Toyota Yaris Hybrid im Test: Das reale Drei-Liter-Auto

Der Yaris Hybrid erreicht mühelos eine Drei vorm Komma. Sein selbstbewusster Preis bringt ihm allerdings Konkurrenz in Form hoch subventionierter Elektroautos.

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Der Yaris Hybrid lässt sich abseits der Autobahn geradezu verblüffend sparsam bewegen.

(Bild: Christoph M. Schwarzer)

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  • Christoph M. Schwarzer
Inhaltsverzeichnis

Drei Komma X: Die Mühelosigkeit, mit der im Toyota Yaris Hybrid Verbrauchswerte von unter vier Litern erreichbar sind, ist verblüffend. Das gilt zumindest nach der unmittelbaren Kaltstartphase und diesseits der Autobahn. Also auf Bundesstraßen und in der Stadt.

Die zweite Generation des Yaris Hybrid unterbietet den niedrigen Kraftstoffkonsum des Vorgängers meistens – aber nicht immer – um ein paar Zehntel. Außerdem hat Toyota offenbar auf die Kritik der Kunden gehört: Mehrere signifikante Schwächen wurden behoben. Beim Preis bleibt der japanische Konzern weiterhin sehr selbstbewusst.

Die Proportionen haben sich leicht zugunsten des Innenraumkomforts verschoben: Der Yaris ist mit 1,75 Meter fünf Zentimeter breiter geworden, was für die Ellenbogen das entscheidende Mehr bedeutet. Höhe und auch Länge sind weitgehend identisch. Toyota folgt hier nicht dem Trend, die Parklücken mit jeder Evolutionsstufe weiter auszufüllen.

Der Yaris ist nochmals sicherer geworden. Das liegt zum Beispiel an den LED-Scheinwerfern. Sie bilden einen scharfen Kontrast zu den mangelhaften Halogenlichtern des Yaris Hybrid (Test) in seiner bisherigen Form. Allerdings sind sie erst ab der Ausstattungslinie Club (ab 22.990 Euro) inbegriffen. Serienmäßig in allen Yaris-Modellen – also auch in der handgeschalteten Basisversion mit 53 kW (72 PS) Motorleistung – ist dagegen ein umfangreiches Assistenz- und Sicherheitspaket.

Das umfasst zum Beispiel einen adaptiven Tempomaten und die wahlweise aktive Mittelspurführung. Auf der Autobahn cruist man dahin wie bei den ganz Großen. Geschwindigkeitsregelung ein, Lenkassistent ein, laufen lassen. Darüber hinaus ist es möglich, das über die Verkehrszeichenerkennung identifizierte Limit mit langem Zug am Lenkradschalter zu übernehmen. Es ist fraglich, warum die Konkurrenz deftige Aufpreise für diese Funktionen verlangt, obwohl Radar und Kamera wegen der vorgeschriebenen Notbremssysteme in allen Motorvarianten vorhanden sind. Ein Lob geht also an Toyota, auch für die automatische Fernlichtschaltung, den Kreuzungs-Assistenten und zahlreiche Airbags.

Der Toyota Yaris Hybrid im Test I (6 Bilder)

Ab 19.990 Euro: Der Toyota Yaris Hybrid der zweiten Generation ist zwar ähnlich groß wie der Vorgänger, wurde aber technisch und optisch stark überarbeitet. Der Testwagen kam in der üppigen Ausstattungslinie Style (ab 25.090 Euro).
(Bild: Christoph M. Schwarzer)

Sicher ist sicher, das galt und gilt auch für den Antrieb. Die Dauerhaltbarkeit der Toyota-Hybride hat sich herumgesprochen. Am Grundaufbau hat sich beim Yaris Hybrid wenig geändert, im Detail allerdings eine Menge.

Der Vorgänger basierte beim Antriebsstrang im Wesentlichen auf dem Prius 2. Im Vergleich zur aktuellen Stufe des Hybridantriebs, die 2016 mit dem Prius 4 (Test) und der Toyota New Global Architecture (TNGA) anlief, war der Yaris schlicht veraltet. Der neue Yaris Hybrid hat zwar weiterhin 1,5 Liter Hubraum, der Rest ist aber stark überarbeitet.

Die technische Basis des Toyota Yaris

Dass sich dieser Hubraum jetzt auf drei statt vier Zylinder verteilt, führt zu einem veränderten und im Vergleich zur Konkurrenz deutlicher wahrnehmbaren Klangbild. Das Drehmoment des Verbrennungsmotors steigt leicht von 111 auf 120 Nm und die Leistung von 55 auf 68 kW. In Addition mit der Kraft des größeren der zwei Elektromotoren von 59 kW sowie 141 Nm ergibt sich eine Systemleistung von 85 kW (116 PS). Wie gehabt erfolgen die Verteilung und Steuerung des Dreizylinders sowie der beiden E-Motoren über ein Planetengetriebe, das Toyota e-CVT nennt.

Der Gewinn im Praxisbetrieb ist spürbar angestiegen, was sich an den reinen Beschleunigungswerten (9,7 statt 12 Sekunden auf 100 km/h) nur unvollkommen ablesen lässt. Alles wirkt unangestrengter, man muss den Yaris selten prügeln, und auch bei der Autobahnauffahrt ist es vorbei mit dem gequält wirkenden Hochdreh-Sound des Vierzylinders. Der Schub hält lange an, und das Geräuschniveau von Wind und Fahrwerk ist niedriger als zuvor. So leise wie ein VW Polo ist der Yaris allerdings weiterhin nicht.

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Auf der Autobahn helfen adaptiver Tempomat und Mittelspurführung beim komfortablen Fahren. Weil die Stirnfläche des Yaris Hybrid aber nahezu unverändert ist, erreicht der Verbrauch keine neuen Rekorde: 6,1 Liter bei Richtgeschwindigkeit (Anzeige dabei: 133 km/h) sind okay, aber nicht sensationell. Hier gibt es keinen habhaften Fortschritt.

Das ändert sich, sobald die Abfahrt erreicht ist. Der rein elektrische Fahrbereich des Antriebsstrangs ist weitaus größer geworden. An der Kapazität der Pufferbatterie – man höre und staune, Toyota ersetzt den Nickel-Metallhydrid- durch einen Lithium-Akku – von nur 0,76 kWh allein kann das nicht liegen. Wahrscheinlich ist die Leistung (früher: 20 kW) der Pufferbatterie gewachsen, Toyota gibt hier keine Werte an. Das effizientere Thermomanagement des Dreizylinders ist der zweite Faktor, der dazu beiträgt. Er schaltet viel früher ab als zuvor: Im Schiebebetrieb ab rund 120 km/h. Und beim Beschleunigen geht es bis circa 80 km/h ohne Sprit.

Das Resultat sind Verbrauchswerte, die von keinem Konkurrenten erreicht werden. Gewollt aggressiv gefahren sind über vier Liter möglich. Wer den Yaris gleiten lässt, bekommt nach Ablauf der Kaltstartphase problemlos weniger angezeigt. Im Überlandbetrieb waren es 3,6 Liter, und falls der Verkehr in der Stadt mal rollt, blitzt sogar die 2 zeitweise auf. Das Testmittel von 5,1 Litern war das Resultat eines Autobahn-lastigen Streckenprofils, wobei das Wetter noch frühlingshaft mit einstelligen Temperaturen und die Fahrbahn zeitweise nass war.

Toyota Yaris Hybrid im Test II (3 Bilder)

Die 17-Zoll-Räder der Linie Style schränken den Abrollkomfort ein, und leider hat der Yaris zwar auf die TNGA-Plattform gewechselt, aber nicht die Mehrlenkerhinterachse des Corolla bekommen. Das Fahrwerk ist viel besser als beim Vorgänger, kommt aber nicht an den Klassenprimus Ford Fiesta heran.
(Bild: Christoph M. Schwarzer)

Auf kurvigen Straßen zeigt sich, dass die breitere Spur und die neue Lenkung dem Yaris guttun. Der Alte fühlte sich da etwas holzig und unpräzise an. Ganz überwunden sind die Abstimmungsschwächen nicht: Die 17-Zoll-Räder des Testwagens (Ausstattungslinie Style, ab 25.090 Euro) mögen nett aussehen, rollen aber zu hart ab. Leider hat der Yaris auch nicht die Mehrlenkerhinterachse von Corolla und Prius bekommen, sondern nur eine Torsionskurbelachse. An den bekannt agilen Ford Fiesta kommt er nicht heran, er ist nur erheblich besser als der staksende alte.

Endlich bestellbar ist jetzt eine Anhängekupplung mit einer Zuglast von 450 kg zum Preis von 539 Euro. Nicht viel, aber genug für den Einachser mit den Gartenabfällen oder für die Rennjolle. Toyota vertreibt über den Zubehörkatalog auch den guten Heckfahrradträger von Uebler (652 Euro), der für zwei Räder mit bis zu je 30 kg ausgelegt ist. Also auch für die fetten Pedelecs, deren Batteriekapazität mit dem Yaris Hybrid fast gleichauf liegen. Diverse Dachträger sind ebenfalls im Angebot.

Das ist erwähnenswert, weil das bei batterieelektrischen Autos häufig nicht oder nur eingeschränkt erhältlich ist. Womit wir beim Thema wären: Die üppige Förderung ("Innovationsprämie") von 9570 Euro bringt Fahrzeuge wie den Opel Corsa-e oder sogar den VW ID.3 Pure in vergleichbare Preisregionen.

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Das kommt darauf an. Käufer von Elektroautos haben sich im Regelfall für diese Antriebsart entschieden und interessieren sich nicht für Vergleiche zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Die Kraftstoffkosten des Yaris Hybrid jedenfalls sind gering, die Kfz-Steuer (beim Testwagen mit üppiger Ausstattung 97 g CO2/km nach WLTP) mit 34 Euro im Jahr niedrig und die Zuverlässigkeit legendär. Eine Degradation der Pufferbatterie tritt extrem selten auf, während Besitzer eines batterieelektrischen Autos mittel- und langfristig mit einer schrittweisen Reduzierung der in dieser Klasse ohnehin geringen Reichweite rechnen müssen.

Trotzdem werden vor allem Selbstständige und Dienstwagenberechtige (gewerbliche Zulassungen beim Yaris im Januar laut KBA: 47 Prozent) Elektroautos im Blick behalten, weil die Versteuerung des geldwerten Vorteils der Privatnutzung von einem Prozent des Bruttolistenpreises auf ein Viertel sinkt.

Ein Schnäppchen war der Toyota Yaris Hybrid nie, und auch wenn die Preise ausstattungsbereinigt kaum angestiegen sind, ist der Sparwille teuer: Die mit dem Mindestmaß des Sinnvollen ausgerüstete Linie Comfort ist ab 21.490 Euro und die empfehlenswerte Mitte namens Club ab 22.990 Euro zu haben. Dennoch darf als sicher gelten, dass rund zwei Drittel aller Yaris als Hybrid ausgeliefert werden. Das Motto: "Wenn Hybrid, dann Toyota, und wenn Toyota, dann bitte als Hybrid."

Es bleibt der starke Eindruck eines äußerst sparsamen, sicheren und soliden Autos. Der Toyota Yaris Hybrid hat einen großen Sprung nach vorne gemacht. Er ist nochmals kraftvoller und zugleich effizienter geworden. Der Kauf eines Toyotas ist für viele Privatkunden eine langfristige Investition. Mag der Preis auch hoch sein, die Dauerhaltbarkeit des Hybridantriebs zahlt sich aus. Nicht jeder hat schon Lust auf ein Elektroauto.

Der Hersteller hat den Testwagen kostenfrei zur Verfügung gestellt und überführt. Der Autor hat die Kraftstoffkosten getragen.

Datenblatt
Hersteller Toyota
Modell Yaris Hybrid
Motor und Antrieb
Motorart Otto/permanenterregter Synchronmotor
Zylinder 3
Ventile pro Zylinder 4
Hubraum in ccm 1490
Leistung in kW 68 und 59
Drehmoment in Nm 120 (3600 bis 4800/min) und 141
Systemleistung kW (PS) 85 (116)
Antrieb Front
Getriebe zwei E-Maschinen mit Planetengetriebe
Gänge -
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1531 - 1518
Spurweite hinten in mm 1528 - 1514
Radaufhängung vorn Unterer Querlenker, Feder-Dämpferbein
Radaufhängung hinten Doppelquerlenker
Lenkung Zahnstange, elektrisch unterstützt
Wendekreis 10,4 - 9,8 (je nach Bereifung)
Reifengröße vorn 195/55R16 oder 205/45R17
Reifengröße hinten 195/55R16 oder 205/45R17
Bremsen vorn Scheibe, innenbelüftet
Bremsen hinten Scheibe
Maße und Gewichte
Länge in mm 3940
Breite in mm 1745
Höhe in mm 1500
Radstand in mm 2560
Kofferraumvolumen in Litern 286
max. Kofferraumvolumen in Litern 768
Leergewicht in kg nach EU inklusive 68 kg Fahrer und 7 kg Gepäck 1090
Zuladung in kg 525
Dachlast in kg 50
Anhängelast in kg 450
Tankinhalt in Litern 36
Batteriekapazität in kWh k.A.
Fahrleistungen
Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in Sekunden 9,7
Höchstgeschwindigkeit in km/h 175
Verbrauch
Verbrauch WLTP in Litern/100 km 4,3
Testverbrauch Minimum in Litern 3,2
Testverbrauch Durchschnitt Litern 5,1
CO2-Emission WLTP in g/km 97
Abgasnorm Euro 6 AP
Daten Stand 09.02.2021
Preisliste
Hersteller Toyota
Modell Yaris Hybrid
Ausstattungslinie Style
Preis für diese Ausstattungslinie 25 090
Infotainment
DAB+ S
USB-Anschluss S
Soundsystem 690
Navigationssystem S
Verkehrsdaten in Echtzeit S
Freisprecheinrichtung S
Head-up-Display 850
Assistenz
Abstandstempomat S
Einparksensoren vorn 990 inkl Einparksensoren v.u.h., Rückfahrassistent und Totwinkelwarner
Einparksensoren hinten 990 inkl Einparksensoren v.u.h., Rückfahrassistent und Totwinkelwarner
Einparkassistent
Rückfahrkamera S
Totwinkelwarner 990 inkl Einparksensoren v.u.h. und Rückfahrassistent
Müdigkeitserkennung
Spurhalteassistent S
Matrix-Licht
Funktion
LED-Scheinwerfer S
elektrische Heckklappe S
Alarmanlage
schlüsselloser Zugang S
Fahrwerksoption
Komfort
Sitzheizung S
Ledersitze S
Optionssitze
beheizbares Lenkrad
Lederlenkrad S
Klimaautomatik S
Automatikgetriebe S
Schiebedach
festes Glasdach 490 Nur für Yaris Style Hybrid und nur in Verbindung mit Technik-Paket.
Sonstiges
Metalliclack 650 bis 890
Leichtmetallfelgen S
Preisliste Stand 01.01.2021

(fpi)