15 Jahre Telepolis: Ein Loblied auf das Forum

Von Arnolds, Odefs und Schmopas - ein kleines ABC der Forenten

Wer das Forum seit vielen Jahren frequentiert, der stellt fest, dass sich, wie in anderen Foren auch, längst einige typische Forenspezies entwickelt haben, die immer wieder auftreten. Ein kleines ABC der Forenten (rein persönlich erstellt, daher ohne Anspruch auf Vollständigkeit).

Arnolds

Benannt nach Arnold Schwarzenegger und seinem legendären "I´ll be back" (aus dem Terminator-Film) verbrennen die Arnolds oft schneller ihre Accounts als andere die Zweige beim Osterfeuer. Wie ein Phoenix erheben sie sich dann aus der Account-Asche und freuen sich, wenn sie diesen Trick auch durch ein "reloaded" oder eine ähnliche Markierung verlautbaren können.

Natürlich ist sowohl den anderen Forenenten wie auch den Forenadmins klar, dass es sich im Endeffekt nur um Nachahmungstäter des berühmten Freiherrn von Gravenreuth handelt, dass ein dauerhaftes Hausverbot im Forum sowieso umgangen wird und insofern das "ätsch, ich bin wieder da" nur dem Ego des Forenten selbst nutzt, aber dies wird charmant überspielt und dem Arnold sein Erfolgserlebnis gegönnt.

Cibies

Die Cibies (clever, but busy) sind sozusagen die Besserwisser im Zeitdruck. Durch ihre Perfektion sind sie permanent beschäftigt, weshalb ihr wertvolles Wissen leider nur wenigen übermittelt wird, so dass der Rest zum Scheitern verurteilt ist.

Die Cibies können alles - ihre Anzeigen würde man niemals einfach so zu den Akten legen, jede Verfassungsbeschwerde hätte Erfolg, eine Partei würden sie quasi mit links gründen, während sie mit rechts noch schnell ein neues Gesellschaftssystem entwerfen und all die Niederlagen vor Gericht und in der Öffentlichkeit ließe sich mit ihnen vermeiden, wenn sie nicht so beschäftigt wären. Allerdings schaffen sie es glücklicherweise noch, dem geneigten Forumnutzer zu erläutern, dass sie zu beschäftigt sind.

Flaunties

Nach dem englischen "to flaunt" (zur Schau stellen) agiert der Flauntie wie ein Pfau, der sein Rad schlägt. Das Thema des Artikels ist ihm im wesentlichen egal, dafür ist es ihm umso wichtiger, zu betonen, dass er zur Elite zählt.

Beim Thema "zu wenig Sex" erzählt er von seiner sexy Freundin, bei ALG II von seiner Identität als Leistungsträger, und wenn es um Kleidung geht, verlinkt er auf seine neu gekauften Schuhe aus Italien.

Der Flauntie agiert dabei oft anonym, so dass nicht klar ist, ob es sich bei ihm tatsächlich um den Herrn oder die Dame aus gutem Hause mit viel Geld, sexy Partnern, Klunker und Superauto handelt oder doch nur um einen Troll - das ist dem Flauntie aber auch egal, ihm reicht es, seine Vorzüge anzupreisen wie geschnitten Brot. Dabei zeigt er auch oft Parallelen zum "Schmopa" (schmerzlosem Opa), der jedoch andere Aspekte in den Vordergrund stellt.

Odefs (Opfer der Frauen)

Die Odefs treten oft quasi im Rudel auf. Insbesondere bei Themen, die sich um den Feminismus oder Frauen im allgemeinen drehen, sind die Odefs sofort vor Ort, um ihr Opfertum sowie die Geschichte ihrer Opferung zu erläutern. Sie sind quasi das Leichenrudel, das den Weg des Feminismus markiert - finanziell ausgenommene Männer, die ihre Kinder viel zu selten sehen dürfen und außerdem mit dem "neuen Stecher" der Ex auskommen müssen. Die Odefs allerdings als Jammerlappen anzusehen, greift zu kurz.

Rechtschreibfehler-Sucher

Sie besitzen die faszinierende Fähigkeit, innerhalb kürzester Zeit (oft nur Sekunden), Rechtschreib- oder Grammatikfehler festzustellen und stellen diese dann aus wie in einem Museum. Der RSFS benötigt hierbei die Aufmerksamkeit - zwar könnte er die Tipp- und sonstigen Fehler auch per Mail übermitteln und so dafür sorgen, dass ggf. schnell korrigiert wird, damit würde jedoch die Trophäe wegfallen, die er als erfolgreicher Jäger an die virtuelle Wand hängt. Ein fehlerfreier Artikel wird von ihm höchst selten goutiert, dafür sind gerade die nächtens eingestellten Blogbeiträge oft ein Quell der Freude für ihn.

Schmopa (Schmerzloser Opa)

Der Schmopa (er kann natürlich auch weiblich sein, dies scheint jedoch seltener vorzukommen) ist der Inbegriff des Menschen, der in seiner Jugend jeden Tag in abgetragenen Shorts, zerlöcherten Hemdchen und barfuß 100km zur Arbeitsstätte gelaufen ist und 100 km zurück. Zu essen gab es oft genug Kartoffelschalensuppe und geraucht wurde Zeitungspapier. Manchmal wurde auch ein Stein geschleckt, um den Speichelfluss anzuregen, weil nichts zu essen da war, Schläge hagelte es natürlich auch und gekümmert hat man sich auch kaum um ihn.

Aber immerhin konnte er noch in dem blütenfrisch riechenden Dorf herumtollen (ca 3 Minuten pro Tag, folgt man seinen Schilderungen) und zu einem glücklichen Menschen heranwachsen, anders als all die degenerierten Wohlstandsopfer, die wegen des vielen Essens zu fett sind, die meckern, wenn sie keine Busverbindung zum nächstgelegenen Ort haben (sind doch nur 40 km), und überhaupt verweichlicht sind.

Zählt man die Gesamtheit der Schmopas zusammen, so muss man zu dem Schluss kommen, dass etliche Menschen, die bereits im Ersten Weltkrieg tätig waren, nunmehr nicht nur noch leben, sondern auch im Netz extrem aktiv sind. Dem Schmopa geht es nicht einmal darum, seine eigene Härte in den Vordergrund zu stellen, nein, er will nur klarmachen, wie gut wir es heutzutage alle haben, wie gut es allen geht, und wie wenig wir dies zu schätzen wissen.

Natürlich ist dies nur eine kurze Liste der typischen Forenfrequentierer, bei der Vielzahl der Forenteilnehmer ist es kaum möglich, hier weitgehend umfassend alle aufzulisten. Es gibt noch die, die immer gerne ihren Lieblingsautor in Liebe oder Hass verfallen sind, sämtliche Artikel lesen, nur um stets wieder ihre harsche Kritik zu verfassen; diejenigen, die letztendlich ihre kleinen Privatfehden mit anderen Nutzern ausfechten; diejenigen, die gerne einmal Persönliches über den Autor einfließen lassen, auch um ihn zu diskreditieren; die, die stets gerne auf "ihr" Lieblingsthema kommen, egal wie unpassend es in Bezug auf einen Artikel auch ist und und und. Eines jedoch muss man ihnen allen lassen: Langweilig sind sie nie.