Micro-Four-Thirds: Das vielseitige spiegellose Kamerasystem im Überblick

Das Micro-Four-Thirds-System steht für besonders handtaschentaugliche spiegellose Systemkameras wie die Pen F von Olympus.

(Bild: Olympus)

Micro-Four-Thirds (MFT) steht für ein System rund um spiegellose Kameras mit Wechselobjektiven, das hauptsächlich Olympus und Panasonic (weiter-)entwickeln. Dank dieser Hersteller-Allianz bietet das System heute eine größere Kamera- und Objektiv-Auswahl als die meisten anderen spiegellosen Familien. Dementsprechend vielseitig ist es und spricht damit die unterschiedlichsten Fotografen an.

Bei aller Vielfalt lassen sich ein paar Kernelemente ausmachen:

  • Four-Thirds-Sensor: Alle Kameras arbeiten mit dem sogenannten Four-Thirds-Sensor, der 17,3 × 13 Millimeter misst und damit kleiner ist als die meisten anderen Chips in vergleichbaren Einsteiger- und Mittelklasse-Spiegelreflexkameras. Dabei gilt: Bei gleicher Megapixelzahl kann ein größerer Chip mehr Platz pro Pixel zur Verfügung stellen. Das wirkt sich nicht nur positiv auf das Rauschverhalten der Kamera aus, sondern auch auf den Dynamikumfang. Praktisch macht sich dieser Nachteil der Four-Thirds-Sensoren vor allem bei ungünstigen Lichtbedingungen bemerkbar.
  • Kompakte Kameras: Die meisten Kameras des Micro-Four-Thirds-Systems fallen sehr kompakt aus – und sind damit ausgesprochen Handtaschen-tauglich. Ausnahmen machen bisher nur die Topmodelle Olympus OM-D E-M1 sowie die Panasonic G9.
  • Viele Extras: Die Micro-Four-Thirds-Kameras haben einen vergleichsweise üppigen Funktionsumfang und stecken voller verspielter Extras, für die man bei manch anderen Systemen in weiteres Zubehör investieren müsste. Olympus-Kameras bieten eine besonders hohe Auswahl an Filtereffekten und dazu Automatiken für Langzeitbelichtungen. Panasonic-Modelle verstehen sich darauf, Video-Einzelbilder für Fotografen nutzbar zu machen (4K-Fotos).

Das E-Mount-Bajonett (links) von Sonys spiegellosen Systemkameras mit Vollformatsensor im Vergleich mit dem Micro-Four-Thirds-Bajonett und dem Four-Thirds-Sensor: Der Four-Thirds-Chip bietet der gleichen Pixelanzahl nur etwa ein Viertel der Fläche des Vollformatsensors.

(Bild: Sony/ Olympus)

Micro-Four-Thirds für Einsteiger

Die kompakten, leichten Gehäuse und die vielen Extras machen das Micro-Four-Thirds-System ideal für Foto-Neulinge, denn sie erlauben einen spielerischen, unverkrampften Einstieg in die Fotografie. Überdies verhindern die vielen Automatiken den größten Anfängerfrust. Auch als Erstkamera für Teenager eignen sich diese Geräte. Ganz billig sind sie allerdings nicht: Zwischen 400 und 500 Euro sollten Interessierte einplanen. Einsteiger-Spiegelreflexkameras sind da meist schon günstiger zu haben.

Bei Olympus erkennt man die Einsteiger-Geräte am Namenszusatz E-PL, bei Panasonic geht es mit den Lumix GF- und Lumix GX-Modellen los.

Olympus Pen E-PL9 (7 Bilder)

Die Olympus E-PL9 ist im Vergleich zur Vorgängerin unter anderem mit einem integrierten Blitz ausgestattet.

(Bild: Olympus)

Micro-Four-Thirds für Fortgeschrittene

Doch auch fortgeschrittene Fotografen und die, die es werden wollen, werden im Micro-Four-Thirds-System fündig, denn die Objektivauswahl ist breit gefächert und rüstet die Kameras für alle erdenklichen Foto-Situationen von Makro- über Porträt- bis hin zu Sportfotografie.

Die Kameras der (gehobenen) Mittelklasse unterscheiden sich von den Einsteigern vor allem in besserer Technik wie hochauflösenderen Displays und Suchern, Staub- und Spritzwasserschutz, höheren Serienbildraten und einer optimierten Bildstabilisierung. Panasonic gibt sich in dieser Kameraklasse betont Video-affin, Olympus setzt stärker auf Design. Preislich geht es hier bei etwa 700 Euro los. Die Olympus-Geräte tragen nun Namen wie Pen F oder OM-D, die Panasonic-Pendants erkennt man am Namenszusatz Lumix G.

Mehr zum Thema: Kaufberatung spiegellose Systemkameras

Micro-Four-Thirds für Profis und Videografen

Doch mittlerweile hegt die Micro-Four-Thirds-Familie auch Profi-Ansprüche mit besonders robusten Gehäusen, mächtigen Autofokus-Systemen und extremen Serienbildraten. Schnelle Spezialisten wie die Olympus OM-D E-M1 Mark II (ab 1029,62 €) und die Panasonic Lumix G9 (ab 1042,55 €) sollen keinen einzigen Moment bei Sportevents oder Wildlife-Shootings verpassen.

Mit seinem Topmodell Lumix GH5(S) (ab 1599,99 €) hat sich Panasonic außerdem gezielt auf Videografie spezialisiert. Die spiegellose Systemkamera zeichnet 4K-Videos mit 60 Bildern pro Sekunde auf. Eine Farbsignalverarbeitung mit 4:2:2-Abtastung und professionelle Log-Profile sind Alleinstellungsmerkmale, die selbst teurere Camcorder der Profiliga nicht bieten, wie unser Test zur GH5 zeigt.

Mehr zum Thema: Fotofilmer: Die Videofunktionen der Panasonic GH5

Im professionellen Videobereich tummeln sich aber noch andere Hersteller im Micro-Four-Thirds-Ökosystem wie Blackmagic, JVC oder DJI.

Objektivauswahl: Alte Spiegelreflexlinsen passen

Mittlerweile umfasst das Micro-Four-Thirds-System knapp 70 Objektive, die ohne Adapter an den entsprechenden Kameras genutzt werden können – mehr als bei jedem anderen spiegellosen System. Und selbst hinter den klassischen Spiegelreflexsystemen von Canon, Pentax und Nikon muss sich diese Zahl nicht verstecken. Die Einsteiger- und Mittelklasse-Kameras werden meist direkt mit einem einfachen Zoom-Objektiv im Bundle verkauft. Allrounder-Festbrennweiten wie das Panasonic Lumix G 20mm f/1.7 (II) (ab 249 €) gibt es für deutlich unter 300 Euro. Aber auch sehr gute Porträtlinsen wie das Olympus M.Zuiko Digital 45mm f/1.8 (ab 234,99 €) bekommen Fotografen in dieser Preisklasse. Besonders hochwertige, wetterfeste und schnelle (Zoom-)Objektive können aber auch gerne über 1000 Euro kosten so wie beispielsweise das Olympus M.Zuiko 40-150mm 1:2.8 (ab 1089,99 €). Fremdhersteller wie Tamron und Sigma beliefern das Micro-Four-Thirds-System ebenfalls und erweitern das Angebot mit Festbrennweiten und Zooms.

Tatsächlich ist das Micro-Four-Thirds dank seines geringen Auflagenmaßes von 20 Millimetern äußerst adaptierfreudig. Als Auflagenmaß bezeichnet man den Abstand zwischen Bildsensor und Bajonett. Bei Spiegelreflexkameras liegt er teils deutlich über 40 Millimeter. Um Fremdoptiken adaptieren zu können, muss das Auflagenmaß der Zielkamera kleiner sein als das des Ausgangssystems. Theoretisch passen damit alle älteren Spiegelreflexlinsen – so es denn den passenden Adapter gibt. Vielleicht belebt eine neue Micro-Four-Thirds-Kamera so Vatis alte Linsensammlung. Experimentieren erwünscht!

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