Ab 2016 sollen Fahrzeuge in Russland aus der Ferne gestoppt werden können

Mit einer Erweiterung des Notrufsystems ERA-GLONASS sollen Fahrzeuge zur Kontrolle der Verkehrsregeln besser überwacht und ferngesteuert werden können

In der EU müssen ab 2018 alle neuen Fahrzeuge mit dem Notrufsystem eCall. Das ist ein Notrufsystem, das im Falle eines Unfalls diesen an die europäische Notfallnummer 112 automatisch oder manuell auslösbar meldet, um möglichst schnell Rettungsmaßnahmen einleiten und damit Menschenleben retten zu können. Die Lokalisierung erfolgt über Satellitennavigationssysteme Galileo, Egnos und GPS. Integriert sind auch ein Mikrofon und Lautsprecher zur Kommunikation mit der Notrufzentrale

Gemeldet werden Fahrtrichtung, Fahrzeugposition, Fahrzeugklasse, Zahl der Insassen, Treibstoff, die mit Sensoren gemessene Schwere, die Zeit und der Ort des Unfalls. Aus Datenschutzgründen müssen die Rettungsstellen die Daten löschen, die nur mit ausdrücklicher Genehmigung an Dritte weitergegeben werden dürfen, was dann der Fall sein wird, wenn das auf eine Mobilfunkverbindung und die Satellitenortung beschränkte eCall-System in eine Telematikeinheit integriert ist.

Russland prescht technisch mitunter anderen Staaten voraus. Schon seit 2015 müssen alle PKWs, LKWs und Busse mit ERA-GLONASS-Systemen (Emergency Response System), der russischen Variante des eCall-Systems und damit kompatibel, ausgerüstet sein. Ab 2017 muss das von Luxoft entwickelte System in allen Fahrzeugen der Eurasischen Wirtschaftsunion enthalten sein, alte Fahrzeuge müssen bis dahin nachgerüstet werden. Ab 2016 sollen die ERA-GLONASS-Systeme über die Notruffunktion hinaus im Eurasischen Wirtschaftsraum auch die Möglichkeit bieten, wie die Izvestia berichtet, dass die Polizei aus der Ferne die Zündung ausschalten und damit ein Auto lahmlegen kann. Möglich sei das über die Mobilverbindung oder das Satellitensignal, um über die elektronische Wegfahrsperre den Motor auszuschalten, wenn ich das richtig verstehe.

Damit wäre eine erste Form der Fernsteuerung von Fahrzeugen durch die Polizei möglich. Gesprochen wird auch von weiteren zusätzlichen Steuerungsmöglichkeiten. Die Rede ist, eine "vollständige Kontrolle" zur Einhaltung von Verkehrsregeln. Wenn die Lokalisierung von Glonass auf 50 cm genau werden sollte, könne man auch das Fahrverhalten exakt überwachen und beispielsweise Autofahrer zur Verantwortung ziehen, die bei Gegenverkehr gefährlich überholen. In offiziellen Beschreibungen ist allerdings etwa nur von Ferndiagnose, Versicherungstelematik, Mauterhebung oder Überwachung die Rede. Mit der Einführung von autonomen Fahrzeugen wäre nicht nur die Kontrolle über das Fahrzeug dem Fahrer entzogen, während das Fahrverhalten restlos transparent würde, sondern die Steuerung könnte natürlich auch von der Polizei oder Hackern übernommen werden.

Auch europäische Sicherheitsbehörden träumen noch vor der massenhaften Verbreitung von autonomen Fahrzeugen vom Zugriff aus der Ferne. So wurde 2014 ein Dokument des 2008 als Arbeitsgruppe des EU-Rats gegründeten European Network of Law Enforcement Technology Services (ENLETS) bekannt, nach dem neben Möglichkeiten zur Analyse von Big Data oder zur automatischen Erkennung von Kfz-Nummernschildern eben auch der Wunsch nach einem Stoppen von Fahrzeugen aus der Ferne gewünscht werden. Gesucht wurde nach einem Standard, um diese Möglichkeit in jedes Auto in der EU einzubauen.

Das Stoppen von "nicht-kooperativen Fahrzeugen" mit eher brachialen Mitteln wie Netzen oder Sprühgeräten aus der Luft war das Ziel des von der EU geförderten Projekts Aeroceptor. Ein ähnliches Ziel verfolgt "Safecontrol of non cooperative vehicles through electromagnetic means" (SAVELEC), um die Elektronik von Landfahrzeugen oder Schiffen mit elektromagnetischen Impulsen (EMP) oder Mikrowellen (HPM) lahmlegen zu können. Damit sollen Fahrzeuge gestoppt werden, ohne die Insassen zu beeinträchtigen. Gedacht war oder ist die Technik angeblich zur Sicherung der EU-Außengrenzen. (Florian Rötzer)

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