ADHS-Medikamente wirkungslos?

Nach einer im Vorschulalter beginnenden Langzeitstudie scheint die medikamentöse Behandlung der Aufmerksamkeitsstörung die Symptome nicht zu mildern

Immer mehr Kinder sollen unter dem Aufmerksamkeits-Defizit/Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS), in den USA werden bereits 7 Prozent aller Kinder wegen ADHS behandelt. Die Diagnosen sind ebenso in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen wie die Verschreibungen von Medikamente wie Ritalin. Umstritten ist sowohl die Ursache von ADHS als auch die Erklärung für deren mutmaßliche Ausbreitung, aber auch die in der Regel medikamentöse Behandlung. Zu wenig weiß man, wie gerade eine Metastudie herausgefunden hat, über nichtmedikamentöse Behandlungen, weil die Forschung dafür angeblich zu wenige Gelder erhält. Die Pharmakonzerne sind daran auch kaum interessiert.

Eine von Psychiatern des Johns Hopkins Children's Center geleitete Studie, die Journal of the American Academy of Child & Adolescent Psychiatry, hat nun in der angeblich größten Langzeitstudie 207 in der Klinik mit ADHS diagnostizierte Vorschulkinder (75 Prozent davon Jungen) im Durchschnittsalter von 4,4 Jahren untersucht. Eine weitere Prüfung erfolgte drei Monate später, bevor die Kinder an andere Ärzte überwiesen und mitunter mit Medikamenten, d.h. mit Methylphenidat, behandelt wurden. Nach 3, 4 und 6 Jahren wurden die Kinder erneut von Ärzten auf die ADHS-Symptome untersucht. Eltern und Lehrer beurteilten zusätzlich die Schwere der Kernsymptome Konzentrationsstörungen, Hyperaktivität und Impulsivität. Analysiert wurden die Veränderungen der Symptome über die Zeit und die Diagnose.

Das Ergebnis ist zumindest für die Pharmakonzerne, aber auch für Ärzte und Eltern, die sich von einer medikamentösen Therapie Besserung oder Heilung erwarten, ernüchtern. Zwar geht bei einigen Kindern, besonders bei Mädchen, die Schwere der Symptome zurück, bei der Mehrzahl der Kinder bewirken die Medikamente aber nichts und bleibt ADHS in diesem Sinne chronisch. Möglicherweise auch deswegen, weil man sich auf die Wirkung der Medikamente verlassen hat, was die Wissenschaftler aber nicht untersucht haben. 89 Prozent der über die ganze Zeit an der Studie teilnehmenden Kinder hatten auch nach sechs Jahren noch schwere ADHS-Symptome.

Dabei war es praktisch egal, ob sie, wie zwei Drittel der Kinder, Medikamente erhielten oder diese abgesetzt wurden, daraus ließen sich jedenfalls keine Vorhersagen über die Stärke der Symptome erschließen. 62 der Kinder, die mit Anti-ADHS-Medikamenten behandelt wurden, zeigten weiter klinisch signifikante Konzentrationsstörungen, bei den Kindern ohne Medikamente waren es mit 58 Prozent geringfügig weniger.

Die Wissenschaftler betonen, dass sie nicht wissen, ob die Medikamente tatsächlich wirkungslos sind oder ob sie in falscher Dosis oder unregelmäßig gegeben wurden. Es sei aber dennoch beunruhigend, wenn die Kinder trotz medikamentöser Behandlung weiter Symptome zeigten. "Wir haben herausgefunden, dass ADHS bei Vorschulkindern eine chronische und ziemlich anhaltende Verfassung ist, die bessere langfristige pharmakologische und Verhaltenstherapien erforderlich macht, als wir sie bislang haben, so Mark Riddle vom Johns Hopkins Children's Center.

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