Seat Tarraco Hybrid im Test: Lohnt der Plug-in-Hybridantrieb im großen SUV?

Mit einem Plug-in-Hybrid soll das größte SUV von Seat sparsam und flott motorisiert sein. Kann der Tarraco e-Hybrid in der Praxis beides verbinden? Ein Test

Lesezeit: 6 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 26 Beiträge
Seat Tarraco PHEV

(Bild: Franz)

Von
  • Martin Franz
Inhaltsverzeichnis

SUVs wird hin und wieder vorgeworfen, außen groß und innen eng zu sein. Volkswagen tritt mit dem äußerlich sehr üppig scheinenden Trio aus VW Tiguan Allspace, Skoda Kodiaq und Seat Tarraco seit einigen Jahren einen ziemlich überzeugenden Gegenbeweis an. Denn was sie auf der in etwa vergleichbaren Verkehrsfläche eines BMW 3er Tourings an Raum bieten, ist ziemlich konkurrenzlos, übrigens auch intern: Selbst ein gewiss nicht kleiner Skoda Octavia, der kaum kürzer ist, wirkt neben den luftig geschnittenen SUVs irgendwie knapp. Zumindest im Seat Tarraco kann man seit kurzem auch einen Plug-in-Hybrid erwählen. Wie fährt sich dieser?

Der erste Eindruck eines wahrlich geräumigen Autos täuscht nicht. Der Seat Tarraco bringt auch vier sehr großgewachsene Menschen lässig unter. Ich habe lange Beine, stelle meinen Sitz also meist weit nach hinten. Im Tarraco ist selbst dann die zweite Reihe keine Strafbank. Eine dritte Sitzreihe gibt es im PHEV-Modell nicht, anders als in den anderen. Wer also tatsächlich so viel Platz braucht, wird hier fündig. Das gilt auch für das Gepäckabteil. Im Plug-in-Hybrid ist es mit 610 statt 760 Litern zwar weniger riesig als im Tarraco mit alleinigem Verbrenner, doch selbst die Kombis der Oberklasse können hier bestenfalls mithalten.

Hybridantriebe im Pkw

Der Tarraco ist seit 2018 auf dem Markt. Die Verarbeitung des Testwagens war routiniert, die Wolfsburger liefern diesbezüglich eine ordentliche Arbeit ab. Im vergangenen Jahr bekam das SUV ein paar Segnungen aus dem Konzernbaukasten, doch leider ist nicht alles davon ein Fortschritt. Die Bedienung der Klimaautomatik wurde von Drehreglern auf Wischflächen umgerüstet – fraglos anders, vielleicht sogar modischer, funktionaler ist das so sicher nicht geworden. Auch das minimal veränderte Lenkrad ist in dieser Hinsicht kein Gewinn: Oberhalb des Airbags gibt es nun eine silberne Spange. Scheint die Sonne im richtigen, gewissermaßen viel eher falschen, Winkel ins Auto, wird der Fahrer geblendet. Leicht vermeidbarer Murks, meine ich.

Seat Tarraco e-Hybrid Innenraum (26 Bilder)

Die silberne Leiste oben im Lenkrad ist neu - und bei Sonnenschein mitunter ärgerlich.

Das Infotainmentsystem, ebenfalls im vergangenen Jahr aktualisiert, könnte etwas zügiger arbeiten. Hartnäckig war ich bei der Sprachsteuerung: Ungefähr zehn Minuten versuchte ich, über diesen Weg das System zu überreden, mich zum Bahnhof in Grafing zu führen. Ein Drittel des Weges war geschafft, als die Sprachsteuerung klein beigab und ihre Erkenntnisse endlich an den Routenführer weitergab. Komplett überzeugen kann das nicht. Auch, dass es bei der "natürlichen Sprachsteuerung" nötig ist, bei der Adresseingabe sich an eine Reihenfolge zu halten, wirkt, nun ja, ein wenig unbeholfen.

Allerdings ist durchaus nicht alles schlecht: Ich finde den Klang der Serien-Lautsprecher okay und das System insgesamt weitgehend intuitiv aufgebaut, Feinheiten klärt dann eben die Anleitung. Beim Versuch, die letzten Ziele zu löschen, scheiterte ich allerdings. Den im Bordbuch beschriebenen Menüpunkt dafür gab es im Auto mit diesem Softwarestand nicht. Trotz reichlich Kritik, die dieses System von vielen bekommt: Man kann das alles schlechter lösen, als Volkswagen es getan hat. Manch eine Schrulle ließe sich mit einem Update noch ausbügeln, so der Konzern das wollte. Ich sehe dafür durchaus Chancen. Gerade im Bereich der Sprachsteuerung zeigt Mercedes, was aktuell möglich ist – freilich für ungleich mehr Geld. Doch der Weg, den Volkswagen da versucht zu gehen, überzeugt nicht: Den Mehrpreis für eine gut funktionierende Sprachsteuerung hat der Kunde bald vergessen. Dass der nicht investiert wurde, daran wird er jeden Tag erinnert.

Es hat etwas gedauert: Im September 2019 kündigte Seat an, den Plug-in-Hybridantrieb, der in vielen Modellen von Volkswagen verbaut wird, auch im Tarraco anzubieten. Tatsächlich zu kaufen ist er dort seit Anfang 2021 – und keine schlechte Wahl, sofern man die Prioritäten richtig setzt. Als Benziner dient der alte 1,4-Liter-Vierzylinder aus der Baureihe EA211, der als Soloantrieb schon seit längerem nicht mehr zu haben ist. Er leistet 110 kW (150 PS). Ihm zur Seite steht ein E-Motor mit 85 kW.

Der Antriebsstrang wird seit vielen Jahren bei Volkswagen verbaut - im Tarraco ist er neu. Angetrieben wird hier nur die Vorderachse, was gerade bei Nässe durchaus zu spüren ist.

Die Systemleistung liegt bei 180 kW, das maximale Drehmoment bei 400 Nm. Die Kraftübertragung übernimmt das seit vielen Jahren verwendete Doppelkupplungsgetriebe DQ400e mit sechs Gängen. Aktuell ist übrigens nur der Tarraco mit diesem Antrieb zu haben – die im Prinzip baugleichen VW Tiguan Allspace und auch der gerade überarbeitete Skoda Kodiaq gehen leer aus. Sollte sich der Plug-in-Hybrid im Seat gut verkaufen, wird Volkswagen das wohl nochmals überdenken.

Die ganze Fuhre ist schon leer 1868 Kilogramm schwer, maximal sind es fast 2,4 Tonnen. Wer sich dem mit Steuergeld subventioniertem SUV nähert und dabei vor allem die Systemleistung im Blick hat, könnte möglicherweise enttäuscht werden. Natürlich, die Werksangaben weisen überdeutlich darauf hin, dass es keinen Grund gibt zu klagen – 7,5 Sekunden im Standardsprint und 205 km/h Spitze sind schließlich keine rollende Verzichtserklärung. Mit dem Gebotenen bekommt der Fahrer ein absolut solide motorisiertes Auto.