Ruhender Verkehr: Elektronische Parkscheibe Park Lite

Eine nicht vergessbare Alternative zur Parkscheibe ist die Park Lite. Sie stellt die Parkzeit von selbst richtig ein. Das klappt tatsächlich ganz einfach.

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Nie wieder die Parkscheibe vergessen lautet das Versprechen der Park Lite. Wir haben es gegen die Vorteile der Pappscheibe abgewogen.

(Bild: Florian Pillau)

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Ausgerechnet mir drücken die lieben Kollegen so einen Test auf. Eine Parkscheibe habe ich doch schon! 1983 mit meinem ersten Auto erworben gibt mir das platz- und gewichtssparende Pappkonstrukt bislang keinen Grund, es zu ersetzen.

Mit wütender Verzweiflung reagiere ich auf Körper- oder Küchenwaagen mit Digitalanzeige, weil deren Batterien meist leer sind, wenn ich sie benötige. Von Produktion und Entsorgung der Batterien fange ich jetzt nicht an. Die mechanische Waage im Bad mit ihrem Lupentacho, geerbt von meinen Großeltern, arbeitet seit 1956 jedenfalls akkurat genug, irgendwann sicher noch für meine Enkel.

Wenn mir etwas entgegenkommt an der elektronischen Park Lite, dann ist es ganz sicher ihre vollkommen selbsttätige Funktion. Sprich: Ich kann sie nicht vergessen. Die Erfindung sollen wir übrigens den Dänen verdanken, wo scheibenvergessenes Parken viel teurer ist als in Deutschland. Tatsächlich ist in ihrem Gehäuse außer einer Uhr ein Bewegungssensor eingebaut.

Mit ein bisserl Elektronik wird das Ganze intelligent genug, eine Stillstandsphase zu detektieren und dann die entsprechende Parkzeit anzuzeigen, korrekt aufgerundet jeweils innerhalb einer halben Stunde. Darüber hinaus lässt sich die angezeigte Zeit per Knopfdruck um jeweils eine weitere halbe Stunde weiterstellen. Österreicher wären damit unglücklich, hier darf nur viertelstundenweise gerundet werden, doch ist die Park Lite dort eh nicht zugelassen. Um eine dort zulässige Scheibe zu nutzen, kann man die Park Lite provisorisch mit Papier abdecken. Abnehmbar ist sie nämlich nicht.

Die zu einer komplett sorgenfreien Arbeitsweise wichtige Sommerzeit-Umstellung ist abschaltbar. Immerhin ist eine Abschaffung der Zeitumstellung für Europa gar nicht unwahrscheinlich. Ohne Sommerzeit leben Europäer bereits heute in Island, Russland und Weißrussland. Man kann die Park Lite also einmal ankleben und sich sicher sein, dass sie funktionieren wird. Sogar einen drohenden Batteriekollaps, laut Hersteller möglich nach rund zwei Jahren, soll sie rechtzeitig anzeigen.

Elektronische Parkscheibe Park Lite (6 Bilder)

Schon die Verpackung der Park Lite ist im Format kleiner als eine papierne Parkscheibe.
(Bild: Florian Pillau)

Ganz vergessen sollte man die Scheibe wohl auch nicht. Die Bedienungsanleitung mahnt: „Es empfiehlt sich, die Einstellungen der Uhr regelmäßig zu kontrollieren ..” schließlich „erstattet der Hersteller keinerlei Parkgebühren.” Abgesehen von dieser unfreiwillig amerikanisch anmutenden Komik ist das Begleitheft konzis und verständlich geschrieben. Das Format könnte allenfalls ein bisschen sehr kompakt für junggebliebene Kunden sein. Bei mir genügt noch die Gleitsichtbrille.

Die einfache Anbringung an der Windschutzscheibe ist darin gut nachvollziehbar beschrieben, ein Entfettungstuch fürs Glas liegt bei. Ernst nehmen sollte man den Tipp, das Batteriefach zugänglich zu lassen, indem man das Gerät mit Abstand zur Oberseite des Armaturenbretts anklebt. Mir persönlich wäre eine Konstruktion lieber gewesen, die auch eine niedrigere Position ermöglicht.

In einem Opel Corsa C, so viel Einschränkung muss sein, störte die Park Lite wider Erwarten den Heizluftstrom nicht. Eine normale Beschlagabfuhr über die Belüftungsdüsen war jederzeit gewährleistet. Wie sich das in anderen Fahrzeugen verhält, haben wir nicht probiert. Dauerhaft ankleben kann man die Park Lite nur einmal. Was die Frage aufkommen lässt, ob der Hersteller keinen Saugnapfhalter beilegt, damit man für jedes seiner Autos eine kauft. Sicher nicht, denn tatsächlich ist ja nur eine Ausrüstung aller eigener Fahrzeuge im Sinne des „Nicht-Vergessen-Könnens”!

Auch die Motorräder? Ja, denn sie sind – manch einer glaubt es kaum – grundsätzlich in die Parkscheibenpflicht eingeschlossen. An ihnen wäre die Montage an einem durchsichtigen Flyscreen oder einer Scheibe schon irgendwie möglich, doch sollte man das Teil dann wenigstens vor Wasser und Diebstahl schützen. Vorsichtige Kradfahrer könnten dazu vielleicht an geeigneter Stelle ein Loch in die Park Lite bohren und sie wie bei einem Kensington-Lock per Drahtkabel an Rahmen oder Gabel verbinden. Wenigstens vor Spritzwasser könnte das Gerät ein transparenter Plastikbeutel schützen. Als hoch effizient haben sich dabei – zumindest bei Smartphones – Präservative erwiesen. Eine Verhütung gegen Fummler, die an der Park Lite die Zeit verstellen, bieten sie freilich nicht. Wie lange eine Park Lite den an bestimmten Motorradtypen oft kräftigen Vibrationen widerstehen kann, haben wir auch noch nicht ausprobiert.

(fpi)