ALFA fordert Eine-Million-Euro-Scheine

Sparkassen überlegen, mehr liquide Reserven als Bargeld zu lagern, um Negativzinsen bei der EZB zu umgehen

Bernd Kölmel, der stellvertretende Bundesvorsitzende von Bernd Luckes AfD-Abspaltung Allianz für Fortschritt und Aufbruch (ALFA), will 500-Euro-Banknoten - anders als von EZB-Chef Mario Draghi geplant - nicht abschaffen, sondern stattdessen Eine-Million-Euro-Scheine einführen. Gestern hat er die Bundesregierung und die Bundesbank öffentlich dazu aufgefordert, sich dafür einzusetzen.

Geldscheine mit größerem Nennwert wären dem Europaabgeordneten zufolge sinnvoll, weil Banken, Unternehmen und Privatleute damit größere Summen nicht gegen Negativzinsen bei der EZB hinterlegen müssten, sondern selbst aufbewahren und sichern könnten.

Kölmels Zahlen nach gehen die Geldinstitute in Deutschland aktuell davon aus, dass sie 2016 "mehrere hundert Millionen Euro an Negativzinsen für Einlagen an die EZB zahlen müssen". Eine Barlagerung könnte ihm zufolge nicht nur ihnen, sondern indirekt auch ihren Kunden helfen, Kosten zu sparen.

Damit die Raum-, Transport-, Diebstahls- und Versicherungskosten solch einer Barlagerung keine allzu hohen Kosten aufwerfen, sollten dem Haushaltspolitischen Sprecher der Europaparlamentfraktion der "Konservativen und Reformer" (EKR) nach Scheine mit hohem Nennwert angeboten werden: Sie benötigten nicht nur so wenig Platz, dass man eine Milliarde Euro "in einem Schuhkarton" unterbringt, sondern würden auch sofort auffallen, wenn ein Dieb oder dessen Helfer sie einzulösen versucht.

Für Privatleute kämen zur Ersparnislagerung wahrscheinlich eher Tausend- und Fünftausend-Euro-Scheine infrage, deren Druck der baden-württembergische ALFA-Landesvorsitzende ebenfalls fordert. Die Bürger sollten ihm zufolge individuell entscheiden können, ob sie "das Risiko der Bargeldverwahrung [selbst] tragen oder irgendwann lieber Negativzinsen zahlen" wollen.

Vor Kölmels Aufforderung an die Bundesregierung und die Bundesbank hatte die ALFA-Generalsekretärin Ulrike Trebesius die Überlegungen in bayerischen Sparkassen, mehr Geld in eigenen Tresoren einzulagern, um den EZB-Negativzinsen zu entgehen, als "logische Notwehrmaßnahme gegen Enteignungsstrategien" bezeichnet.

Der Bayerische Sparkassenverband hatte auf Anfrage seiner Mitglieder mit der Versicherungskammer Bayern besprochen, wie sehr die Versicherungskosten steigen würden, wenn Sparkassen mehr Bargeld in den eigenen Tresoren einlagern, um Negativzinskosten bei der Europäischen Zentralbank zu vermeiden. Verbandspräsident Ulrich Netzer betonte jedoch in einem Interview mit dem Handelsblatt, er habe damit keine Empfehlung in die eine oder die andere Richtung abgegeben - ob mehr Bargeldlagerung sinnvoll ist, müssten die 71 Mitgliedsinstitute selbst entscheiden. Auf entsprechende Rückmeldungen wartet sein Verband noch.

Kommentare lesen (196 Beiträge)
Anzeige