"ARD braucht ab 2017 400 Millionen Euro mehr pro Jahr"

Nach dem ARD-Vorsitzenden, der mehr als 300.000 Euro im Jahr verdient, braucht man "von Zeit zu Zeit eine Anpassung", um die Programmqualität zu halten - ein Kommentar

Die ARD braucht, so liest man in einer "Nachricht" bei tagesschau.de, jährlich 400 Millionen Euro mehr. Auf 2400 Seiten stehe "detailliert", so heißt dies, warum man eine Erhöhung um 2,2 Prozent benötigt. Angeführt werden steigende Löhne und Gehälter und technische Umstellungen wie digitales Radio oder DVBT-2, was kurzfristig mehr koste, aber langfristig einspare. Und man arbeitet schon im Titel manipulativ und spricht von "Anpassung des Rundfunkbeitrags" anstatt von der geforderten Erhöhung der Einnahmen.

Zugegeben, es werden gewichtige Gründe sein, die die ARD da auf mehr als 2.000 Seiten ausbreitet, die wir uns nicht angesehen haben. Jetzt muss auch erst einmal die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) den Antrag prüfen. Die verlangte Erhöhung wird auf dem Hintergrund der vor kurzem veränderten Einziehung des Rundfunkbeitrags gefordert. Jetzt muss dieser zwangsweise wie eine Steuer pro Wohnung gezahlt werden, was zu erheblichen Mehreinnahmen geführt hat.

Zitiert wird der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor, der auch Intendant des Norddeutschen Rundfunks ist und über 300.000 Euro mit ein bisschen Nebenverdienst obendrauf verdient. Er sagt, dass die Mehreinnahmen, die nicht bereits an gemeinnützige Einrichtungen gehen, erst einmal dafür eingesetzt werden sollen, um den Fernsehanstalten mit ihren üppig verdienenden Intendanten mehr Geld zukommen zu lassen: "Diese Mehreinnahmen sind ja auch von Rundfunkbeitragszahlern für Rundfunkzwecke entstanden", so Lutz Marmor. Aber er vergisst zu sagen, dass den Bürgern einfach mehr Geld abgezwackt wird und die Mehreinnahmen weiter steigen, weil man den Rundfunkbeitrag nur symbolisch gekürzt hat.

Die ARD stellt dies in dem Bericht über sich selbst so dar, als hätten die Mitarbeiter des ARD, inklusive der Vorstände, in den letzten Jahren gedarbt, weil die Rundfunkgebühren nicht gestiegen seien, als gäbe es mancherlei zu sparen an bestimmten Sendungen und Prominentenbezügen, aber auch an den Gehältern der ARD-Topverdiener:

Seit sechs Jahren sind die Rundfunkgebühren nicht gestiegen, Anfang April sank der Beitrag sogar erstmals in der Geschichte - um fast 50 Cent. In den vergangenen Jahren hätten die öffentlich-rechtlichen Sender keinen finanziellen Ausgleich für steigende Löhne und Inflation bekommen, so Marmor: "Und jetzt brauchen wir von Zeit zu Zeit irgendwann auch mal wieder eine Anpassung, sonst können wir die Programmqualität nicht halten. Und in der Abwägung hoffen wir, dass auch die Hörerinnen und Hörer sagen: 'Gutes Programm kostet Geld', und da brauchen wir - wenn es nicht weniger werden soll - einen Ausgleich der Preissteigerungsraten."

Sagt Marmor mit Bezügen über 300.000 Euro, wobei man sich fragen kann, ob die Programmqualität leiden würde, wenn er beispielsweise nur noch 250.000 Euro im Jahr verdienen würde. Nett ist der Bericht, weil er tapsig versucht, die erwartbare Kritik vorwegzunehmen und einzudämmen:

Und trotzdem ist ihm bewusst: Dass die ARD mehr Geld benötigt, könnte bei manchen auf Kritik stoßen: "Jedes Mal wenn jemand sagt, 'Ich brauche einen Ausgleich', freut das niemanden - das freut uns ja auch nicht. Wenn die Bahn zum Beispiel die Preise erhöht, wird sie keinen Jubel ernten. Es ist klar, dass das keine Freude macht. Wir sind uns bewusst, dass das Geld der Beitragszahler wirklich sehr knapp ist. Aber ich glaube, wir haben da wirklich Maß gehalten und möchten auch weiterhin ein gutes Programmangebot machen."

Möglicherweise stößt nicht so sehr auf Kritik, dass die ARD für dies oder jenes mehr Geld benötigt, aber dass die Gehälter der Manager so hoch sind. Für Marmor ist das Geld angesichts seines Gehalts nicht sonderlich knapp, sollte man meinen, aber er ist der Überzeugung, dass die Menschen, bei denen das Geld sehr knapp ist, auch Gebührenerhöhungen akzeptieren müssen, weil man Maß gehalten habe, also eigentlich, so hört man durch, Anspruch auf mehr sowieso hat und den Gürtel schon enger geschnallt hat. Zu Herzen nehmen könnte sich Marmor und Co. Kommentare wie diesen:

Am 28. August 2015 um 15:35 von PhilippH

Unfassbar

Eine absolute Frechheit, dass dieser unsägliche Rundfunkbeitrag jetzt nochmals erhöht werden soll. Wenn ich daran denke, dass ich im Jahr über 200 Euro bezahlen muss, da ich mir die viel zu oft sehr mäßigen Angebote von ARD und Konsorten ansehen KÖNNTE, dreht sich mir der Magen um!

Es wird m.E. nach Zeit, das Angebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks massiv auszudünnen. 2 steuerfinanzierte Kanäle, einer mit Nachrichtenangebot, der andere mit dem bisherigen Brei aus Rosamunde Pilcher, Tatort und "Die Alpen von oben". Der zur Rechtfertigung dieser Steuer herangezogene staatliche Bildungsauftrag wäre damit geritzt. Der Rest wird entweder als Pay-TV-Angebot ausgestrahlt oder aber gleich eingestampft. Aber das bisherige System ist wirklich nur lächerlich.

(Florian Rötzer)

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