A Sound That Can Kill Someone

Audio Spotlight projiziert Schallwellen zielgenau wie Licht aus einem Laser

Was 1986 bei Kate Bush noch Science Fiction war, dürfte bald Wirklichkeit werden. Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology Media Lab haben entdeckt, wie akustische Wellen sich wie Licht aus einem Scheinwerfer projizieren lassen. Das Prinzip basiert auf einer Mischung aus Luftwiderstand und Ultraschallwellen bei 60 kHz, die weit über den 20 kHz liegen, die das menschliche Ohr noch wahrnimmt, d.h. die Ultraschallwellen werden durch den Kontakt mit der Luft für Menschen hörbar.

We were working secretly for the military
Our experiment in sound was nearly ready to begin.
We only know in theory what we are doing.
Music made for pleasure, music made to thrill
It was music we were making here until...

They told us all they wanted
Was a sound that would kill someone.

Kate Bush, "Experiment IV"
F. Joseph Pompei, MIT Media Lab

Das sogenannte "Audio Spotlight" kann über eine Entfernung von 100 Metern einen Klang senden, der nur für einen bestimmten Menschen oder einige wenige Menschen hörbar ist. Man könne z.B. an ein paar Menschen aus einer großen Menge (Stadion, Demonstration, etc.) Signale schicken. Wenn man, so David Blackstock, Professor an der University of Texas und Mitglied des Forscherteams, aus dieser Entfernung von 100 Metern zwei Schritte zur Seite geht, dann hört man nichts mehr. Nachdem man bereits Töne mit Ultraschallwellen unter Wasser erzeugt hatte, zeigte Blackstock Anfang der 70er Jahre, dass Ultraschallwellen auch in der Luft hörbare Wellen erzeugen, doch gelang es ihm damals nicht, über einfache Pieptöne hinaus zu kommen.

Erste Anwendungen sind aber nun bei MIT anvisiert: Es soll z.B. möglich sein, dass Kinder und Eltern unterschiedliche Musiken während einer Autofahrt hören. Das Audiosystem wurde diesbezüglich bereits in einem Prototyp von DaimlerChrysler getestet - mit mäßigem Erfolg, denn die Ultraschallwellen brauchen eine gewisse Distanz, bis sie hörbar werden. Das System kam erfolgreicher in Segas Joyopolis in Tokyo und im Boston Museum of Science zum Einsatz; im Museum ist es z.B. nützlich, wenn ein Besucher einer Audioerklärung lauschen kann, ohne dass andere Besucher dadurch gestört werden, was zur Zeit vor allem durch Kopfhörer passiert. Aber auch in Discos könnte bald in jedem Raum eine andere Musik laufen, ohne dass es in den Zwischenräumen zu einem breiigen Lärm kommt.

Außerdem könnte, wie die New York Times berichtete, das Audio Spotlight auch in anderen kommerziellen Anwendungen eingesetzt werden und - zumindest in den USA - für große Verwirrung auf öffentlichen Straßen sorgen, wenn beispielsweise Getränkeautomaten bald Passanten ansprechen werden. Warum man allerdings auf Audio Spotlight für eine solche Ansprache warten musste, wird uns jedoch nicht erklärt. Darüber hinaus hat British Telecommunications zusammen mit MIT das BT Disruptive Lab (disruptive = zerstörerisch) gegründet, um "disruptive technology" voranzutreiben, wobei allein althergebrachte Geschäftsmodelle zerstört werden sollen.

We won't be there to be blamed.
We won't be there to snitch.
I just pray that someone there
Can hit the switch.

Anders sieht es bei den militärischen Anwendungen aus. Die American Technology Corporation (ATC) arbeitet schon mit dem US-Militär zusammen, um den militärischen Nutzen aus dem Audio Spotlight zu entwickeln. Auch wenn die Presseerklärung von ATC lediglich unter militärischen Anwendungen "Kommunikation zwischen Schiffen" und "Ankündigungen an Bord eines Schiffes" auflistet - und diese militärischen Anwendungen neben 6 anderen zivilen Anwendungen versteckt - wissen Wired und die New York Times zu berichten, dass das Prinzip nicht nur zur Verwirrung des Gegners verwendet werden kann (Stichwort: psychologische Kriegsführung), sondern auch dem Gegner bei sehr lauten und hohen Frequenzen Schmerzen zufügen könnte. Bleibt nur zu hoffen, dass neben den vielen coolen Anwendungen die Prophezeiung von Kate Bush nicht wahr wird:

"It's a mistake in the making".

(Craig Morris)

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