Heckscheibe auf den ersten Blick verdeutlicht, dass maximales Ladevolumen im Lastenheft keine Priorität hatte. In den 465 Litern für diesen Raum, die Genesis nennt, ist das Fach unter dem Ladeboden schon inkludiert. Keine Frage: Es gibt Autos, die den Verkehrsraum geschickter nutzen.

Im Innenraum ist nicht nur alles sauber verarbeitet, sondern auch mit sehr feinen Materialien ausgekleidet. Genesis muss in dieser Hinsicht keinen Vergleich scheuen. Auch die Funktionalität ist weitgehend gut gelöst. Denn die Sprachsteuerung kann es zwar nicht mit dem aufnehmen, was Mercedes in diesem Bereich auffährt, doch Genesis kontert geschickt. Statt alles tief in Menüs auf einem Bildschirm zu vergraben, sind die wichtigsten Funktionen mit eigenen Knöpfen, Reglern und Tasten zu bedienen. Nur wer weitergehende Wünsche hat, muss sich durch das Infotainmentsystem arbeiten. Hier gibt es Systeme, die intuitiver sind, allerdings auch viele, die Genesis hinter sich lässt. Das Navi selbst lässt sich zwar einfach bedienen, ist aber nicht das zuverlässigste. Bei unseren Testfahrten in Portugal führte es ein paar Mal in die Irre.

Genesis G70 Shooting Brake innen (11 Bilder)

Der Innenraum ist nicht modisch, aber weitgehend funktional eingerichtet. Die Verarbeitung war tadellos, die Materialien durchweg sehr hochwertig.

An zwei Stellen sollte Genesis noch nachbessern: Die voluminösen Becherhalter zwischen den Sitzen sollten sich in eine brauchbare Ablage wandeln lassen. Nach einem Regen läuft zudem Wasser vom Dach ins Auto, wenn die Tür geöffnet wird – das löst die Konkurrenz zum Teil geschickter.

Mit einem fein geriffelten Drehrad lassen sich vier verschiedenen Fahrmodi anwählen: Eco, Comfort, Sport und Sport+. Damit sollen sich Lenkung, Gasannahme, Schaltverhalten und Dämpfer entsprechend anpassen. Die Unterschiede sind spürbar, wenngleich nicht riesig. Die Dämpfer sprechen gerade auf kleinen Unebenheiten mitunter etwas unsensibel an, freilich ohne, dass der G70 deswegen unkomfortabel wäre.

Angeboten wird der G70 Shooting Brake zumindest vorerst nur mit zwei Benzinern und einem Diesel. Sie alle laufen kultiviert und sind weit mehr als nur ausreichend kräftig. Auch das Zusammenspiel mit der Achtgang-Automatik wirkt harmonisch. Nacharbeiten muss Genesis aber dringend beim Verbrauch. Schon der 2,2-Liter-Diesel ist im WLTP mit 6,8 Litern angegeben, die Benziner gar mit 8,5 bis 9,6 Litern. Auf unserer Proberunde zeigte der Bordcomputer jeweils rund einen Liter mehr an, wobei es etwas Spielraum nach unten und sehr viel mehr nach oben gibt. Das ist insgesamt viel zu viel und damit auch der größte Kritikpunkt am G70. Zumal eine Hybridisierung oder ein batterieelektrischer Antrieb nicht geplant sind.

Genesis G70 Shooting Brake (6 Bilder)

Der G70 Shooting Brake ist eigenständig geformt.

40.300 Euro kostet das „Premium“ genannte Basismodell des G70 Shooting Brake inklusive einer Serienausstattung, die die deutsche Konkurrenz locker mit einem vierstelligen Betrag zusätzlich in Rechnung stellt. Dazu gehören unter anderem das ganze Infotainmentzeug, allerlei Assistenten (die ihre Arbeit insgesamt zufriedenstellend erledigen), elektrisch verstellbare Sitze und 18-Zoll-Felgen. Ein noch größerer Serienausstattungsumfang wird deutlich teurer, weil er an die stärkeren Motoren mit Allradantrieb gekoppelt ist.