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Test: Erste Bilder und Messungen mit der Nikon Df

Mit der Df hat Nikon eine digitale Spiegelreflexkamera auf den Markt gebracht, die mit ihrem konsequenten Retro-Look nicht nur attraktiv aussieht, sondern auch so richtig zum Fotografieren einladen soll.

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Mit ihrem markanten eckigen Spiegelgehäuse erinnert Nikons Df rein äußerlich an die analogen Spiegelreflexkameras der 1980er Jahre wie etwa die Nikon F-501. Vor allem an der Oberseite und der Front tummeln sich zahlreiche mechanische Einstellräder, Hebel und Tasten. Sie ermöglichen es, alle aufnahmerelevanten Größen direkt vorzunehmen, ohne einen Blick aufs Display werfen oder ins Menü gehen zu müssen: Neben ISO-Wert, Belichtungszeit und Blende sind das Betriebsart (M, A, S, P), Belichtungskorrektur, Shutter- und Belichtungs-Modus.

Nikon Df (16 Bilder)

Nikon Df

In Nikons Df steckt weitgehend die Technik von Nikons D4. (Bild: Nikon)

Im Innern ist die Df gespickt mit modernster Kamera-Elektronik. So entstammen etwa der Bildsensor im Kleinbildformat (Nikon FX) mit 16,2 Megapixeln und der Bildprozessor Expeed 3 Nikons Spiegelreflex-Flaggschiff, der D4. Die Empfindlichkeit reicht wie bei dieser von ISO 100 bis ISO 12.800 (erweitert von ISO 50 bis ISO 204.800). Der Autofokussensor entstammt der D600 beziehungsweise der D610. Wie diese bietet die Df eine Serienbildrate von 5,5 Bildern pro Sekunde und eine kürzeste Verschlusszeit von 1/4000 s.

Nikon Df Beispielbilder (9 Bilder)

Redaktions-Blumenstrauß

Blumenstrauß mit Nikon Df und AF-S Nikkor 50mm 1:1.8G bei ISO 100, f/11, 1,6 s, +0,7 EV, Stativ. Die Weißnuancen in den Blättern sind sehr fein abgestuft. (Bild: pen)

Als reine Fotokamera konzipiert hat der Hersteller bei der Df die Videofunktion weggelassen. Trotzdem gibt es einen Lifeview-Modus, um das Motiv gleich am Display beurteilen zu können. In diesem Modus stellt die Kamera nicht mit dem Phasen-, sondern per Kontrastautofokus scharf. Das geht jedoch deutlich langsamer als bei der Phasenmessung: Die Auslöseverzögerung erhöht sich gegenüber dem Phasenautofokus von 0,4 s auf 1,4 s.

Wenn man die Kamera das erste Mal in die Hand nimmt, ist man erstaunt über das geringe Gewicht, denn hier wurden nicht wie früher massive Bleche verarbeitet, sondern mit einer stabilen Magnesiumlegierung modelliert. Auch muss sich der Fotograf erst daran gewöhnen, dass die Kamera keinen so ausgeprägten Griffwulst wie moderne DSLRs besitzt und deshalb nicht so komfortabel mit einer Hand zu halten ist. Da die zweite Hand aber sowieso zum Scharfstellen oder Zoomen am Objektiv liegt, lässt sich trotzdem bequem fotografieren.

Die zahlreichen Einstellräder und -hebel der Nikon Df ermöglichen eine komfortable Bedienung.

(Bild: pen)

Praktisch sind die vielen Einstellräder und Hebel. Hier findet man sich sehr schnell zurecht. Gefühlt entschleunigt das Fotografieren mit der Df, die Auswahl der Belichtungswerte geschieht bewusster. Da man alle Parameter an den aufgedruckten Skalen ablesen kann, muss man nicht zwingend aufs Display oder in den Sucher schauen, um die getätigten Einstellungen zu überblicken. Nostalgie hin oder her, in den zahlreichen Menüs der Df findet man zusätzlich alle erdenklichen Einstellmöglichkeiten, wie man sie von einer professionellen DSLR erwartet: Individuelle Aufnahmekonstellationen für Autofokus, Belichtung, Anzeige, Belichtungsreihen oder Belegung der Bedienelemente.

Etwas unpraktsich: das kombinierte Akku-/Speicherkarten-Fach an der Unterseite

(Bild: pen)

Etwas unverständlich ist, warum sich das gemeinsame Fach für den Akku und die Speicherkarte an der Unterseite befindet. Zumindest die Karte sollte leichter zugänglich sein und wie gewohnt Platz in einem seitlichen Schacht untergebracht sein. Denn wenn man mit einer etwas größeren Stativplatte arbeitet, muss man erst die komplette Kamera abbauen, bevor man das Speichermedium wechseln kann. Zudem war das Bajonett unseres Testmodells etwa schwergängig und erforderte bei der Montage des Objektivs unnötig viel Kraft. Ein nettes Detail hingegen ist der Anschluss für einen mechanischen Drahtfernauslöser direkt oben am Auslöseknopf – Nostalgie pur.

Wer sich für eine Nikon Df entscheidet, wird sicher noch ein paar alte Nikon-Objektiv-Schätzchen ohne CPU in seiner Schublade liegen haben. Auch die alten, in der Regel etwas schlanker gebauten Optiken lassen sich an der Retrokamera reibungslos betreiben und stehen ihr obendrein optisch auch sehr gut zu Gesicht. Solche Non-CPU-Objektive können im vollmanuellen Modus oder bei Blendensteuerung (A) verwendet werden. Nikon unterscheidet bei den manuellen Objektiven zwischen AI und non AI. Letzteren fehlt die Mechanik um die Blendeninformation an die Kamera zu übermitteln.

Im Menü der Nikon Df lassen sich die Eckdaten für bis zu neun Objektive ohne CPU eingeben.

(Bild: Nikon)

Um Kamera und Objektiv optimal aufeinander abzustimmen, kann der Anwender für neun manuelle Linsen Eckdaten wie Brennweite, Lichtstärke und AI/non AI eintragen. Dadurch wird bei Blendensteuerung im Display die richtige Blende angezeigt und die dazu passende Belichtungszeit berechnet. Wir haben testweise ein älteres Zoom-Nikkor 35-70mm 1:3,3-4,5 angeschlossen. Hier muss man sich bei Eingabe der Objektivdaten für eine Brennweite entscheiden und die zugehörige Lichtstärke eintragen. Das klappte in der Praxis alles ohne Probleme. Im Sucher ist das Offenblendenbild zu sehen. Die Schärfentiefe lässt sich per Abblendtaste kontrollieren. Es geht aber auch ohne Eingabe der Objektivdaten im Manuell-Modus, da die Kamera bei eingestellten Blende-Zeit-Kombinationen die Über- oder Unterbelichtung als Balken anzeigt.

Angesichts des hochwertigen Innenlebens der Nikon Df erwarteten wir im Labor eine überzeugende Vorstellung. Und wir wurden nicht enttäuscht. Das Signal-Rausch-Verhältnis liegt mit einem Wert von knapp 100 auf dem Niveau der D4 und damit erfreulich hoch. Der Wert für das subjektiv wahrnehmbare Rauschen (VN) von 0,8 ist ebenfalls beachtlich. Dieses Niveau hält die Kamera bis ISO 200 durch, um dann kontinuierlich anzusteigen. Bei ISO 6400 liegt der VN-Wert bei immer noch bei erträglichen 2,4. Zum Vergleich: Dort liegt auch Canons 5D Mark III.

Nikon Df ISO-Reihe (9 Bilder)

ISO 100

Nikon Df mit AF-S Nikkor 50mm 1:1.8F bei f/8.0 und ISO 100 (Bild: pen)

Der Detailkontrast ist sehr hoch und hält sich auch bis ISO 3200, um dann leicht abzufallen. In den Aufnahmen von der c't-Testszene kann man die Messergebnisse gut nachvollziehen. Bis ISO 1600 lassen sich kaum Unterschiede ausmachen – der Detailkontrast ist hoch, und feine Strukturen wie beispielsweise an der Malpalette aus Holz löst die Df sauber auf. Der Abfall bis ISO 6400 hält sich in sehr erträglichen Grenzen. Erst darüber hinaus ist eine stärke Zunahme von Störungen auszumachen.

Blendenreihe der Nikon Df mit AF-S Nikkor 50mm 1:1.8G von f/1.8 bis f/16 (Ausschnitte)

(Bild: pen)

Wir konnten die Df gemeinsam mit ihrem Kit-Objektiv AF-S Nikkor 50mm 1:1.8G testen. Als solide Standardfestbrennweite passt es zur Kamera und legt einen guten Grundstock für die Erweiterung mit zusätzlichen Festbrennweiten oder hochwertigen Zoom-Optiken. Die beste Leistung erzielte die Optik im Bereich f/8.0 bis f/11. Bei Offenblende bis f/2.8 sind Auflösung und Mikrokontrast vor allem in den Ecken sichtbar geringer. Zentral liegt die Auflösung bei knapp 1500 Linienpaaren pro Bildhöhe (Lp/Bh). Das theoretische Maximum des Sensors wird mit 1640 Lp/Bh angegeben. Zu den Ecken hin verliert die Kamera mit der 50-mm-Optik nur leicht und erreicht hier im Schnitt 1400 Lp/Bh.

Nikon Df Blendenreihe (7 Bilder)

Blende f/1.8

Nikon Df mit AF-S Nikkor 50mm 1:1.8G bei ISO 100 und Blende f/1.8 (Bild: pen)

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Mit der Df hat Nikon sein Portfolio von DSLRs mit Kleinbildformat-Sensor um eine attraktive und hochwertige Kamera erweitert. Die Df wird bestimmt ihren Fankreis finden. Denn von einer Kamera, die sich wie eine Analogkamera anfühlt, aber die Leistung einer ausgereiften Digitalen an den Tag legt und sich ohne Schnickschnack zu 100 Prozent aufs Fotografieren konzentriert, haben sicher schon einige (nicht nur Nikon-) Fotografen geträumt. Wie groß der Zuspruch angesichts des stolzen Preises von 3000 Euro und der wachsenden Konkurrenz günstiger Vollformatkameras ausfallen wird, bleibt abzuwarten. (pen)