"Tunic" angespielt: Putzige Fassade, bockschwere Kämpfe und Rätsel über Rätsel

Ein niedlicher Fuchs an einer lichtdurchfluteten Küste: "Tunic" sieht hübsch aus, entpuppt sich aber als Spiel mit immensem Tiefgang, das einen nicht loslässt.

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Los geht's...

(Bild: heise online)

Ein kleiner Fuchs, der in einem fremden Land aufwacht und völlig auf sich selbst gestellt ist. So beginnt "Tunic", ein Spiel, das niedlich aussieht, aber ein schier unerschöpfliches Reservoir an Rätseln bietet und in Teilen wirklich bockschwer ist.

Davon muss man sich aber nicht abschrecken lassen, denn wer darauf verzichten will, sich immer und immer wieder an den gleichen Gegnern die Zähne auszubeißen, kann sich einfach unverwundbar machen. Die Anleihen an die Zelda-Klassiker sind in "Tunic" nicht zu übersehen und so einen zentralen Platz hatte wohl seit Jahrzehnten kein Handbuch mehr in einem Videospiel. Dazu gibt es eine Spielwelt, die zwar nicht riesig ist, aber mit ihren cleveren Abkürzungen, geheimen Verstecken und Rätseln immer wieder für Überraschungen sorgt.

Aber der Reihe nach: In "Tunic" steuert man von schräg oben den namenlosen Fuchs durch eine wunderschöne, aber doch spieletypische Welt im Fantasy-Gewand. Dort trachten ihm alle Lebewesen nach dem Leben. Anfangs können wir uns nur mit einem Stock wehren, bald kommt ein Schwert dazu und schließlich weitere Waffen. Worum es genau geht und was unser Held zu tun hat, ist nicht klar. Erst nach und nach werden einige Fragen beantwortet, gleichzeitig kommen viel mehr hinzu. Das bleibt von einigen Längen abgesehen größtenteils motivierend. Dabei hilft das besondere Handbuch, das einen zentralen Bestandteil des Spiels darstellt. Die einzelnen Seiten sind in der Welt verstreut und müssen eingesammelt werden. Wer sich auf die sich Lektüre einlässt, wird in dem virtuellen Heft immer wieder Neues entdecken.

"Tunic" angespielt (6 Bilder)

Anfangs kann man sich nur mit einem Stock der Gegner erwehren.
(Bild: heise online)

Anfangs nehmen aber die Kämpfe den meisten Raum ein. Überlebt man die nicht, verbleibt ein Geist am Ort der Niederlage, den man im nächsten Versuch einsammeln kann. Dann gibt es das verlorene Geld zurück und gleich eine kleine Explosion, die im Kampf hilft. Hat man zu viel Schaden genommen, kann man sich an einem Altar ausruhen, danach tauchen aber auch alle Gegner wieder auf. Das kann zu Beginn frustrieren, später sind die aber nicht einmal mehr lästig. Ganz anders sieht es bei den Zwischenbossen aus, die um mehrere Größenordnungen schwerer sind. Nicht nur hier bedient sich das Spiel großzügig an der Souls-Reihe. Wer darauf keine Lust oder dafür keine Zeit hat, macht sich einfach im Menü unverwundbar und kann ohne Nachteile weiterspielen. Daran wiederum sollten sich andere Spiele ein Beispiel nehmen.

Im weiteren Verlauf werden die Rätsel und die Frage nach dem Sinn des Ganzen immer wichtiger. Wer sich die Zeit nimmt und gerne grübelt, kann in der Anleitung immer wieder neue Ansätze finden, um Richtung Spielende voranzukommen oder Errungenschaften einzusammeln. Zum Nachdenken gibt es dabei eher zu viel als zu wenig. Anders als für die Kämpfe gibt es für die vielen Rätsel im Spiel zwar keine Umgehungshilfe. Lösungshilfe im Netz sollte man nur suchen, wenn man absolut nicht weiterweiß: Viel befriedigender ist es, einfach woanders hinzureisen, alles noch einmal genau anzugucken und wieder etwas Neues finden. Dabei kann man sich auch den großartigen Soundtrack noch länger anhören.

"Tunic" ist ein wunderschönes Spiel, unter dessen putziger Haube sich schwere Kämpfe und viele Rätsel verstecken. Dem Spiel merkt man an jeder Stelle an, wie viel Arbeit und Herzblut in die Entwicklung gesteckt wurde. Überall gibt es etwas zu entdecken und immer lohnt es sich, an Orte zurückzukehren, die man bereits besucht hat. Die Kämpfe sind fordernd und die Zwischenbosse richtig happig. Die Spielwelt sorgt konstant für Aha-Momente, immer wieder findet man Abkürzungen oder geheime Passagen, die raffiniert von der Kameraperspektive versteckt wurden.

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Mit fortschreitender Spielzeit wird das Handbuch immer zentraler. Erst zum Ende kommt der Eindruck auf, dass es mit den Rätseln etwas übertrieben wurde, und etwas mehr Antworten zur Spielwelt hätten wohl nicht geschadet. Viele sind aber sowieso ein Bonus, zur Not kommt man auch mit reiner Waffengewalt zu einem von mehreren Enden. Insgesamt sollte man mehr als 10 Stunden für "Tunic" einplanen. Wer alles finden will, wird aber viel länger unterwegs sein.

"Tunic" ist für Windows, macOS, Xbox One und Xbox Series X/S erschienen und Teil des Xbox Game Pass. Es kostet 28 €. USK nicht geprüft.

(mho)