Sigma 28-70mm F2.8 im Test: Lichtstarkes Zoomobjektiv für Vollformatspiegellose

Lichtstärke kostet, vor allem bei Zoomobjektiven: Sigma durchbricht das Muster mit seinem 28-70er. Das Objektiv bleibt weit unter 1000 Euro und bietet einiges.

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Von
  • Sophia Zimmermann

Standardzoomobjektive mit einer Lichtstärke von f/2.8 sind vor allem für Vollformatkameras teuer. Sonys FE24-70mm F2.8 für die spiegellosen Systemkameras mit E-Mount kostet beispielsweise knapp 2500 Euro, gleiches gilt für Panasonics Lumix S PRO 24-70 mm F2.8, welches sich an die Vollformatmodelle mit L-Mount-Bajonett richtet. Sigma hat für die Fotografinnen und Fotografen dieser Systeme nun eine verlockende Alternative im Programm: das 28-70mm F2,8 DG DN | Contemporary.

Sigma 28-70mm F2.8 ist ein Standardzoomobjektiv aus Kunststoff, es deckt einen Brennweitenspektrum von 28 bis ...

...70 Millimeter ab. Der fehlende Weitwinkelspielraum sorgt für eine kompakte Bauweise - und wirkt sich positiv auf den Preis aus. So ist es deutlich günstiger als ein klassisches, lichtstarkes 24-70mm f/2.8.

Es kostete zur Markteinführung knapp 850 Euro und ist mittlerweile schon für weniger zu haben. Ursprünglich sollte das Objektiv im März 2021 in den Handel kommen, doch der Start verzögerte sich aufgrund von Problemen mit Geisterbildern.

Das Sigma 28-70mm F2.8 will vor allem ein flexibler Allrounder und ein leichter Reisebegleiter sein und darauf hat der Hersteller die Ausstattung konsequent getrimmt. Auffällig: Ihm fehlen ein paar Millimeter am kurzen Ende. Statt mit den klassischen 24 startet es 28 Millimetern. Wie entscheidend das ist, hängt sicher von den eigenen fotografischen Vorlieben ab. Die Diskussion darüber füllt diverse Fotoforen. Wer gerne Landschaften mit dem expressiven Weitwinkelcharakter gestaltet, dem werden die gemäßigten 28 Millimeter manchmal vielleicht doch nicht ganz reichen. Sie sind eher typisch für die Reportagefotografie samt szenischer Porträts. Doch die gesparten Millimeter erlauben vor allen angesichts der hohen, durchgängigen Lichtstärke von f/2.8 eine kompaktere und leichtere Konstruktion. So wiegt das Sigma-Objektiv auch nur etwa halb so viel wie ein f/2.8er Sony-Pendant mit der Anfangsbrennweite von 24 Millimetern.

Das mattschwarze Gehäuse besteht aus Polycarbonat und ist hochwertig verarbeitet. Zur Wetterfestigkeit macht Sigma keine Angaben. Zumindest besitzt das Objektiv am Bajonettanschluss einen schmalen Gummiring, der an dieser Stelle Feuchtigkeit abhalten kann.

Der Zoomring ist griffig gummiert und ein echter Staubfänger, der Fokusring bietet diesen Grip nicht, ist aber immerhin geriffelt und hat eine gute Breite. Er gibt beim manuellen Fokussieren einen angenehmen Widerstand, sodass man präzise damit arbeiten kann. Das Zusammenspiel mit dem Autofokus unserer Testkamera Sony A7R IV klappte reibungslos, wenn das Objektiv das Potenzial auch nicht komplett ausschöpft. So liegt die Auslöseverzögerung mit Autofokus beispielsweise "nur" bei etwa 0,4 Sekunden über die verschiedenen Brennweiten hinweg. Das Sony FE24-70mm F2.8 blieb in unseren Tests unter 0,3 Sekunden. Doch ganz abgesehen vom Sekunden-Peeping ist auch das Sigma-Objektiv Schnappschuss-tauglich. An unserer Sony A7 II, an der die meisten Praxisaufnahmen entstanden, arbeitete die Optik ebenso reibungslos. Freilich wirkt das Autofokussystem hier insgesamt im Vergleich weniger agil und "folgsam".

Den Fokusmodus können Fotografinnen und Fotografen außerdem über einen Schalter direkt auf dem Tubus regeln. Weitere Bedienelemente besitzt er nicht.

Hintergrund: So testet c't Fotografie

Um eine objektive Vergleichbarkeit von Digitalkameras und Objektiven zu ermöglichen, unterziehen wir die Testgeräte einem aufwendigen Labortest.

Das Zoomobjektiv zeigt eine gleichmäßige Leistung über die Brennweitenstufen hinweg. Wobei es bei mittlerer Brennweite teils etwas weniger präzise arbeitet.

Dabei scheint es durchaus auf die hohe Lichtstärke von f/2.8 optimiert zu sein, denn zentral liefert es im Labor hier seine beste Leistung ab. In Weitwinkelstellung reizt es dann die theoretisch mögliche Sensorauflösung der Sony A7R IV zu 96 Prozent aus, was etwa 3040 Linienpaaren pro Bildhöhe entspricht. Bei mittlerer Brennweite und am langen Ende reicht es immerhin für knapp 90 Prozent des theoretisch Machbarem.

Sigma 28-70mm F2,8 DG DN | Contemporary: Blendenreihe (14 Bilder)

100-Prozent-Ausschnitt aus der Mitte der c't Testszene: f/2.8

oben: 28 mm

Mitte: 50 mm

unten: 70mm

Die Randbereiche hinken hier allerdings sehr deutlich hinterher und liefern bei Offenblende um bis zu 25 Prozent schlechtere Messwerte. Erst relativ spät bei f/8.0 erreicht die Optik hier ihre beste Leistung.

In den Randbereichen fällt bei 28 Millimetern zudem die Verzeichnung mit -1,7 Prozent vergleichsweise hoch aus, sodass die Motive etwas tonnenförmig wirken. Im Telebereich kehrt sich dieser Effekt ins kissenförmige, ist mit 0,7 Prozent aber weniger ausgeprägt. Chromatische Aberrationen fallen vernachlässigbar gering aus, eine Vignette sieht man vor allem im Weitwinkelstellung. Die Randabschattung liegt hier bei Offenblende bei 1,2 Blendenstufen.

In unseren Praxisaufnahmen spiegeln sich die Messwerte sehr gut wider. Vor allem zentral und bei Offenblende liefert das Objektiv über die verschiedenen Brennweiten eine nahezu analytische Schärfe gepaart mit einer hohen Plastizität, die beispielsweise die Fäden der Garnrollen unserer c't Testszene präzise herausarbeitet und dabei mühelos die Struktur des Stoffs erfasst. Die Randbereiche wirken dagegen etwas unsauber und zeigen vor allem hin zu den längeren Brennweiten auch sphärische Aberrationen, sodass der Bildeindruck hier weicher und recht flau ist.

Wie zu erwarten war, profitieren vor allem ebendiese Randbereich vom Abblenden. Einmal reicht allerdings nicht, erst ab f/5.6 gewinnen sie deutlicher an Klarheit und können zur Bildmitte aufschließen.

Sigma 28-70mm F2,8 DG DN | Contemporary: Beispielbilder (17 Bilder)

Sony A7 II mit Sigma 28-70mm F2,8 DG DN | Contemporary bei 28 mm, ISO 100, f/2.8, 1/60 s

Grundsätzlich laden die geringe Naheinstellgrenze des Objektivs gepaart mit seiner hohen Lichtstärke zu Porträts oder Nahaufnahmen mit Bokeh-Effekten ein und auch hier hinterlässt das Sigma-Modell einen soliden Eindruck. Die Übergänge in die Unschärfe sind harmonisch weich und ruhig. Gleiches gilt für die Bokehkreise, die lediglich eine ganz zarte Zwiebelstruktur aufweisen und ansonsten ebenfalls unauffällig bleiben.

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Mit dem 28-70mm F2.8 DG DN | Contemporary liefert Sigma ein gelungenes Immer-drauf-Objektiv für die spiegellosen Vollformatkameras von Sony und der L-Mount-Alliance rund um Panasonic, Leica und Sigma selbst ab. Große Schwächen leistet es sich in seiner Preisklasse unter 1000 Euro nicht – eine ausgewiesene Wetterbeständigkeit wäre beispielsweise wünschenswert und am kurzen Ende fehlen dem ein oder anderen möglicherweise ein paar Millimeter. Doch wer auf der Suche nach einem lichtstarken Standardzoom ist und nicht mehrere Tausender auf die Ladentheke legen will, der kommt an diesem Objektiv kaum vorbei.

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(ssi)