34 Gigabyte - der tägliche Informationskonsum eines US-Amerikaners

Kalifornische Wissenschaftler wollen abgeschätzt haben, dass die US-Bürger in ihrer Freizeit 3,6 Zettabyte an Informationen konsumiert haben, was immer das heißen mag

Wenn es um Berechnungen geht, wie viele Informationen Menschen produzieren und konsumieren, ist man auf höchst unsicherem Grund mit nicht sonderlich belastbaren Daten. Wissenschaftler vom Global Information Industry Center (GIIC) der University of California in San Diego haben nun den Bericht How much Information? nach 2000 (Explosiv wachsende Informationsproduktion) und 2003 (2002 wurden fünf Exabytes an Information geschaffen) zum dritten Mal vorgelegt. Ging es früher aber die Menge der hergestellten Informationen, so wollte man dieses Mal herausfinden, wie viele Informationen die US-Bürger 2008 konsumiert haben. Natürlich gigantisch viele.

Information, so die Wissenschaftler, sind einfach Daten, die irgendwie verbreitet werden. Ob sie auch zur Kenntnis genommen werden, also tatsächlich kognitiv konsumiert werden, und so zur vielfach beschworenen Informationsflut beitragen, ist eine ganz andere Sache. Aber die Forscher wollen berechnet haben, dass die US-Haushalte mit annähernd 3,6 Zettabyte überflutet wurden. Es geht nicht mehr um Gigabyte, Terabyte, Petabyte, Exobyte oder Exabyte, ein Zettabyte, das sind 1.000.000.000.000.000.000.000 Bytes, passend zu den Beträgen, mit denen wir gelernt haben, in der Finanzkrise zu spielen, ohne uns noch irgendetwas vorstellen zu können.

Würde man die Zettabytes in gedruckte Informationen übersetzen, so versuchen die Wissenschaftler anschaulich zu machen, so würde die USA, einschließlich Alaska, mehr als zwei Meter hoch mit Taschenbüchern bedeckt sein. Nur 2 Prozent der 3,6 Zettabyte, die 10.845 Billionen Worten entsprächen, würden über das Internet zu den Menschen kommen. In den USA würden die Menschen in ihrer Freizeit aber 1.273 Milliarden Stunden technisch erzeugte Informationen konsumieren. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Multitasker, die beispielsweise am Computer sitzen und den Fernseher anhaben, alle Informationsströme voll konsumieren.

Dabei wollen die Wissenschaftler nur abschätzen, wie viele Informationen die US-Bürger in ihrer Freizeit konsumieren, bezieht man die Arbeitswelt weit, würden die Zahlen noch viel höher und unvorstellbarer werden. Es geht also darum, wie viele Daten die Menschen ausgesetzt sind, wenn sie vor dem Fernseher sitzen, Radio hören, ins Kino gehen, im Internet surfen oder kommunizieren, telefonieren, spielen, Zeitung oder Bücher lesen. Eigentlich strömen auf die Menschen ja noch viel mehr Informationen ein, wenn sie herumgehen, ihre Umgebung wahrnehmen oder erkunden, mit den Menschen direkt kommunizieren oder interagieren. Würde man das mit einbeziehen, dann könnte man erst wirklich ermessen, ob es tatsächlich die "Informationsrevolution" gegeben hat, von der uns die Wissenschaftler berichten.

Aber dann wäre das wohl auch ein wenig unspektakulärer. Jetzt erzählt uns Roger Bohn, der Direktor des GIIC, dass der durchschnittliche Amerikaner durchschnittlich 34 Gigabyte täglich konsumiert, was 100.000 Worte gleichkäme. Und natürlich vermeldet die Studie, dass der Amerikaner sehr viel mehr Informationen konsumiert, von verarbeiten lässt sich nicht sprechen, als man bislang gedacht habe. Der Informationsfluss habe sich "dramatisch" verändert, heißt es alarmistisch, der Konsum der technisch generierten oder übermittelten Informationen sei zwischen 1980 und 2008 um 350 Prozent angestiegen.

Ein Großteil der Informationsflut werde vom Fernsehen und dem Anschauen von DVDs erzeugt. Vor dem Bildschirm, auch den mobilen, prasseln zu 41 Prozent Zeit, in der Information konsumiert wird, auf den Amerikaner ein. Noch dramatischer sollen aber Computerspiele sein. Sie seien die größte Informationsquelle, die den durchschnittlichen Amerikaner mit 18,5 Gigabyte pro Tag oder 67 Prozent aller Bytes überspülen. 80 Prozent der Menschen würden schließlich Computerspiele benutzen. Neben Fernsehen (34,77%), Film (9,78%) und Computerspielen (54,62%) spielen Radio, Print, Telefon und andere Computeranwendungen praktisch keine Rolle, was die Informationsmenge betrifft, nicht die Zeit. Während die TV-Bildschirme größer werden und mehr Bytes ausstrahlen, werden mehr und mehr Bildschirme auf Handys, Netbooks, Kindles oder tragbaren Spielgeräten benutzt, die aber relativ wenig Bytes produzieren. Man fragt sich, welchen Wert dann die Berechnung der Bytes hat, zumal diese ja auch in unterschiedlichen Gehirnarealen verarbeitet werden, wenn sie dort überhaupt ankommen.

Was ziehen die Wissenschaftler an Erkenntnissen aus ihrer Studie? Sie sagen, dass wir um Größenordnungen mehr Informationen konsumieren würden, als wir auf die vorhandenen Festplatten speichern oder übers Internet senden können. Und man müsste hinzufügen, dass die Informationsmenge sowieso nur eine theoretische Größe ist, die auch nichts darüber aussagt, was in den Köpfen der Menschen ankommt oder gar dort verarbeitet und abgespeichert wird.

Und dann gibt es noch die für die Wissenschaftler seltsame Kluft zwischen dem Informationskonsum und der Informationsproduktion. Zwar gebe es beispielsweise immer mehr Fernsehkanäle, die Amerikaner würden aber trotzdem nicht mehr als 10 Stunden den Fernseher anschalten. Und dann gibt es die "dunkle Information", was bedeutet, dass immer mehr Information zwischen Maschinen ausgetauscht wird, ohne dass Menschen eingreifen oder dies mitkriegen. (Florian Rötzer)