5G: Hat Huawei nun auch noch den Mond verloren?

Symbolbild: Pikrepo

Nokias Netz soll sich auf dem Erdtrabanten selbst aufbauen

Vor 15 Jahren scherzte heise online zum 1. April noch "über Pläne von Vodafone und China Mobile für die Stationierung eines Mobilfunksenders auf dem Mond (vgl. Wettrennen um MMS vom Mond) - nun hat der finnische Nokia-Konzern tatsächlich bekannt gegeben, dass ihm die amerikanische Weltraumbehörde NASA 14,1 Millionen US-Dollar zum Aufbau eines mobilen Kommunikationsnetzes auf dem 380.000 Kilometer entfernten Erdtrabanten spendiert hat.

Artemis-Programm

Für das Geld verspricht Nokia eine in seinen Bell Labs entwickelte "extrem kompakte Produktlösung", die sich nach einem mit Hilfe der texanischen Firma Intuitive Machines bewerkstelligten Transport zum Mond selbst aufbauen und auch "unter extremen Weltraumbedingungen funktionieren" soll.

Bis Ende 2022 soll sie Teile des Mondes erst einmal mit LTE - also 4G - versorgen, danach will man "Weltraumanwendungen der LTE-Nachfolgetechnologie 5G verfolgen". Zu diesen "Weltraumanwendungen" gehören neben der Kommunikation und der Übertragung von Bilddaten auch das Steuern von Rover-Fahrzeugen vom Mond und von der Erde aus (vgl. Nokia will LTE-Technik für den Mond entwickeln).

Die 14,1 Millionen Dollar für Nokia sind nicht das einzige Geld, das die NASA in letzter Zeit verteilt hat: Im Rahmen ihres nach der griechischen Mondgöttin benannten Artemis-Programms gingen bereits 370 Millionen US-Dollar an verschiedene Firmen. Die sollen dazu beitragen, dass 2024 wieder US-Astronauten auf dem Mond landen. Anders als bei den vorangegangenen (und nach dem griechischen Lichtgott benannten) 13 Apollo-Missionen soll das aber in der Nähe des Mond-Südpols geschehen, weil es dort viel Wassereis gibt. Aus diesem Wassereis lässt sich leicht Wasser machen, was wiederum den Aufbau einer dauerhaft besetzten Mondbasis erleichtert, die den Amerikanern bis zum Ende der 2020er Jahre vorschwebt.

Politische Komponente

So etwas lässt sich freilich nicht für eine Summe bewerkstelligen, für die es in Deutschland nicht einmal zwei Drittel eines Kanzlerresidanzanbaus gibt (vgl. Kanzleramt: Regierung plant Tebartz-van-Elst-Anbau): Bis zum ersten Transport der Astronauten mit der derzeit getesteten neuen Superschwerlastrakete SLS rechnet die NASA mit 28 Milliarden Dollar. 16 davon sind dem NASA-Administrator James Bridenstine für eine Mondlandefähre vorgesehen, für deren Konstruktion sich unter anderem Jeff Bezos von Amazon und Elon Musk mit seiner Firma Space X beworben haben.

Die größten Risiken für das Projekt sind Bridenstine zufolge "politische". Damit spielt der Republikaner darauf an, dass die Demokraten seit John F. Kennedy deutlich an Enthusiasmus für die Erforschung der neuen "Frontier" verloren haben (vgl. "Houston, wir haben ein Problem!"). Barack Obama sagte deshalb trotz hoher Vorinvestitionen den Plan für einen bemannten Flug zum Mars ab.

Auch die Entscheidung, dass Nokia das 5G-Netz auf dem Mond aufbauen soll, hat eine politische Komponente. Nach dem Scheitern eines Projekts von Vodafone und dem Berliner Unternehmen PTScientists wären dafür nämlich sonst vor allem Ericcson und Huawei in Frage gekommen.

Chinesisches Mondprogramm

Huawei aber wird von Washington bereits seit Barack Obamas zweiter Amtszeit vorgeworfen, als potenzieller Spionagehelfer für die Volksrepublik China zu agieren. Der amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA sprach in diesem Zusammenhang von einem "starken" Verdacht, dass Huawei Geld von der chinesischen Volksbefreiungsarmee bekomme, in der der Unternehmensgründer Ren Zhengfei diente (vgl. Huawei laut CIA von chinesischer Regierung finanziert). Klagen der chinesischen Firma gegen diese Einstufung blieben bislang ohne Ergebnis.

Stattdessen verhängte die amerikanische Staatsführung eine Kaskade von Sanktionen, die dazu führte, dass zahlreiche weitere Staaten Huawei vom Aufbau ihrer 5G-Netze ausschlossen (vgl. 5G-Netze: Briten schließen Huawei aus) und dass Hersteller aus Taiwan und Japan keine Komponenten mehr zuliefern dürfen, in denen amerikanische Immaterialgüterrechte stecken. Auf diese Herausforderung reagiert Huawei bislang außer mit Investitionen in chinesische Zulieferer (vgl. Huawei sucht Ausweg aus der Patentsperre) mit einer Erweiterung des Angebots auf Produkte, die nicht unter die Sanktionsbestimmungen fallen - zum Beispiel Autokomponenten, mit denen man bald dem deutschen Mittelstand Konkurrenz machen könnte

Vielleicht hat Huawei den Markt auf dem Mond aber doch nach der amerikanischen Entscheidung für Nokia noch nicht verloren: Denn auch die Chinesen haben ein Monderkundungsprogramm. Im letzten Jahr gelang es der Volksrepublik, als erste Macht auf der Rückseite des Mondes zu landen (vgl. Mondlandung: China setzt Sonde auf dem Erdtrabanten ab). Bis 2022 will sie eine dauerhaft bemannte Raumstation einrichten, die mit Tianzhou-Raumfrachtern versorgt wird. 2024 soll dann ein bemannter Mondflug folgen, bis 2050 einer zum Mars. (Peter Mühlbauer)