Parteiensystem im Umbruch

Neue politische Gruppierungen und Bewegungen in Europa

eBook

  • Heise Medien
  • ISBN (epub) 978-3-944099-50-7
  • 4,99

Während des Kalten Krieges waren die meisten Parlamente Westeuropas durch ein bipolares Parteiensystem gekennzeichnet, das sich jahrzehntelang relativ wenig veränderte. Als in den 1990er Jahren die Ära der Alternativlosigkeit anbrach und politische Macht an wirtschaftliche Akteure und interstaatliche Bürokratien überging, wurden sich die konservativen und sozialdemokratischen Parteien, die im Kalten Krieg als Gegensätze agiert hatten, immer ähnlicher. Das schafft Platz für neue Akteure, die häufig gar keine Parteien sein wollen, sondern Bewegungen oder Ideen - auch dann, wenn sie für Parlamente kandidieren.

Aber sind Beppe Grillos MoVimento 5 Stelle in Italien, die Piraten in Deutschland, die UK Independence Party (UKIP) in Großbritannien, die Indignados in Spanien, Geert Wilders PVV in den Niederlanden, das Team Stronach in Österreich, die Ruch Palikota in Polen, Jón Gnarrs Besti Flokkurinn in Island und die Perussuomalaiset in Finnland überhaupt vergleichbar? Welche Gemeinsamkeiten bestehen zwischen ihnen - und welche Unterschiede? Das will das Telepolis-eBook zum Europäischen Parteiensystem im Umbruch untersuchen.

In die traditionellen politischen Schubladen "links" und "rechts" pressen lassen sich die neuen Phänomene jedenfalls nur sehr bedingt - was auch daran liegt, dass sie sich oft schwerpunktmäßig mit Problemen wie dem Euro oder dem Immaterialgüterrecht im Internet befassen, von denen im 19. Jahrhundert noch niemand etwas ahnen konnte. Die bisherige Analyse der neuen Phänomene wird der Natur der Bewegungen deshalb häufig nicht gerecht: Mit etablierten Parteien und geschlossenen Ideologien verbandelte Medien und Journalisten tadeln sie meist als "Rechts-" oder "Linkspopulismus" - ein Vorwurf, der schon durch die Wortwahl implizit eingesteht, dass hier eine Elite meint, zu wissen, was gut für das Volk ist. Konnten wir uns in diesem Buch von solchen Vorurteilen aus vergangenen Zeiten immer freimachen? Wahrscheinlich nicht. Aber lesen Sie selbst.

Inhalt

  1. Tomasz Konicz: Krisenphänomen Piraten

    Das Aufkommen "postpolitischer" Parteien und Bewegungen wie der Piraten ist ein Symptom der Auflösungserscheinungen des spätbürgerlichen politischen Systems

  2. Christoph Bieber: Propheten, Reiniger, Interessenvertreter?

    Aufstieg und Probleme der Piratenpartei offenbaren Einsichten in die Entstehungsbedingungen neuer Parteien

  3. Peter Mühlbauer: Wiederkehr der Wahl

    Wird die Alternative für Deutschland ihrem Namen gerecht?

  4. Silvio Duwe: Geert Wilders: Vorbild für die rechtspopulistische Bewegung in Deutschland

    Der niederländische Chef der Ein-Mann-Partei PVV gehört zu den erfolgreichsten Rechtspopulisten in Europa

  5. Rainer Sommer: Frank Stronach

    Ein alter Milliardär fühlt sich berufen Österreich vor dem Untergang zu bewahren, kauft sich eine Partei und verhindert damit vermutlich einen neuerlichen Einzug der Rechtspopulisten in die Regierung

  6. Christoph Mann: "Wir sind Anarcho-Surrealisten"

    Kein Witz: In Reykjavik stellt eine Spaßpartei den Bürgermeister. Der Demokratie scheint das gut zu tun. Zumindest schadet es ihr nicht.

  7. Peter Nowak: Berlusconi 2.0?

    Vom schnellen Aufstieg der "Bewegung 5 Sterne" des Komikers Beppo Grillo

  8. Jens Mattern: Die geschönte Vergangenheit als politische Vision

    Finnlands "Wahre Finnen"

  9. Ralf Streck: "Was ist das für eine blöde Welt, in der man studieren muss, um Sklave zu sein"

    Die Empörung des Arabischen Frühlings hat sich über Portugal nach Spanien weltweit verbreitet und lehnt radikal traditionelle Organisationsformen ab

  10. Wassilis Aswestopoulos: Fast täglich eine neue Parteigründung: Alte Traditionen in neuen Schläuchen

    Die griechische Parteienlandschaft

  11. Christian Bunke: Vertrauensverlust bei den britischen Konservativen

    Die rechtspopulistische UKIP profitiert von der Anti-EU-Stimmung und der wachsenden Ausländerfeindlichkeit

  12. Frank Stier: Bulgariens kurzer Winter der Anarchie

    Die nationale Protestbewegung lehnt das von "Oligarchen" dominierte und von den Parteien korrumpierte politische System ab, scheiterte jedoch bei den Wahlen

  13. Bernard Schmid: Frankreich: Erfolgreiche Sperrmechanismen

    Warum Protestparteien in unserem Nachbarland weniger Chancen haben

  14. Jens Mattern: Provokation als Corporate Identity

    Die Bewegung Palikot

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