Viltrox AF 85/1.8 für Nikon Z im Kurztest: Lichtstarkes AF-Objektiv für 400 Euro

Viltrox erweitert das Objektivangebot für Nikons spiegellose Z-Kameras um eine Festbrennweite. Sie ist günstig. Überzeugt sie auch mit ihrer Abbildungsqualität?

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Nikon Z 7II mit Viltrox AF 85/1.8

Von
  • Sophia Zimmermann

Der relativ junge, chinesische Zubehör-Hersteller Viltrox hat sich unter anderem darauf spezialisiert, Festbrennweiten für spiegellose Systemkameras anzubieten. Mit dem AF 85/1.8 nimmt er eine Autofokus-Optik für die spiegellosen Vollformatkameras der Nikon-Z-Serie ins Programm. Bisher sind Fremdhersteller-Objektive mit Autofokus-Unterstützung für das Z-Bajonett noch Mangelware. Mit der beliebten 85-Millimeter-Brennweite, die sich beispielsweise sehr gut für Porträtaufnahmen eignet, könnte Viltrox also einen Nerv treffen. Erhältlich ist das Objektiv unter anderem über den deutschen Vertriebspartner Rollei, aber auch Fotofachhändler haben Viltrox-Modelle im Programm. Spannend ist vor allem der Preis des AF 85/1.8, denn der liegt bei unter 400 Euro. Das Nikon-eigene 85 mm 1:1.8 S kostet mit 750 Euro beinahe doppelt so viel.

In unserem Test in Ausgabe 4/2020 der c't Fotografie machte das Originalteil eine sehr gute Figur. Es arbeitete lediglich bei Offenblende in den Ecken etwas weicher. Abgeblendet reizte es die volle Sensorauflösung der Nikon Z 7 zentral voll aus. Außerdem kämpfte es praktisch nicht mit Abbildungsfehlern wie chromatischen Aberrationen. Die Messlatte für das günstige Objektiv liegt also hoch.

Wenn man das Viltrox-Objektiv zum ersten Mal in die Hand nimmt, macht es einen tadellosen Eindruck. Das glatte Metallgehäuse mit dem breiten geriffelten Fokusring liegt angenehm schwer in der Hand – es bringt sogar ein paar Gramm mehr auf die Waage als das Nikon-Original. In den Details knirscht es jedoch etwas. So verkantet sich die Gegenlichtblende beim Auf- und Abschrauben schnell und der Fokusring reagiert beim manuellen Scharfstellen gewöhnungsbedürftig.

Das Viltrox-Objektiv wirkt am zierlichen Gehäuse der Nikon Z 7 II eher klobig. Das Team liegt dennoch angenehm in der Hand.

Es handelt sich um einen elektronisch gekoppelten Ring – Focus by wire –, der einen sehr starken Drehwiderstand hat. Außerdem sind die Drehwinkel extrem lang. Das ist erst einmal gar nicht schlecht, denn so kann man sehr präzise manuell arbeiten – das Viltrox trainiert hier nebenbei noch die Oberarmmuskeln. Allerdings reagierte das Fokussystem etwas versetzt, sodass man doch schnell einmal über den eigentlich anvisierten Fokuspunkt "drüber gedreht" hat. Insgesamt ist das Übungs- und Erfahrungssache.

Der Autofokus arbeitete in unserem Test grundsätzlich gut mit dem System der Nikon Z 7II zusammen – auch im Hinblick auf die (Tier-)Augenerkennung. Allerdings lag das Kamera-Objektiv-Team immer wieder auch leicht daneben. Wider Erwarten legen sich Viltrox und Z 7II beim automatischen Fokussieren recht schnell fest. Im Labor haben wir eine Auslöseverzögerung mit AF unter Tageslichtbedingungen von 0,46 Sekunden gemessen. Das Originalteil an der Z 7 war allerdings noch flotter und kam hier auf 0,33 Sekunden. Beide Objektive sind also durchaus Schnappschuss-tauglich.

Wir konnten das Viltrox-Objektiv an der Nikon Z 7II testen, die den gleichen Sensor (aber einen neuen Bildprozessor) besitzt wie die Nikon Z 7. Er bietet eine hohe Auflösung von 46 Megapixeln und stellt damit hohe Anforderung ans davor geschraubte Zubehör. Die Leistung des Fremdhersteller-Objektivs im Labor kann sich sehen lassen. Bereits bei Offenblende reizt es die mögliche Auflösung von 2752 Linienpaaren pro Bildhöhe (Lp/Bh) zentral zu knapp 90 Prozent aus und liegt damit auf dem Niveau des Nikon-Konkurrenten. Die Randbereich schwächeln allerdings deutlich und bleiben um etwa 20 Prozent zurück. Das macht das Nikon-Objektiv etwas besser. Zwischen f/2.8 und f/5.6 erreicht das Viltrox-Objektiv seine Bestleistung, dann vermag es zumindest zentral die maximal mögliche Sensorauflösung auszureizen. Dem Nikon-Pendant gelingt das ebenso – über mehrere Blendenstufen hinweg – zwischen f/4.0 und f/8.0. Die Randbereiche bleiben beim Viltrox stets auf größerer Distanz wohingegen das Originalteil gleichmäßiger über den Bildbereich arbeitet.

Viltrox AF 85/1.8 für Nikon Z: Blendenreihe an der c't Testszene (13 Bilder)

c't Testszene im Überblick aufgenommen mit dem Viltrox AF 85/1.8 an der Nikon Z 7II

Das macht sich tatsächlich in den Praxisaufnahmen bemerkbar. Das Viltrox liefert zwar eine gute Schärfeleistung ab, im Vergleich fehlt es aber an Mikrokontrasten, weshalb die Aufnahmen weniger plastisch wirken als beim Original. Während sie unter Laborbedingungen kaum aufgefallen sind, zeigen sich in den Praxisaufnahmen außerdem immer wieder auch Farbsäume an kontrastreichen Übergängen, die den Detaileindruck ein wenig eintrüben. Positiv hervorheben können wir dagegen das butterweiche Bokeh, das eine sehr ruhige und cremige Anmutung hat. Somit erzielen Fotografen sehr angenehme Freistellungseffekte – damit weiß das Viltrox in einer Paradedisziplin von 85-Millimeter-Objektiven zu überzeugen.

Viltrox 85 mm f/1.8 AF für Nikon Z: Beispielbilder (16 Bilder)

Start Blendenreihe bei f/1.8

Das Viltrox AF 85/1.8 ist ein sehr spannendes Fremdherstellerobjektiv für die spiegellosen Systemkameras der Nikon-Z-Serie. Und das hat gleich mehrere Gründe: Die Optik ist deutlich günstiger als das Originalteil. Wer etwas sucht, bekommt es für rund die Hälfte des Nikonpreises. Die Verarbeitung ist hochwertig, die Autofokusleistung stimmt prinzipiell und die Abbildungsleistung erreicht ein gutes Niveau. Wem es nicht auf das letzte Quäntchen Mikrokontrast ankommt, der wird mit dem Budget-schonenen Viltrox-Objektiv sicher glücklich.

Objektive im Überblick
Hersteller Viltrox Nikon
Modell AF 85/1.8 85 mm 1:1.8 S 
Bajonett Nikon Z Nikon Z
Brennweite 85 Millimeter 85 Millimeter
Offenblende f/1.8 f/1.8
Kleinste Blende f/16 f/16
Optischer Aufbau (Linsen / Gruppen) 10 Linsen/ 7 Gruppen 12 Linsen/ 8 Gruppen
Naheinstellgrenze 0,8 m 0,8 m
Anzahl Blendenlamellen 9 9
Filterdurchmesser 72 mm 67 mm
Autofokus Autofokus Autofokus
Abgedichtet nein ja
Bildstabilisator nein nein
Abmessungen ( Durchmesser :x L) 75 × 92 mm 75 × 99 mm
Gewicht 540 g 470 g
Preis (Straße) 370 Euro 750 Euro

(ssi)