Smarter Taucher: Withings Scanwatch Horizon​

Die hybride Scanwatch gibt es in einer Limited Edition im Taucheruhren-Stil mit Stahlband und drehbarer Lünette. Die Uhr misst Herzschlag und Blutsauerstoff.

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(Bild: heise online)

Von
  • Volker Briegleb

Withings hat der im vergangenen Jahr vorgestellten Hybriduhr Scanwatch ein sportliches Facelift verpasst. Die "Scanwatch Horizon" verpackt die bekannte Technik des Vorgängers in ein stattliches Edelstahlgehäuse mit drehbarer Taucherlünette. Die Uhr gibt es in limitierter Auflage mit dunkelblauem und dunkelgrünem Zifferblatt. Neben dem soliden Edelstahlarmband liegt noch ein farblich passendes Kunststoffband sowie Werkzeug und eine Ladeschale bei. Für das Paket ruft Withings stattliche 500 Euro auf.

Das Prinzip der Horizon kenn man von der ersten Scanwatch, die sich aufgrund der Coronavirus-Pandemie etwas verspätet hatte: Im Zifferblatt der analogen Uhr ist an der 12-Uhr-Position kleines PMOLED-Display eingelassen, auf dem Benachrichtigungen und Informationen über die smarten Funktionen der Uhr angezeigt werden. Gesteuert wird das mittels Drücken und Drehen der "smarten" Krone. Über der 6-Uhr-Position sitzt ein kleiner Totalisator, dessen Zeiger den Fortschritt bei den in der App eingestellten Bewegungszielen anzeigt. Wenn man mit der Krone durch die Menüs navigiert, fahren die Zeiger automatisch auf 10:10 Uhr und geben den Blick auf die Anzeigen frei.

Die Scanwatch kann neben Funktionen wie Aktivitätstracking oder Schlafüberwachung auch den Sauerstoffanteil im Blut messen sowie ein 1-Kanal-EKG anfertigen. Herzfrequenz und Sauerstoffsättigung misst die Uhr mit einem photoplethysmographischen (PPG-)Sensor an der Gehäuseunterseite. Mit diesen Messwerten kann die App Herzprobleme wie Vorhofflimmern und arhythmischen Herzschlag erkennen. Bei dem EKG dienen Gehäuseteile und die Lünette als Elektroden, der Nutzer muss dabei einen Finger der zweiten Hand an die Lünette legen.

Withings hat das mit medizinischen Studien belegt und die Scanwatch darf für diese Funktionen eine CE-Kennzeichnung als Medizingerät tragen. Kürzlich hat auch die US-Gesundheitsbehörde Federal Drug Administration (FDA) die Scanwatch als Medizingerät zugelassen – was die Apple Watch nicht ist, weil sie zwar die gleichen Daten erfasst, aber daraus keine konkreten Diagnosen ableitet. Auch vor einer Schlaf-Apnoe soll die zur CES 2020 erstmals vorgestellte Uhr zuverlässig warnen, die begleitende Studie musste aber wegen der Coronavirus-Pandemie unterbrochen werden und ist noch nicht abgeschlossen.

Die Scanwatch bietet ein detailliertes Aktivitätstracking, sie erkennt neben Gehen und Laufen verschiedene andere Sportarten und bietet dafür Trainingsprogramme an. Sie misst etwa die Anzahl der Schritte, die zurückgelegt Distanz und über den eingebauten Höhenmeter auch Etagen. Beim Schwimmen misst die Uhr die Dauern, die Anzahl der Bahnen, die Distanz und die Schwimmzüge. Dabei ist die Scanwatch auf das GPS des verbundenen Smartphones angewiesen.

Withings Scanwatch Horizon (12 Bilder)

(Bild: heise online)

Ihre Daten liefert die Uhr über eine Bluetooth-Verbindung an die "Withings Health Mate"-App (iOS/Android), die zu Beginn etwas überwältigend wirken kann, aber die Daten gut aufbereitet und auch als PDF-Export für den Arztbesuch anbietet. Das Setup gestaltet sich unkompliziert und geht schnell. Die App lässt sich individuell einrichten für die bevorzugten Sportarten. Die Daten speichert die App in der Cloud, dafür wird ein Withings-Benutzerkonto verlangt. Auf der Uhr selbst ist Platz für die Daten von etwa fünf Tagen, sollten sie zwischendurch nicht mit der App synchronisiert werden.

Bei einem ersten Kurztest liefert die App plausible Daten, die sich mit anderen Geräten bestätigen lassen. Die Herzfrequenz bestimmt die Uhr am zuverlässigsten in Ruhephasen, bei kurzzeitigen Anstrengungen oder dynamischen Sportarten gibt oft unterschiedliche Werte. Das zeigte sich auch im c't-Test der Withings Scanwatch. Die gelegentliche Schlafüberwachung lässt sich auch durchgehend einstellen, saugt dann aber spürbar am Akku.

Der Akku hält im Normalbetrieb fast einen Monat durch, im reduzierten Modus (nur Zeitanzeige und Bewegungstracking) noch einmal 20 Tage länger. Geladen wird er mit einem handelsüblichen USB-Ladegerät, das nicht mitgeliefert wird. Die leicht magnetische Ladeschale mit USB-A-Stecker passt aber an gängige Handy-Ladegeräte, die in jedem Haushalt vorhanden sein dürften. In rund zwei Stunden wird die Uhr voll geladen.

In der Preisklasse um die 500 Euro gibt es bereits hochwertig verarbeitete Armbanduhren mit verlässlichen Quarz- oder Automatik-Werken, da müssen die Details schon stimmen. Die Scanwatch Horizon gibt sich in dieser Hinsicht keine Blöße, imponiert aber auch nicht gerade mit wahnsinnig filigraner Verarbeitung. Das Edelstahlgehäuse misst gut 50 Millimeter von Horn zu Horn und ist durchgehend satiniert. Die Taucherlünette aus Edelstahl rastet satt in 120 Stufen, ist aber etwas schmal ausgefallen – vermutlich, um Raum für das Display zu schaffen. Deswegen wirkt die Uhr am Arm etwas größer als vergleichbare Sportuhren mit 43 Millimeter Durchmesser.

Im Vergleich zu einer 43-Millimeter-Uhr mit breiterer Lünette und kleinerem Zifferblatt wirkt die Scanwatch Horizon groß.

(Bild: heise online)

Das Stahlband mit massiven Anstoßstücken macht einen soliden Eindruck und klappert nicht. Die Schließe trägt etwas auf und drückt bei Schreibtischarbeit etwas unangenehm. Sie lässt keinen Spielraum für eine Feinverstellung, wegen eines herausnehmbaren halben Bandglieds lässt sich das Band aber dennoch ganz gut anpassen. Das Werkzeug dafür und drei Extraglieder werden mitgeliefert. Dank Schnellverschluss lassen sich die beiliegenden Bänder schön einfach tauschen, Withings hat darüber hinaus noch weitere Bänder im Angebot.

Die Scanwatch Horizon sieht zwar aus wie eine Taucheruhr, eignet sich aber nicht wirklich zum Gerätetauchen. Die Leuchtmasse auf Zifferblatt und Zeigern ist Superluminova, wurde aber nicht gerade üppig aufgetragen. Wasserdicht ist die Uhr laut Hersteller bis 10 bar oder etwa 100 Meter Wassertiefe. Ein bisschen Schnorcheln und paar Bahnen im Pool sollte die Scanwatch Horizon damit schadlos überstehen, echte Sporttaucher bleiben aber lieber bei ihrer Citizen Promaster und dem Tauchcomputer.

Für 500 Euro ist bekommt man eine solide Hybrid-Smartwatch mit durchdachter App, die aussieht wie eine richtige Sportuhr und nicht wie ein ums Handgelenk gespanntes Display. Wen das an der Apple-Watch stört, der hat mit der Withings Scanwatch eine Alternative mit großem Funktionsumfang. Die Scanwatch Horizon kostet zwar mehr als die Hybridmodelle von anderen Herstellern wie Skagen oder Fossil, kann aber auch mehr.

Die erste Charge der "Limited Edition" Horizon ist bereits vergriffen. "Aufgrund der großen Nachfrage zum Verkaufsstart war die Scanwatch Horizon innerhalb von 48 Stunden ausverkauft", erklärte eine Sprecherin des Herstellers. Wie viele Exemplare das waren, will das Unternehmen nicht verraten. "Bis Ende des Jahres werden immer wieder neue Kontingente der Scanwatch Horizon hinzugefügt", heißt es weiter. Wer Interesse hat, kann sich auf eine Warteliste setzen lassen und wird informiert, wann die Uhr wieder erhältlich ist.

(vbr)