Abenteuerlust

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Nintendos Einwechselspieler -Teil 1

Switch, die Jüngste Konsole aus dem Haus Nintendo verbindet in gewisser Weise die Besonderheiten der beiden Vorgängergenerationen: Ähnlich wie bei der Wii U (vgl. Weiter spielen mit Nintendos Jüngster) lassen sich die meisten Spiele sowohl auf dem Fernseher als auch im Handheld-Betrieb spielen. Dabei ist die Switch deutlich komfortabler, weil die gesamte Rechenleistung im portablen Part steckt, sodass Spieler nahtlos zwischen den beiden Modi wechseln können: Beim Einstecken in die Halterung wechselt die Konsole in den Fernsehmodus, und beim Herausnehmen wird sie wieder portabel. Bei der Wii U durften Spieler sich mit dem Tablet-Controller nicht zu weit von der stationären Konsole entfernen.

Von der Wii erbt die Switch die Sensortechnik, die dank des technischen Fortschritts in den letzten Jahre deutlich ausgefeilter ist als 2006. So lassen sich bei der Switch die seitlichen Controller-Leisten entfernen und entweder auf zwei Spieler oder zumindest zwei Hände verteilen. Auch der optional erhältliche Pro Controller hat eingebaute Sensoren. Einige Starttitel nutzen bereits die Bewegungssensoren, die die Wii seinerzeit zum Erfolg, aber auch zum Nischendasein führte.

Das Sortiment im Launch-Fenster der Switch ist sehr überschaubar. Eine Artikelserie auf Telepolis will einen Überblick über einige Titel geben. Da es nur wenige exklusive Inhalte gibt, spielt dabei auch die Nutzung der spezifischen Funktionen der Switch und der nahtlose Wechsel zwischen Fernseh- und Handheld-Modus eine Rolle.

Ohne Zweifel ist das lang erwartete Zelda-Spiel der Vorzeigetitel der Switch. Immerhin gehört die Reihe zu den bekanntesten und beliebtesten aus dem Haus Nintendo. "The Legend of Zelda" für das NES erschien vor über dreißig Jahren, und fast jede Konsolengeneration hat ein frisches Hauptspiel hervorgebracht. Allerdings ist "The Legend of Zelda: Breath of the Wild" kein exklusiver Titel für die neue Konsole, sondern markiert den Übergang zwischen Wii U und Switch: Es ist der erste große Titel der neuen und gleichzeitig der vermutlich letzte große Titel der alten Generation. Auf der Wii U ist es aber auch das erste neue Zelda-Spiel, da es dort neben Umsetzungen für die virtuelle Konsole bisher nur Remakes von "The Wind Waker" und "Twilight Princess" gab. Letzteres erschien übrigens ursprünglich ebenfalls zum Generationswechsel gleichzeitig für den GameCube und die Wii.

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The Legend of Zelda: Breath of the Wild

Das neue Zelda bleibt mit der Geschichte, den Protagonisten und dem Antagonist der Serie treu: Der Held Link muss die Welt vor dem düsteren Ganon retten, den Prinzessin Zelda im Schloss von Hyrule mühsam in Schach hält. Auf seiner Reise trifft Link ebenso auf bekannte Völker der Vorgänger wie auf typische Monster der Serie. Das Spielprinzip des Action-Adventures und die grundsätzliche Steuerung und das Kampfsystem bleiben weitgehend wie gehabt. Auch lernt Link wieder im Verlauf der Story neue Fähigkeiten.

Trotz der Gemeinsamkeiten mit den Vorgängern war schon im Vorfeld klar, dass Nintendo mit "Breath of the Wild" neue Wege beschreitet und die Welt deutlich offener gestaltet als bisher. Den Großteil der Zeit verbringt Link im Gegensatz zu den meisten Zelda-Titeln in der Außenwelt, statt zahlreiche Dungeons mit Rätseln und Gegnern zu durchstöbern und dort typischerweise jeweils eine neue Waffe zu finden, die beim Besiegen des Endbosses hilft.

"Breath of the Wild" gibt dem Spieler ungewohnt viel Freiheit und verzichtet dabei anders als die meisten Open World Games auf große Erklärungen. Nach einer kurzen Einführung ist Link und damit der Gamer weitgehend auf sich allein gestellt. Bei der Orientierung hilft vor allem der rote Faden der Geschichte, der Link durch mehrere Hauptaufgaben begleitet. Anfangs sind die Quests noch geradlinig, bald führen sie zu mehreren Orten, bei denen der Spieler die Reihenfolge selbst auswählt.

Zwar gibt es darüber hinaus zahlreiche Nebenaufgaben, die aber - angenehm ungewohnt - nicht als Icon-Flut die Karte einnehmen. Dasselbe gilt für die Ressourcen, die es in Hülle und Fülle gibt, aber gefunden werden wollen. Wer die Informationsflut der Landkarten in Titeln wie "Assassin‘s Creed" gewohnt ist, muss zunächst lernen, sich selbst zu orientieren - und merkt bald, wie angenehm das ist. "Breath of the Wild" bringt damit etwas zurück, das viele Open-World-Spiele inzwischen vermissen lassen: Die Freude am Entdecken.

Recht bald lernt der Spieler, dass manche Wege zwar offen stehen, aber anfangs zu gefährlich sind, da dort übermächtige Gegner dem zu Beginn schwächlichen Helden auflauern und ihn mit einem Schlag ins Game Over befördern. Auch diese Erfahrung gehört zum freien Entdecken, und selbst auf seinen normalen Wegen führt allzu übermütiges Voranschreiten zum vorzeitigen Ende und der Lektion, größere Monstergruppen entweder trickreich auszuschalten oder zu umgehen. Schleichen ist ein fester Bestandteil des Games, so muss der Held recht früh ein Plateau nach Pfeilen absuchen, auf dem ein übermächtiges Monster lebt.

Einige Dinge vermissen Kenner der Serie von Anbeginn: Herzen zum Regenerieren der Lebensenergie beim Zerschmettern von Gegenständen oder Mähen von Gras mit dem Schwert gibt es ebenso wenig wie die übliche Flut von Rubinen. Dafür darf Link ernten, was die Natur hergibt: Pilze oder Äpfel stehen ebenso auf der Speisekarte wie gejagtes Wild und Geflügel. Recht bald darf sich der Spieler als Koch versuchen, aber auch hier fehlen Rezepte und Erklärungen. Die meisten Zutaten vertragen sich jedoch miteinander und viele haben sprechende Namen, die Hinweise auf zusätzliche Effekte haben. So stellt ein mit Rüstpilzen verfeinertes Essen nicht nur Lebensenergie wieder her, sondern erhöht eine Weile die Abwehr. Die gekochten Speisen sind mittelfristig deutlich effizienter als die verstreuten Herzen der früheren "Zelda"-Titel, zumal der Spieler sie über das Pausenmenü ohne Verzögerung zu sich nehmen kann. Das steht wiederum im Gegensatz zu den sehr raren leeren Flaschen und damit limitierten Heiltränken der vergangenen Auftritte.

Das gewohnte feste, kleine Waffenarsenal fehlt ebenfalls. Stattdessen findet Link überall verstreut Schwerter, Bögen, Lanzen und Schilde, die aber alle eine begrenzte Haltbarkeit haben. Dass dabei ein verrostetes Schwert kurzlebiger ist als eine Wächterlanze versteht sich von selbst. Selbst die Bögen lassen sich nicht endlos benutzen, und die Pfeile sind ohnehin begrenzt. Allerdings muss der Spieler nicht zu sehr haushalten, da es ausreichend Fundsachen gibt. Und die mit der Zeit stärkeren Gegner hinterlassen üblicherweise schlagkräftigere Waffen.

"Breath of the Wild" ist kein Rollenspiel, sodass Kämpfe zwar Gegenstände und Übung, aber keine Stärkung der Basiswerte bringen. Abgesehen von besserer Ausrüstung gibt es jedoch zwei Grundwerte, die der Spieler dauerhaft verbessern kann: Gesundheit und Ausdauer. Ein Schlüssel dazu sind die aus der Serie bekannten Herzcontainer, die der Held nach Bosskämpfen erhält. Eine neue Komponente bringen Schreine ins Spiel, die in der Welt verstreut zu finden sind. Sie beherbergen üblicherweise Puzzles, für deren Lösung Link Zeichen der Bewährung erhält. Vier dieser Zeichen kann er wahlweise gegen mehr Lebensenergie oder erhöhte Ausdauer eintauschen. Gleichzeitig sind die Schreine ein Schnellreisesystem, da Link sich zu einmal besuchten jederzeit teleportieren kann. Auch hier obliegt es der Entscheidung des Spielers, ob er sich schnell durch die Story vorwärtsbewegt oder versucht jeden Schrein mitzunehmen.

Natürlich stößt das jüngste Zelda manche Serienfans durch die Neuerungen vor den Kopf - ein Blick in beliebige Spieleforen belegt, wie konservativ viele Gamer sind, die jede Neuerung als Teufelswerk abtun und ohnehin lieber in einer 8-Bit-Welt bleiben würden.

Unabhängig davon ist "Zelda: Breath of the Wild" ein großartiges Videospiel, das zum Entdecken einlädt und auch nach zig Spielstunden stets Neues bereithält. Nintendo zeigt Firmen wie Ubisoft und Electronic Arts, wie Open World deutlich spannender funktioniert als im aktuellen Mainstream. Der wesentliche Vorteil der Switch-Variante gegenüber der Wii-U-Version ist abgesehen von einer geringfügig besseren Auflösung und laut Hersteller besserem Sound vor allem, dass der Spieler es auf der neuen Konsole jederzeit unabhängig vom Fernseher spielen kann.

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