Renault Kangoo Rapid E-Tech Electric: elektrischer Kleintransporter im Fahrtest

Mit 44 kWh und 287 km Reichweite passt der elektrische Kangoo genau für die Stadt. Betriebe, die öfter weiter weg müssen, bekommen eine Schnellladefunktion.

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Sinnvolle Alternative für Lieferdienste und Handwerker mit vorwiegend lokalem Einsatzgebiet: Der Renault Kangoo als Elektroauto

(Bild: Renault)

Von
  • Wolfgang Gomoll

Mangelnde Reichweite war immer ein Kritikpunkt am Vorgänger des aktuellen Kangoo Z.E, der mit nur 22 kWh auskommen musste und das noch nicht einmal durch eine ansatzweise schnelle Ladung wenigstens zum Teil wettmachen konnte. Auch das anfänglich angebotene Batterie-Miet-Modell erschien unnötig kompliziert. Der elektrische Kangoo Z.E. war gleichwohl ein großer Erfolg.

Mit der neuesten Ausgabe des elektrischen Transporters und mit der doppelten Batterie-Kapazität bleibt noch viel Nutzlast, die Reichweite stimmt für fast alle Kunden, und wer doch weiter fahren muss, kann unterwegs nun zeitgemäß schnell laden. Eine weitere Steigerung im Nutzwert erfährt der elektrische Kleintransporter durch ein seitliches Portal, das die Öffnung von vorderer und Schiebetür ohne B-Säule bietet. Es ist aus dem Modell mit Verbrennungsmotor bekannt, der baugleiche Mercedes Citan (respektive Mercedes T-Klasse) hingegen bekommt dieses sinnvolle Detail nicht.

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Wie bei Nutzfahrzeugen üblich, gibt es den Kangoo in verschiedenen Größen, als 4,49 Meter langen L1 mit 3900 Litern Laderaum, später folgt mit dem L2 eine Variante mit 1000 Litern mehr. Die Zuladung beträgt trotz der schweren Batterie noch 526 Kilogramm.

Renault Kangoo Rapid E-Tech Electric (14 Bilder)

Typisch für die Nfz-Varianten ist die unlackierte Frontschürze. Als Pkw wird der Kangoo mit Farbe am Stoßfänger geliefert.

Der Motor mit seinen 90 kW und einem Drehmoment von 245 Nm beschleunigt den elektrischen Kleintransporter vollkommen ausreichend. Mit maximal 135 km/h kommt man auch auf gelegentlichen Autobahnabschnitten gut klar. Batteriekapazität und Schnelllade-Option sind offenbar genau auf die Kernzielgruppe zugeschnitten, wer Ferntransporte durchführt, kann weiterhin zu einem Diesel- oder Ottomotor greifen.

Renault gibt den Durchschnittsverbrauch mit 18,6 kWh/100 km an. Wir kamen bei unserer Testfahrt mit zwei Erwachsenen und einer Nutzlast von 150 Kilogramm auf 16,1 kWh/100 km, wobei wir auch häufig im Eco-Modus unterwegs waren. Er begrenzt die Leistung auf 56 kW und die Spitzengeschwindigkeit auf 110 km/h, was nicht nur für die Stadt völlig ausreichend ist und auch meistens auf der Landstraße. Voll beladen ist man dort mit dem Normalmodus freilich besser unterwegs.

Die Federung ist passend zum Einsatzzweck rustikal, so etwas wie Komfort stellt sich erst bei halber Beladung ein. Einpedal-Fahren ist leider nicht vorgesehen, immerhin ist die Rekuperation am Wählhebel dreistufig einstellbar.

Praktisch: die Ladebuchse verbirgt sich hinter dem Rhombus im Kühlergrill. An einer öffentlichen Ladesäule (16 A) mit 11 kW dauert es 2 Stunden, 40 Minuten, um die Batterie von 15 bis 80 Prozent zu füllen, bei 22 kW (32 A) ist es eine Stunde 30 Minuten und bei maximaler Ladegeschwindigkeit bei 80 kW (DC) sollen es dank Wärmepumpe nur 37 Minuten sein. Diese Option lässt Renault sich mit 1000 Euro bezahlen, andersherum könnte man formulieren, dass Kunden, die das nicht benötigen, fairerweise weniger zahlen. Der Nfz-Sektor ist einfach sehr kostensensibel. Dass der elektrische Kangoo von den thermodynamischen Versionen abgeleitet wurde, erkennt man an der traditionellen Tankklappe und Meldungen im Informations-Display wie "Motor läuft. Zündung aus".

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Die grundsätzliche Ausstattung mit vielen nützlichen Ablagen und pflegeleichtem Plastik entspricht dem von Nutzfahrzeugen heute gewohnten Niveau, dazu kommt auf Wunsch die bereits erwähnte Kombination aus Schiebetür und gegenläufig aufschwingender Beifahrertür. Dieses Portal ermöglicht mit 1,45 Metern die aktuell breiteste seitliche Ladeöffnung auf dem Markt, nahezu doppelt so groß wie beim Vorgängermodell. Ein unter den Ladeboden klappbarer Beifahrersitz ermöglicht eine Nutzung über die gesamte Breite. Allerdings treibt dieses Extra den Brutto-Basispreis von 40.448 Euro auf 41.638 Euro, netto 33.990 Euro (jeweils ohne Förderung).

Das bietet das Konkurrenzprodukt Citroën ë-Berlingo in der Länge M zwar nicht, dafür aber 100 kW und 280 Kilometer Reichweite für einen Grundpreis von 37.790 Euro. Der technisch verwandte Mercedes eCitan wird erst Ende des Jahres auf den Markt kommen, der Kangoo Rapid E-Tech Electric ist bereits bestellbar.

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(fpi)