Test: Toyota Supra GR 3.0

Toyotas neuer Supra spaltet die Gemüter, weil er mit BMW entwickelt wurde. Das jedoch nur in Forendiskussionen. Fahrerisch ist das Supra-Konzept selbsterklärend

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(Bild: Gleich)

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"Ohne Kooperation kein neuer Toyota Supra" – auf diesen Punkt brachte es Paul Kubitza vom Verein "German Supra MK4 Group" im Gespräch. Lassen Sie mich das also ganz zu Anfang schon abhaken. Es gab sehr viel Gejammer im Vorfeld darüber, dass sich Toyota wie beim GT 86 einen Partner gesucht hat, statt alles selber zu machen wie damals zum Flügelflaggschiff des Supra Mk. 4. Das sollte ernsthafte Interessenten nicht weiter stören. Sie machen eine Probefahrt, die alle Fragen rund um "warum gibt es dieses Auto?" restlos beantwortet. Wer stets reflexartig "abba das ist ein BMW" vorgeladen auf Strg-v bereithält, der (sind wir einmal ehrlich) kauft doch sowieso nicht. Dieser Test richtet sich an die aufgeschlossene Mitte, die sich noch fragt, ob sich eine Probefahrt lohnen könnte. tl; dr: ja.

Die Fan-Probleme des Supra kommen vielleicht daher, dass viele Fans über Videospiele der Neunzigerjahre auf den Supra kamen, die den Mk. 4 portraitierten. Mit diesem Projekt wollte Toyota den europäischen Sportwagenherstellern einmal zeigen, was Japan so kann. Das Auto wurde technisch sehr gut, doch ökonomisch ein großer Flop, auf dem internationalen und auch im Heimatmarkt. Ein sehr teurer Sportwagen, geboren in eine Krise. Der Mk. 3 vor ihm war ganz anders. Der Mk. 2 lief noch unter "Celica Supra", denn der Supra war ursprünglich das Topmodell der Celica-Baureihe.

Der Mk. 5 heute ist wieder anders. Eigentlich gibt es innerhalb der Supra-Reihe weniger Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Gleich blieben vier Räder und sechs Zylinder in Reihe. Sonst war jeder Supra ein Kind seiner Zeit. Doch sollte es da Zweifel geben: Der aktuelle Supra ist ein schnelles Auto. Er fährt dem Mk. 4 davon, allein durch den technischen Fortschritt bedingt, gepaart mit einem besseren Leistungsgewicht.

Toyota Supra GR 3.0 Standards (7 Bilder)

Tales from the Fast Loop: Lange warteten die Fans auf einen neuen Supra. Dann meckerten sie.
(Bild: Clemens Gleich)

Wenn ich den aktuellen Supra in einem Satz einordnen soll: Das ist ein Auto für Menschen, denen Fahrgefühl über Rundenzeit geht. Denn auf diesen vor allem für Toyota erstaunlichen Nenner hat Projektleiter Tetsuya Tada (bekannt aus Funk, Fernsehen und GT 86) das Auto optimiert.

Das Erste, das dir am Supra auffällt, ist der herrlich lineare Durchzug des Turbo-Reihensechszylinders. Das Zweite, was dir gleich in der ersten zügigen Kurve auffällt: Der Supra fährt sehr nervös. Nun hat Toyota sehr viel Erfahrung in der Fahrwerksabstimmung. Selbst Gurken wie der C-HR (Test) liegen bemerkenswert gut auf der Straße. Den GT 86 hat Toyota absichtlich etwas weicher abgestimmt als Subaru ihren BR-Z. Den Supra will Toyota also so nervös. Der Grund dafür dürfte eindeutig sein: Es macht irgendwie Laune.

Der Supra versetzt seitlich, als führe man einen Rennwagen die bollerige Nordschleife entlang, während man minimal zügig zum Einkaufen fährt. Das ganze Feeling ist da. Es ist eine in Sachen Radführung suboptimale Einstellung. In Sachen Spaß liegt sie weit vorn. Das Heck schwänzelt früh, gerne und stark. Mit dem Reihensechser vorn liegen vollgetankt über 51 Prozent des Gewichts auf der Vorderachse (Werksangabe: 50 Prozent). Das sind Werte, die im Motorradbereich üblich sind.

Beim Bremsen und Beschleunigen zeigt der Supra starke Achslastverschiebungen, die sich mit entsprechenden Fahrwerksreaktionen melden. Der Sportmodus mit harten Lastwechseln aus dem Automatikgetriebe verstärkt das. Ein ESP-Eingriff-System auf der Vorderachse verstärkt das Einlenken, genauso wie das Torque Vectoring auf der Hinterachse, das auch im Schiebebetrieb arbeitet.