Vollformatkamera Zeiss ZX1: Vorbild oder Eintagsfliege?

Eine für alles: Mit der Vollformatkamera ZX1 will Zeiss den kompletten fotografischen Workflow von der Aufnahme bis zur Bildbearbeitung in einem Gerät vereinen.

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  • Christine Bruns
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Der bekannte Optikhersteller Zeiss geht neue Wege. Die Vollformatkompakte ZX1 will sich nicht neben die Canons, Sonys und Nikons dieser Welt stellen. Sie will ein Pionier sein – der Anfang einer neuen Generation von All-in-One-Lösungen für anspruchsvolle Fotografen. Die ZX1 vereint in sich den gesamten Fotoworkflow: Neben dem Fotografieren können Bilder per Lightroom-App bearbeitet werden. Über integrierte Schnittstellen und WLAN lassen sich die Fotos – ohne Umwege über Smartphone oder PC – auf Social Media oder in der Cloud teilen. Dafür baut die ZX1 auf das mobile Betriebssystem Android auf.

Die Zeiss-Kamera bringt ein fest verbautes hochauflösendes 35-Millimeter-Objektiv und einen Vollformatsensor mit 37,4 Megapixeln mit. Neben Fotos zeichnet sie auch Bewegtbilder in 4K auf. Die Entwicklung der ZX1 brachte für den Hersteller einige ungeahnte Herausforderungen mit sich. Nach eigenen Angaben hatte er Probleme mit der Integration der Software. Dadurch verzögerte sich die Marktreife um knapp zwei Jahre, denn ursprünglich sollte die ZX1 bereits Anfang 2019 erscheinen. Ganz neu ist das Konzept einer "All-in-One"-Kamera nicht. Samsung hatte mit der Galaxy Camera bereits 2012 eine ähnliche Idee. Doch die Koreaner haben sich aus dem Kamerageschäft längst zurückgezogen. Anders als die Zeiss ZX1 legte Samsung bei seiner Hybridkamera weniger Wert auf hohe Dynamik und exzellente Abbildungsleistung, entsprechend besaß die Android-Kamera ein fest verbautes 21-faches Zoom-Objektiv und einen 1/2,3-Zoll-CMOS-Sensor.

Gemein dürften Samsung und, nun acht Jahre später, Zeiss aber die anvisierte Zielgruppe (gehabt) haben: Blogger und Social-Media-Affine. Doch hier widerspricht der Preis der ZX1 dem Klientel, denn sie kostet 6000 Euro. Und nicht jeder Blogger ist ein Influencer wie Stefanie Giesinger oder Shirin David und besitzt deren Budget. Andere potentielle Käufer könnten Profi-Fotografen sein, die ihren Kunden schnell Ergebnisse liefern müssen, am besten schon bearbeitet. Doch welcher Profi kauft sich eigens dafür eine 6000-Euro-Kamera mit einer festen 35-Millimeter-Brennweite? Diese schränkt Bildstil sowie Motivauswahl ein. Als typische Reportage-Brennweite lässt sich das Objektiv gut für die Street- und Reisefotografie einsetzen. Außerdem gehören bestimmte Arten von Landschaftsaufnahmen und Porträts ins Repertoire der ZX1. Eine ihrer größten Stärken spielt die Zeiss-Kamera im Rucksack aus, denn Laptop, ex-terne Festplatten und Wechselobjektive dürfen zuhause bleiben. Leichtes Gepäck also, lediglich Filter, Reinigungsset und Ersatzakkus müssen mit. Letztere sind ein absolutes Muss, denn das große Display und die interne Verarbeitung verbrauchen viel Strom. Zwar bietet der Akku mit knapp 3200 mAh eine selbst für Vollformatkameras große Ladekapazität, nutzt man jedoch das Display, kann man zusehen, wie diese abnimmt. Angaben zur Anzahl der Aufnahmen nach CIPA macht Zeiss nicht. Optional fotografiert die ZX1 jedoch weiter, wenn die Kamera per USB-C geladen wird, also tut e sauch die Powerbank im Rucksack.

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