"Starship Troopers" angespielt: Altmodische Strategie mit heiklem Szenario

Aristocrats inszeniert mit "Starship Troopers – Terran Command" spannende Echtzeitstrategie. Mit dem kontroversen Szenario geht das Spiel aber fahrlässig um.

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(Bild: SlitherineGames)

Von
  • Andreas Müller

"Starship Troopers - Terran Command" hat keinen leichten Stand. Die Romanvorlage von Robert A. Heinlein und die Verfilmung von Paul Verhoeven gelten als kontrovers: die erstere als Loblied auf den Militarismus und letztere als brutale Satire auf den Faschismus der Zukunft. Das Echtzeitstrategiespiel von Aristocrats kann sich zwischen beiden nicht so recht entscheiden. Trotz spannendem Spielprinzip hinterlässt das bei unseren Anspielstunden einen bitteren Beigeschmack.

Die Menschen nennen sie nur die "Bugs": Riesige Insekten erobern den Weltraum und nur die Streitmacht der Erde stellt sich ihnen entgegen. In Stadtruinen und in dunklen Höhlen kämpfen die Soldaten einen ungleichen Kampf gegen eine Säure- und Plasmastrahlen-werfende Übermacht. Zu allem Überfluss rebellieren auch noch die geknechteten Arbeiter zuhause. Der Kampf scheint verloren, als ein besonders strammer Offizier den Plan der Bugs auskontert.

"Starship Troopers" angespielt (5 Bilder)

Knackig, klassisch, kontrovers: In "Starship Troopers – Terran Command" kann das gelungene Spielprinzip den fahrlässigen Umgang mit dem heiklen Szenario nicht übertünchen. (Bild: heise online)

Mit dieser Military-SF-Story bleibt das Spiel weitgehend am Szenario der Vorlage. Die Soldaten sind echte Patrioten, die fast alle auf Befehl ihr Leben opfern und die Insekten sind brutale Killer, die alles zerfetzen und zerstören, was ihnen in den Weg kommt. Von Wüstenlandschaften geht es durch unterirdische Basen bis zu spektakulären Massenschlachten in den Ruinen zerstörter Städte gegen einen Gegner, der einfach nicht totzukriegen ist.

Im Gegensatz zu anderen Echtzeitstrategiespielen müssen sich Genrefans nicht viel mit Basisbau oder Micromanagement herumärgern. Das Entwicklungsstudio setzt eher auf die geschickte Kontrolle der Einheiten. Die Armeen ziehen über die Karte und nehmen Versorgungdepots oder Funkstationen ein, mit denen sie Aktionspunkte gewinnen. Mit diesen bauen Spieler und Spielerinnen schnell Gebäude und schicken ihre Truppen in den Kampf. Das temporeiche Spielprinzip erinnert eher an frühe "Command&Conquer"-Spiele als an "Age of Empires".

Die Infanterie an der Front, dahinter ein paar Raketenwerfer und Offiziere, die per Luftschlag ganze Horden von Gegnern auslöschen. Pioniere bauen Geschützstationen und Scharfschützen holen fliegende Insekten vom Himmel. In der zweiten Hälfte des Spiels kommen sogar noch ein paar waffenstarrende Mechs dazu. Je länger die einzelnen Truppenteile am Leben bleiben, desto besser werden sie. Als Elite-Einheit schalten sie besondere Fähigkeiten wie Brandbomben frei.

Trotz des fokussierten Spielprinzips ist der Kampf kein Spaziergang. Spieler und Spielerinnen müssen schnell eine schlagkräftige Truppe zusammenstellen und sich ihre Ziele genau aussuchen. Sie müssen unterirdische Nester ausnehmen, um den Nachschub zu unterbrechen oder den Feind von verschiedenen Flanken aus angreifen. In den teils langen Missionen ändern sich die Ziele: Erst müssen Soldaten die Stellung halten, dann aus dem Hinterhalt den Gegenangriff planen. Das erfordert Übersicht, Taktik und flinke Finger. Spannend!

Das kann über die inhaltlichen Probleme in unseren Anspielstunden aber nicht ganz hinwegtäuschen. Dass Spieler und Spielerinnen kritiklos in die Rolle einer Nazi-ähnlichen Militärdiktatur schlüpfen, scheint den Entwicklern egal zu sein. Eine moralische oder ethische Distanz zur zweifelhaften Ideologie findet kaum statt. Soldaten müssen gehorchen, aufständische Arbeiter werden weggeballert und Kritiker kommen vor das Militärgericht. Besonders makaber: In einer Mission müssen die Soldaten die Bugs so lange aufhalten, bis die Live-Übertragung der Hinrichtung eines Rebellen zu Ende ist. Selbst den ironisch angehauchten Propaganda-Spots zwischen den Missionen fehlt der beißende Witz des Verhoeven-Films. Zu diesen Kritikpunkten kommen der fehlende Multiplayer und gelegentliche Wegfindungsprobleme. Am Ende bleibt "Starship Troopers – Terran Command" ein zwiespältiges Vergnügen mit gelungenem Spielprinzip, aber einem mehr als heiklen Hintergrund.

Aristocrats setzt sich mit "Starship Troopers – Terran Command" zwischen alle Stühle. Während der Film eine bitterböse Satire ist, gibt es im Spiel nur harmlose ironische Spitzen. Selbst die werden aber wiederum beinharten Fans des Romans sauer aufstoßen. Schade, dass die Entwickler auf ein klares Statement gegen Militarismus und Faschismus verzichten. Stattdessen wird nur fahrlässig eine Marke zur oberflächlichen Unterhaltung ausgebeutet, die in der Science-Fiction-Geschichte so kontrovers wie kaum eine zweite ist. Was bleibt, ist ein klassisches RTS im Stil von "Command&Conquer", das sich durch ein entschlacktes Spielprinzip von Titeln wie "Age of Empires 4" abhebt. Wer beim unkritischen Umgang mit dem heiklen Szenario keine Gewissensbisse bekommt, darf sich auf ein spannendes und umfangreiches Solo-Abenteuer freuen.

"Starship Troopers – Terran Command" ist für Windows erschienen. Es kostet ca. 25 €. USK ungeprüft.

(dahe)