Use the Force: Reifentest Mitas Sport Force+

Es ist immer schwierig, gute Produkte für Einsätze abseits des Mainstream zu finden. Der Motorradreifen Mitas Sport Force+ punktet überall.

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Von
  • Clemens Gleich

Die KTM 690 Duke R, die ich seit 2016 fahre, gehört zu einer aussterbenden Gattung leichter Straßenkräder. Nach kleineren Optimierungen wie etwa einer LiFePo-Starterbatterie liegt ihr Gewicht vollgetankt bei unter 160 kg. Als "leicht" vermarktete oder geltende Konkurrenz-Maschinen im Naked-Segment wiegen bereits bis fast 30 kg mehr (jeweils vollgetankt):

  • Yamaha MT-07: 184 kg
  • KTM 790 Duke: 187 kg
  • Triumph Street Triple RS: 187 kg
  • Kawasaki Z 650: 188 kg
  • Ducati Monster: 188 kg

Zum unterdurchschnittlichen Fahrzeuggewicht gesellt sich bei mir eine unterdurchschnittliche Fahrermasse. KTMs Testfahrer wiegen typischerweise 20 kg mehr als ich, was sich bei der Serienbereifung der Duke zeigte: Beim Metzeler M7 RR fehlte mir deutlich Anpressdruck, und selbst beim Versuch mit dem neuen M9 RR fehlten noch mindestens 10 kg für einen schönen Latsch auf diesem Reifen. Schon mit 20 kg mehr und sicherlich beherzterem ins-Eck-werfen (bringt ebenfalls Last auf den Latsch) schien bei den Testfahrten der Metzeler wahrscheinlich gut.

Match made in Heaven (bzw. im KTM-Forum): 2016er KTM 690 Duke R mit Mitas Sport Force+

(Bild: Clemens Gleich)

Ich machte gute Erfahrungen mit weicheren Karkassen wie beim alten Michelin Pilot Power (Serienbereifung der Vorgänger-Duke) oder Michelin Power RS (für 160er-Hinterräder ohne den versteifenden Karkassumschlag der breiteren Reifen). Ein weiteres Beispiel für einen unerwartet unpassenden Reifen war der Bridgestone S21, der noch im dritten Gang durchdrehte beim Herausbeschleunigen mit 68 PS der Vorgänger-Duke. Den verkaufte ich nach diesem Experiment kaum gefahren weiter. Der gleiche Reifen funktionierte auf der Honda VFR 800 F bemerkenswert gut, und aktuell fahre ich ihn mit viel Genuss auf einer Indian FTR 1200. Man kann also auf einem leichten Motorrad Reifenprobleme bekommen, die es schon mit einem halben Zentner mehr schlicht nicht gibt.

Im KTM-Forum äußerten sich Tester sehr positiv über den tschechischen Reifen "Mitas Sport Force+". Angesichts des vor mir allem im Winter wenig passenden M9 RR schien er einen Versuch wert. Gleich vorab: Die Mitas-Reifen sind teilweise schwierig zu bekommen. Mein Händler konnte ihn auf seiner Großhandelsplattform nicht bestellen. Es wird also oft darauf hinauslaufen, ihn bei einem Reifenhändler im Internet zu bestellen. Die meisten Werkstätten montieren auch anderweitig beschaffte Reifen – vor allem, wenn sie die selber nicht bestellen können. Bei Online-Händlern kostet der Sport Force+ ab um die 100 Euro für die Dimension 160/60-17 und ab gute 80 Euro für die Dimension 120/70-17. Die neuesten Reifenmodelle der großen Hersteller kosten meist deutlich mehr.


Motorradreifen im Preisvergleich


Mein Test des Reifens verschob sich nach der Montage im Winter aufgrund weiterer Test-Verpflichtungen mit der Indian auf das zweite Mai-Wochenende. Das war vielleicht gut, denn da hatte es 20° C und sauberen Asphalt – also Bedingungen, die für Mehrheiten grundlegend sind zum freudigen Ausrücken. Der Reifen wurde sehr schnell warm und vermittelte schnell ein tiefes Vertrauen. Das entsteht nicht aus irgendeinem Trick, sondern der Reifen haftet einfach sehr gut, auch und gerade auf der Duke. Das Handling profitiert von einer stabilen Karkasse, die dennoch nachgiebig genug ist, einen schönen Latsch unter der Masse "Duke und ich" zu bilden (also etwa 230 kg inklusive Treibstoff und Motorradbekleidung, verteilt auf vorne und hinten).

Viel Reserve vorne. Prognose: Dieser Gummi eignet sich wahrscheinlich auch für die Rennstrecke. Ich werde vom Nürburgring berichten.

(Bild: Clemens Gleich)

Außer der tollen Haftung fiel auf, dass der Reifen Längsfräsungen praktisch überhaupt nicht folgt, was mir auf solchen Oberflächen sehr viel Sicherheit vermittelt. Wer es nicht kennt: Längsfräsungen sorgen am Motorrad in Schräglage gern für ein Arbeiten der Reifen, das für den Fahrer schwer unterscheidbar ist von beginnendem Rutschen. Insgesamt alles in allem würde ich sagen: Der Mitas Sport Force+ ist der bisher beste Straßenreifen auf der Duke R. Die ebenfalls gut harmonierenden Michelin-Reifen Power RS und Power 5 kosten immer noch über 150 Euro für einen 160er-Hinterreifen und über 120 Euro für den 120er-Vorderreifen. Der günstigere Mitas gefiel mir besser als beide. Ähnlich günstig: der gute alte Michelin Pilot Power, der mit seiner weichen Karkasse schön mit der Duke harmoniert. Der kostet ungefähr den gleichen Preis, ist aber schon etwas in die Jahre gekommen.

Mitas Sport Force+: Gestaltung wie viele aktuelle Sportreifen. Funktion jedoch verblüffend gut, zum fairen Preis.

(Bild: Mitas)

Vor und nach meinen Erfahrungen hörte ich mich in der Szene weiter um nach Erfahrungen mit diesem Reifen. Es sieht so aus, als zeige das Modell seine Tugenden genauso auf deutlich schwereren Modellen im Bereich 220 kg Fahrzeugmasse mit Treibstoff plus 100 kg voll bekleideter Fahrer. Angesichts des fairen Preises und der Kompatibilität mit einer breiten, heterogenen Palette von Motorradmodellen lohnt es auf jeden Fall, in den eigenen Modellforen nach Erfahrungen mit Mitas zu suchen oder es gar schlicht als Pionier einmal auszuprobieren, um dann dem Forum davon zu erzählen. Der Sport Force+ war wirklich ein kleiner Geheimtipp, und ich hoffe, er schafft es in die Bestelllisten vieler Motorradwerkstätten.

(cgl)