Weniger für mehr - Leica M10 im Test

In der Reduktion liegt das Glück: Mit seiner M10 will Leica den neuen Messsucherstandard setzen und lässt dabei selbstbewusst selbstverständlich Funktionen weg.

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Technische Details

Menschenkenner haben immer gewusst, dass man den Leuten eine teure Sache leichter verkaufen kann als eine billige“, sagte der englische Dramatiker William Somerset Maugham, der Ende des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts lebte. Wenn er doch wüsste, welche Aktualität sein Ausspruch am Anfang des 21. Jahrhunderts haben würde … Gerade im Kameramarkt kennen die Preise gerade nur noch eine Richtung: aufwärts. Es sind gerade die ganz günstigen Geräte, die keiner mehr haben will.

Gut für Leica. Der deutsche Kamerahersteller perfektioniert das Teuer-ist-spitze-Prinzip und scheint damit gerade in jüngster Vergangenheit so erfolgreich wie lange nicht. Passend dazu gibt es die Leica M10 „Made in Germany“ eben nicht für um die 3000 Euro wie viele andere Kameras mit Vollformatsensor, sondern für 6500 Euro – ohne Objektiv. Dabei versteht sich Leica auch auf Reduktion, um den schönen Heiligenschein des „Sehnsuchtsprodukts“ noch mehr zum Strahlen zu bringen: Die neue Messsucherdiva verzichtet auf den Videomodus. Unter ihrem Niveau ist der Kampf um hohe Bildraten und 4K-, 6K-, 8K-Auflösungen, den Hersteller wie Panasonic, Sony oder Canon gerade marktschreierisch austragen. Das hat sie nicht nötig. Was nützt das dem Endkunden schließlich? Kritik daran, dass auch der Akku nur noch auf 1300 mAh statt auf 1800 mAh wie bei der Vorgänger-M (Typ 240) kommt, prallt an ihr ebenfalls als kleingeistiges Herumreiten auf unbedeutenden technischen Daten ab. Und wer braucht schon dieses USB? (Ironie Ende) Die M10 kann immerhin WLAN und so auch Raw-Daten mit dem Smartphone oder Tablet austauschen. Wobei: Auch hier ist weniger mehr. Natürlich gibt sich die Messsucherkamera nur mit Apple ab, das sich wie Leica ebenfalls bestens auf Wucher und Reduktion versteht. Ein High-Class-Team wie Martini und Olive.