Test Elektroauto Honda e: Cool statt funktional

Hondas knuffiger "e" lockt mit toller Kabine, Heckantrieb und gutem Chassis. Doch Preis und Funktion sprechen leider gegen einen Honda e als Zweitwagen.

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Honda e

(Bild: Clemens Gleich)

Von
  • Clemens Gleich
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"Das ist ja cool!", rufen die meisten Leute aus, wenn sie den Innenraum des Honda e sehen. Eine Leiste von fünf Bildschirmen erstreckt sich über einem Lowboard aus Holzimitat. Darunter ein flacher Boden mit stylischen (ausfahrbarer Getränkehalter) oder praktischen (Schuko-Steckdose mit immerhin 1500 Watt Leistung) Accessoires in schicker japanischer Schlichtheit. Statt Außenspiegel: Kameras mit Bildschirmen.

Das Auto fährt obendrein toll. Das ausgewogene Chassis macht Laune, und trotz praktischem Maschinenraum vorn unter der Haube statt Frunk hat sich Honda zum Glück einen Heckantrieb geleistet. Damit schiebt der e kräftig aus Kurven heraus und punktet in der Stadt mit viel Lenkeinschlag, der zu einem knackig-kleinen Wendekreis von 9,2 Metern führt. Honda rundet das Paket mit einem spacigen Design ab, das Hondas Kleinwagen der 1960er- und 1970er-Jahre zitiert, etwa den süßen N600. Man findet sogar Linien von Hondas Konzept EV-N aus dem Jahr 2010 wieder, weil das dasselbe tat.

All das kostet Geld: Honda will mindestens 33.850 Euro sehen – viel Asche für ein Auto, das keine 200 km am Stück fährt. Die Zielgruppe könnte jedoch ähnlich der eines Mini Cooper SE oder eines Fiat 500 Abarth sein, der Honda e sich also als der coole Zweitwagen des Haushalts bewerben. Dabei stört aber, dass Honda wirklich sehr nah am Concept-Car gebaut hat. Viele Systeme des e funktionieren beim Demonstrieren ganz nett und im Alltag häufig gar nicht.

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Der Bildschirm hinter dem Lenkrad gehört den Tacho-Anzeigen. Die zwei Bildschirme in der Mitte und rechts gehören zu Infotainment/Telematik. Das meistbenutzte System wie immer: Navigation. Zum Glück hat Honda dieses System von Garmin machen lassen. Garmin ist zwar die Firma, die mich immer verkehrt in Einbahnstraßen leiten will, aber immerhin können sie ihr Metier besser als Honda selbst. Hondas eigene Navis waren stets weniger ein Fall für Usability-Besprechungen als eher ein Fall für die Genfer Konventionen.

Hier hapert es jedoch an der Systemintegration. Beispiel der Online-Sprachassistent: "Navigiere mich zu XY!" -> System sagt OK. Es passiert aber nichts. Manchmal behauptet der Assi, er verstehe mich nicht. Da er jedoch anzeigt, was er versteht, möchte ich ihn häufig der Lüge bezichtigen. Er versteht komplett richtig, was ich gesagt habe. Er hat nur keine Ahnung, was er dann machen soll, und das liegt nicht an der Spracherkennung (die kaufen die Hersteller ja alle zu), sondern an der Benutzerführung, die die Hersteller leider selber machen. Manchmal antwortet der Assi in einem kuriosen Denglisch-Mix, was den Konzeptauto-Eindruck vervollkommnet.

Honda e außen (18 Bilder)

Schöne, schlichte Kompaktlinie
(Bild: Clemens Gleich)

Ich will mich nicht lange mit dem Infotainment aufhalten, es ist schlicht und ergreifend etwas grützig. Man kommt (siehe Stellantis) schlussendlich damit irgendwie zurecht. Doch auch sonst hapert es an vielen Ecken und Enden an der Funktion. Die Heizleistung von Lenkrad- und Scheibenheizung ist so knapp dimensioniert, dass man beide hätte weglassen können. Das Lenkrad wird nur stellenweise, schubweise minimal warm, als gebe dir ein alter Kettenraucher auf dem Sterbebett die kühle Hand. Kalte Finger wärmen geht anders. Die Heizscheibe heizt so schwach, dass Honda immer mit Gebläse unterstützt, das dann die Hauptarbeit verrichtet. Das sind eindeutige Fehldimensionierungen.