Test Porsche 718 Spyder

Das Auto, das sich die Mittelmotor-Fans wünschten, mehr noch: ein Auto, das jedem Sportwagen-Puristen das Herz aufgehen lässt und die Seele nährt.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 15 Beiträge
Von
Inhaltsverzeichnis

Ich hielt mich immer für „technologieoffen“, um ein aktuelles Adjektiv aus der Förderungsdebatte zu bemühen. Doch die vergangenen Ereignisse widerlegen diese Annahme. Als großer Fan der Mittelmotor-Antriebe bei Porsche nahm ich mir stets vor, den Vierzylinder-Turbomotor des 718 einmal zu fahren. Doch ich rief nie bei Porsche an. Es gab immer Wichtigeres, und nachdem bei diesem „wichtiger“ sogar ein Audi Q5e dabei war, dürfte die emotionale Bindung an die Idee, den 718 zu testen, praktisch nonexistent gewesen sein. Bis Porsche den 718 Spyder herausbrachte.

Porsche 718 Spyder Standards (9 Bilder)

Was für ein Schnittchen! Porsches Geschenk an die Fans.
(Bild: Clemens Gleich)

Mein treuer Kollege Tobi, der außer Superbikes auch Porsches liebt, hielt mich über den Verlauf des Projekts stets auf dem Laufenden, von der ersten Pressemeldung bis zu den Berichten von der Fahrveranstaltung, die anzeigen, dass demnächst der Testfuhrpark bestückt wird. Er tat das im Eigeninteresse, denn er wollte zum Test schließlich der Fotofahrer sein, mit der Betonung auf „Fahrer“. Was also hat sich geändert? Worin besteht der elementare Unterschied zwischen diesen äußerlich ähnlichen Autos?

Die Antworten sind so eindeutig, dass sie in jedem Test praktisch identisch stehen: Porsche hat das Auto gebaut, das sich die Mittelmotor-Fans wünschten, mehr noch: ein Auto, das jedem Sportwagen-Puristen das Herz aufgehen lässt und die Seele ernährt. Die großen Eckpunkte machen klar, worum es geht: Sechszylinder-Saugmotor, Handschaltung, Cabrio. Wahlweise Coupé als Cayman GT4. Doch wie immer sind es die vielen kleinen Details, die das Gesamterlebnis tragen. Schlaufen statt Türgriffe. Manuelles Verdeck. Kein Modus-Gewichse, stattdessen ein vernünftiges Sportwagen-Grundsetting. Wer einen „Komfort“- oder „Eco“-Modus will, soll eins der vielen Einheitsautos kaufen, die solche wirkungsfreien Globuli anbieten.

Wahrscheinlich taugt der 718 wegen des Mittelmotors so gut für dieses Projekt. Du sitzt mit dem Rücken direkt an der Firewall, aus der alle mechanischen Geräusche schallen, die dieser Antrieb produziert: Getriebe, Ventiltrieb, Verbrennung, Abgasanlage. Keins dieser Geräusche kommt aus der Konserve, gespielt per Lautsprecher, wie es mittlerweile so üblich geworden ist. Wenn der Boxermotor das Singen anfängt, lernt der Fahrer schnell, nach Gehör zu schalten, obwohl der analoge Drehzahlmesser weiterhin prominent in der Mitte der Tachoeinheit liegt. Dabei ist der Wagen nach außen dennoch nicht laut, wie ich beim Fotografieren feststellte.