Pillen für den besseren Menschen

Wie Psychopharmaka, Drogen und Biotechnologie den Menschen der Zukunft formen

Print

  • Heise Medien
  • ISBN 13 978-3-936931-44-0
  • 180Seiten
  • (D) 18,00

Der Mensch der nahen Zukunft wird durch zwei wissenschaftlichen Entwicklungen verändert werden: Das Doping des Geistes und die Biotechnologie. Wohin führt der pharmazeutische Fortschritt und die schon heute zu beobachtende Medikamentisierung sozialer Probleme?

2003 geriet der Pharma-Konzern Eli Lilly unter Druck, weil er Gratisproben des Antidepressivums Prozac per Post an Privathaushalte versandt hatte. 2004 gab das britische Verteidigungsministerium zu, über 24.000 Tabletten mit dem Wirkstoff Modafinil eingekauft zu haben. Modafinil hält nicht nur wach, die Substanz gilt als »cognitive enhancer«, soll also die Kapazität des Gehirns steigern.

Die Fragen sind: Doping für das Hirn, wohin steuert die medikamentisierte Gesellschaft? Was leistet die Wissenschaft, was will die Pharma-Branche auf den Markt bringen, welche geistigen Zustände will die Gesellschaft fördern? Welche Zustände sollen beispielsweise Kindern nahe gelegt werden? Am anderen Ende der Alterslinie steht der geistige Abbau, der ebenfalls mit Neuro-Enhancement gestoppt werden soll. Die Erforschung der Alzheimer Demenz zeigt die Komplexität neuronaler Vorgänge und weist zugleich den Weg in die Zukunft der pharmakologischen Beeinflussung menschlichen Denkens.

Die Gegenwart erfordert vom Menschen ein nie dagewesenes Maß an Aufmerksamkeit, verstanden als die Verarbeitung von äußeren und inneren An- und Erregungsprozessen. Die chronische Überreizung wird alleine dadurch erreicht, dass sich Menschen an die Geschwindigkeit der Prozessoren und Maschinen angleichen müssen.

Zur Optimierung dieser Verarbeitung stehen Methoden bereit, chemische und natürliche Substanzen bieten sich an. Der Fortschritt in der Biotechnologie gibt dem Thema neuen Schwung, die Analyse des Erbguts verspricht auf den einzelnen Menschen zugeschnittene Medikamente.

Diese Phänomene der hyperkognitiven Kultur sind auch immer ökonomische. Die Marktwirtschaft wird noch mehr als heute Produkte liefern, die Hirn- und Körpervorgänge modifizieren. Langzeitstudien Fehlanzeige. Hier muss eine Bestandsaufnahme ansetzen: Was leisten Medikamente schon jetzt, woran arbeitet die Industrie für die Zukunft und was bedeutet das für die Gesellschaft?

Anzeige