7 Cent oder Lockdown?

Grafiken und Studien zu C-19 - und welche Rolle Vitamin D zur Verhinderung einer zweiten Welle spielen könnte

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Der Lockdown hat gewirkt und die potentiell explosive Ausbreitungsrate Reff erst einmal von 1,3 auf 0,7 gesenkt (oben). Vitamin-D-Mangel verursacht nach aktuellen Untersuchungen eine 10 mal höhere Todesrate (unten). Lesen Sie hier, warum es weiter einen eingeschränkten Lockdown geben wird - und was wir stattdessen tun sollten.

Einleitung (Bernd Glauner)

In diesem Artikel war mein Part zwar vor allem die Daten- und Grafikaufbereitung der Corona-Zahlen, ich bin aber eigentlich Biochemiker und beschäftige mich seit vielen Jahren mit Vitaminforschung. Bevor man bezüglich Vitamin D zu vorschnell urteilt, muss man wissen, dass die Wissenschaft seine Funktion als wichtigen Regulator bei der Genexpression lange Zeit gar nicht erkannt hat. Als ich studiert habe, hat man noch gelernt, dass Vitamin D für die Stabilität der Knochen zuständig ist und das war's.

Das hat sich in den letzten 20 Jahren total geändert. Inzwischen ist - durch Hunderte von Veröffentlichungen - offensichtlich geworden, dass Vitamin D im wörtlichen Sinne gar keine Vitamin, sondern ein Hormon ist, das die Regulation von wenigstens 1000 Genen steuert. Die meisten davon haben mit dem menschlichen Immunsystem zu tun. Dabei hat Vitamin D nicht einfach eine stimulierende Funktion, sondern sorgt für die Balance vieler für das Immunsystem notwendiger Stoffwechselvorgänge. Eine wichtige Funktion ist z.B. auch die Verhinderung von Autoimmunkrankheiten. Man weiß inzwischen, dass MS die Folge eines defekten Vitamin D-Rezeptorproteins ist. Dagegen tritt die Funktion von Vitamin D im Knochenstoffwechsel inzwischen schon ein wenig in den Hintergrund.

Ganz unabhängig von Corona ist schon seit vielen Jahren bekannt und veröffentlicht, dass Vitamin D-Mangel die Entstehung von Lungenentzündungen - fachlich korrekt von ARDS (Acute Respiratory Distress Symptom) - als Folge von viralen Infekten begünstigt. Hinzu kommt, dass Vitamin D die körpereigene Synthese antiviraler Substanzen stimuliert, die spezifisch das für den Andockmechanismus von Covid-19 am Rezeptorprotein ACE2 notwendige Spike-Protein blockieren. Alles das sind gut untersuchte, veröffentlichte Informationen, die uns ganz eindeutig zeigen, dass Vitamin D-Mangelpatienten bezüglich des Risikos für eine Lungenentzündung in einer sehr unguten Situation sind.

In unserer heutigen Gesellschaft leidet ein Großteil der Bevölkerung - insbesondere im Winter - an einem massiven Vitamin D-Mangel. Statistiken, die man dazu findet, gehen häufig davon aus, dass Blutwerte von 20ng/ml für die Vitamin D-Funktion ausreichend seien. Das ist falsch! Diese Grenzwerte stammen noch aus der Zeit, als man Vitamin D nur bezüglich seiner Wirkung auf den Knochenstoffwechsel untersucht hat. Tatsache ist - und das zeigen Untersuchungen in vielen europäischen Ländern - dass je nach Land 20-40% der Menschen selbst im Sommer noch nicht mal diesen Wert erreichen.

Eine Ursache dafür sind auch die Empfehlungen für die Vitamin D-Substitution. Schon seit Jahren ist veröffentlicht, dass den offiziellen Empfehlungen von 400-800 Units Vitamin D pro Tag ein Rechenfehler um den Faktor 10 zugrunde liegt, wofür sich der zuständige Wissenschaftler sogar entschuldigt hat. Eingang in die offiziellen Empfehlungen hat das leider immer noch nicht genommen, denn die sollten im Bereich von 5000 Einheiten pro Tag liegen. Notwendig für ein stabiles Immunsystem sind Blutwerte von 40-60ng/ml. Die haben aber die wenigsten.

Das heißt, eigentlich haben wir es aktuell nicht mit einer Corona-Pandemie, sondern mit einer Vitamin D-Mangelpandemie zu tun. Das will nur offensichtlich niemand wahr haben. Und wenn ich höre, dass ein Medikament die Sterblichkeit von 11% auf 8% vermindert, dann ist das im Vergleich zu den neuen Studien, die zeigen, dass man bis zu 90% der Todesfälle vermeiden könnte, etwas über das man sich nur wundern kann.

Die Frage ist also letztlich: Wollen wir Leben retten oder nicht?

Mein Co-Autor Lorenz Borsche versucht schon seit ein paar Wochen in Deutschland Partner im medizinischen Bereich zu finden, die mit seiner finanziellen Unterstützung den Vitamin D-Level bei Covid-19 Patienten bestimmen. Routinemäßig wird das bei uns - auch beim Hausarzt - leider nicht gemacht, und das obwohl selbst das RKI immer wieder verkündet, dass unsere Bevölkerung unter einem Vitamin D-Mangel leidet.

Offensichtlich muss man bis nach Indonesien gehen, um Mediziner zu finden, die solche Untersuchungen durchführen. Das Ergebnis ist genau das, was man anhand des oben dargestellten wissenschaftlichen Hintergrunds erwarten muss. Bei Vitamin D-Konzentrationen unter 20ng/ml erliegen sehr viele Patienten der von Covid-19 ausgelösten Lungenentzündung, bei Vitamin D-Konzentrationen >30 ng/ml überlebt hingegen der Großteil der Patienten und das mit einer statistisch betrachtet sehr guten Korrelation.

Angesichts der Offensichtlichkeit der vorliegenden Informationen wäre es doch jetzt an der Zeit, auch in Deutschland eine solche Studie durchzuführen, um die vorliegenden Ergebnisse zu verifizieren. Es geht ja immerhin um viele tausende Menschenleben und wir haben eines der besten Gesundheitssystem der Welt mit top ausgebildeten Medizinern, die alle den hippokratischen Eid abgelegt haben. Lorenz hat sich virtuell die Hacken abgelaufen, gebittelt und gebettelt und private, finanzielle Unterstützung angeboten, um zu erreichen, dass wenigstens ein paar hundert Vitamin D-Tests bei Covid-19 Patienten durchgeführt werden - aber Fehlanzeige. Wer will das noch verstehen? Vitamin D gehört in der Welt unserer Mediziner offensichtlich zu den unausgesprochenen Tabus.

Lorenz hat ein anderes Naturell als ich, schreibt anders und trägt manchmal ein wenig dick auf. Ich kann ihn aber sehr gut verstehen. Wie kann es sein, dass Mediziner in armen Ländern ohne Sponsoring aus eigenem Antrieb solche Studien durchführen, man aber in einem reichen Land wie Deutschland niemanden findet, der bereit ist das zu tun, noch nicht mal gegen Spendengeld zur Finanzierung? Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass man angesichts der massiven Wände, gegen die man bezüglich Vitamin D immer wieder läuft, lauthals schreien möchte und das insbesondere angesichts all des Unglücks, das die Corona-Pandemie mit sich bringt (s. Kapitel "Alles versucht?"). Ich jedenfalls bin auf seiner Seite.