Sichere Messenger: Fünf Alternativen zu WhatsApp im Test

WhatsApps Status als De-facto-Standard bröckelt: Es gibt immer mehr Alternativen, die nicht nur sicherer, sondern auch mindestens so komfortabel sind.

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(Bild: Andreas Martini)

Von
  • Jan-Keno Janssen
  • Sylvester Tremmel
  • Sebastian Trepesch
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Was ein kleines Info-Fenster anrichten kann: Als der populäre Messenger WhatsApp Anfang des Jahres darum bat, neuen Nutzungsbedingungen zuzustimmen, hat er damit eine wahre Wechsel-Welle ausgelöst. Laut der App-Analysefirma Sensor Tower wurde beispielsweise Signal zwischen dem 6. und 10. Januar 2021 7,5 Millionen Mal installiert – über 40 Mal mehr als in der Vorwoche. Telegram meldete 25 Millionen neue User in drei Tagen.

Facebook setzt der WhatsApp-Kundschaft die Pistole auf die Brust: Wer den Änderungen der Nutzungsbedingungen nicht zustimmt, kann keine Nachrichten mehr lesen und schreiben. Als Frist galt zuerst der 8. Februar 2021, Facebook hat die Einführung aber, vermutlich als Reaktion auf die Messenger-Wechsel-Welle, auf den 15. Mai 2021 verschoben.

Aber was ändert sich denn nun eigentlich? Bei Nachrichten zwischen Privatnutzern laut Facebook nichts, die sind und bleiben für den Konzern nicht lesbar. Betroffen sind vielmehr Chats zwischen Privatnutzern und Unternehmen. Letztere sollen künftig Dienstleister beauftragen dürfen, die Chats in ihrem Namen abzuwickeln. Die Dienstleister könnten also auch die Nachrichten der Nutzer lesen. Auch Facebook selbst will diese Dienstleistung seinen Firmenkunden anbieten, hätten in bestimmten Fällen also ebenfalls Zugriff auf die WhatsApp-Chats und könnte sie im Auftrag des Kunden auch für dessen Werbezwecke auswerten. Facebook erhofft sich davon offenbar einen Schub für die Nutzung der Business-Funktionen von WhatsApp.

Wie das künftig aussehen könnte, sieht man in China, dort kann man nämlich mit der WeChat-App zum Beispiel eine Pizza oder ein Taxi bestellen und direkt bezahlen. Insgesamt betreffen die Änderungen vor allem die Kundschaft außerhalb der EU, hierzulande schützt die DSGVO davor, dass Facebook zu viele Daten für Werbung auswerten darf. Klar ist auf alle Fälle: Facebook will WhatsApp endlich das Geldverdienen beibringen – ob man das in Einklang mit einer sicheren und datensparsamen Kommunikationsumgebung bringen kann, scheint mindestens fraglich.

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Doch wo kann man denn überhaupt sicher kommunizieren und muss dennoch nicht auf den von WhatsApp gewohnten Komfort verzichten? Für diesen Test haben wir fünf WhatsApp-Alternativen ausgewählt: Element, Signal, Threema, Telegram und Wire. Die Auswahl fiel uns nicht leicht, denn eigentlich wäre unser Mindeststandard an Sicherheit der gleiche gewesen, den auch WhatsApp bietet, nämlich voreingestellte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (end-to-end encryption, E2EE). Sprich: Die Nachrichten werden nicht nur zum und vom Server verschlüsselt (Transportverschlüsselung), sondern permanent verschlüsselt gehalten und erst beim Empfänger entschlüsselt. Das macht WhatsApp seit 2016, und zwar mit dem in der Cryptoszene respektierten Double-Ratchet-Verfahren.

Dieses – von Signal erfundene – System ist gut für die asynchrone Kommunikation von Messengern geeignet und bietet wichtige Eigenschaften wie Forward Secrecy. Aufgrund solcher Vorteile wird das Verfahren auch von diversen anderen Messengern eingesetzt, im Testfeld neben Signal und WhatsApp auch von Element und Wire.

Den sehr populären Facebook Messenger haben wir nicht mit aufgenommen – er nutzt standardmäßig keine E2EE, und vor allem: Wer von WhatsApp wegen der neuen Facebook-Nutzungsbedingungen weg will, wechselt nicht zum Facebook-Messenger. Wegen unvollständiger E2EE haben wir Skype und Snapchat ebenfalls nicht getestet. Das ansonsten ordentliche iMessage fiel raus, weil es ausschließlich auf Apple-Geräten läuft.

Eine Ausnahme haben wir bei Telegram gemacht, den kurioserweise eine Aura der Sicherheit umgibt. Der Messenger verschlüsselt standardmäßig nicht Ende-zu-Ende, es lassen sich lediglich manuell "geheime Chats" starten, die etliche Nachteile haben. So funktionieren sie nur als Einzelchat, nicht in Gruppen. Außerdem sind die verschlüsselten Chats nur auf dem Haupt-Mobilgerät sichtbar, nicht auf dem Desktop-Client. Trotz allem gilt Telegram als sicherere WhatsApp-Alternative, weshalb wir es in den Test aufgenommen haben.

Unabhängig von der Verschlüsselung der Inhalte fallen beim Versand von Nachrichten Metadaten an. Diese Problematik – mit der Messenger unterschiedlich umgehen – beleuchten wir in "Wie Messenger versuchen, Metadaten zu vermeiden".

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