"Tony Hawk's Pro Skater 1+2" probegerollt: Retro, aber zeitgemäß

Nah am perfekten Remaster: "Tony Hawk's Pro Skater 1+2" bringt wenig Neues, poliert die alten Spiele aber fulminant auf.

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(Bild: c't)

Von
  • Jan-Keno Janssen

Wer um die Jahrtausendwende ein Teenager war, hat mit recht großer Wahrscheinlichkeit schon einmal einen Tony-Hawk-Titel gespielt – die Pro-Skater-Spieleserie gehörte damals zur Jugendkultur wie MySpace, Bong und ICQ. Videospiele hatten zuvor immer einen etwas muffig-nerdigen Beigeschmack, aber spätestens Tony Hawk änderte das grundlegend: Alleine der Soundtrack war sowas von zeitgeistig-cool, lässiger ging es nicht. Westküsten-Punkrock, Hiphop, Crossover, alles mit dabei, was der Jugendliche von Welt damals "fett" fand.

Mehr als zwanzig Jahre nach Erscheinen des ersten Teils hat Activision nun ein kombiniertes Remaster von "Tony Hawk's Pro Skater 1" (von 1999) und "Pro Skater 2" (von 2000) veröffentlicht (PS4, XBox One, PC-Version exklusiv im Epic-Store). Das Remaster enthält alle Levels der beiden Teile und, fast noch wichtiger, auch fast den kompletten Originalsoundtrack. Lediglich drei Titel fehlen ("Commited" von Unsane, "Out With the Old" von Alley Life und "B-Boy Document ‘99" von The High & Mighty, featuring Mos Def & Mad Skillz). Damit sich das Ganze nicht zu retro anfühlt, gibt es obendrein eine ganze Reihe aktueller Songs. Insgesamt bietet das Remaster 53 Tracks – wer mal reinhören will: Hier die komplette Playlist auf Spotify.

Wespenstich?

2012 war schon einmal ein Remaster erschienen, "Tony Hawk’s Pro Skater HD", doch kam das bei Kritik und Publikum so schlecht an, dass es bereits ein paar Jahre später von den Digitalmarktplätzen wie Steam gelöscht wurde. Dabei sah das von Robomodo entwickelte Spiel ganz okay aus – es fühlte sich allerdings komisch an, sehr problematisch, denn ein flüssiges Spielgefühl ist bei Tony-Hawk-Titeln das A und O. Das aktuelle Remaster flutscht wie Seife: Das New Yorker Studio Vicarious Visions konnte die bereits im Original tolle Schwuppdizität sogar noch verbessern, unter anderem dadurch, dass sie die manchmal etwas langatmigen Animationen nach Stürzen mit einem Vorspul-Effekt beschleunigen. Das klappt hervorragend, was sicherlich auch an den stabilen 60 FPS liegt, die das Spiel so gut wie immer erreicht. Im Splitscreen-Couch-Coop-Modus muss man allerdings mit halbierter Framerate leben.

Natürlich sieht das Spiel auch viel besser aus als die grobpixeligen und polygonarmen Vorgänger. Doch auch wenn sich die Entwickler große Mühe gegeben haben: Die Level wirken immer noch ziemlich leer, statisch und künstlich; das Gefühl, dass man hier durch die echte Welt skatet, hat man nie. Dennoch: Das geniale "Eine-Runde-spiele-ich-noch-kurz"-Prinzip funktioniert auch heute noch richtig gut.

Am grundlegenden Spielprinzip hat sich nichts geändert: Innerhalb eines 2-Minuten-Zeitlimit versucht man, möglichst viele der vorgegebenen Ziele zu erreichen. Je mehr Ziele man abhakt, desto mehr Level werden freigeschaltet. In "THPS 1" gibt es neun davon, in "THPS 2" acht.

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Für Anfänger ist das ganz schön schwierig, Tony-Hawk-Veteranen können sich dagegen in wenigen Stunden durchs Spiel grinden. Vor allem, weil im Remaster das Tricksystem aktiv ist, das eigentlich erst im zweiten (Manuals) und dritten Teil (Reverts) hinzugekommen ist. Sowohl Manuals als auch Reverts dienen dazu, mehrere Tricks zu punktebringenden Combos aneinanderzuhängen. Den meisten Tony-Hawk-Fans sind diese Manuals (zwischen zwei Tricks das Steuerkreuz nach oben und unten drücken) so in Fleisch und Blut übergegangen, dass sich das Spiel ohne einfach falsch anfühlt – trotz historischer Ungenauigkeit. Wer es ganz genau nehmen möchte, kann die Funktion aber auch deaktivieren. Neu sind im Remaster die Sammelaufgaben, und zwar überbordend viele: Sage und schreibe 714 Challenges kann man absolvieren, für die es als Belohnung kosmetische Goodies wie neue Skateboard-Designs gibt. Obendrein gibt es einen Skatepark-Editor mit Online-Funktion.

Die Skater aus den ersten Teilen sind sichtlich gealtert. Hier ist der heute 52-jährige Tony Hawk zu sehen.

(Bild: c't)

Mit "Tony Hawk's Pro Skater 1+2"macht man nichts falsch, wenn man sich auch nur ansatzweise für Skate-Spiele begeistern kann – oder sich einfach nur wieder zurück ins Jugendzimmer träumen will. Auch wenn es sich um ein Remaster von zwei rund 20 Jahre alten Titeln handelt, wirkt das Spiel nicht unangenehm retro; es dürften auch Menschen Spaß damit haben, die noch nie einen Tony-Hawk-Titel gespielt haben. Sehr charmant übrigens: Der Altersunterschied zwischen neuen und alten Spielern spiegelt sich auch in den Charakteren wieder: Alle schon aus den ersten Teilen bekannten Skater sehen aus wie heute: Tony Hawk ist 52 Jahre alt. Doch es gibt auch Charaktere, die so alt sind, wie die Spieler von damals – unter anderem Tony Hawks Sohn Riley.

(jkj)