Abheben aus der Stadt: Urbane Mobilität mit autonomen Flugzeugen

"Future of urban mobility: My kind of flyover". Bild: Airbus

Der Konzern Airbus will autonome Hubschrauber für die privilegierten Großstadtbewohner entwickeln, um "mit einem Knopfdruck über die Verkehrsstaus hinwegzufliegen"

Immer mehr Menschen leben in Städten, die im Verkehr ersticken. Als Lösung wird derzeit vielfach angeboten, dass die von Menschen gesteuerten Fahrzeuge von autonom fahrenden PKWs und LKWs abgelöst werden sollten. Sind die autonomen Fahrzeuge zusätzlich mit Elektromotoren ausgestattet, könnten, so die versprochenen Vorteile, neben der Reduzierung der Unfälle und einer smarten Steuerung des Verkehrsflusses auch die Luftverschmutzung und Lärmbelastung gesenkt werden. Neben den autonom fahrenden Bodenfahrzeugen, inklusive den Bussen und Zügen des öffentlichen Nahverkehrs, sofern diese noch konkurrenzfähig bleiben, kämen die autonom fliegenden Drohnen, die einen Teil der Warenauslieferung in die Luft verschieben und den Verkehr auf den Straßen entlasten.

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Privat genutzte Fahrzeuge sollen optimalerweise nicht mehr das Eigentum von einzelnen Menschen sein, sondern im Rahmen von kommerziellen Mobilitätsdiensten in Car-Sharing-Modellen für einzelne Fahrten ausgeliehen werden. Das würde zwar nicht den fließenden Verkehr senken, aber könnte die Zahl der Fahrzeuge in einer Stadt und damit die erforderlichen Flächen zum Parken erheblich reduzieren. Überhaupt ließen sich allein durch die Vermeidung von Staus und Unfällen sowie durch die "Enthumanisierung" und technische Optimierung des Verkehrs viele Ausgaben reduzieren, was sich allerdings auch negativ auf das BIP und auf die Steuereinkünfte niederschlagen würde, während die Arbeitslosigkeit und damit die sozialen Kosten steigen.

Zu der schönen neuen Welt der autonomen Fahrzeuge könnten, wenn es nach Airbus und den Vorstellungen der Projektgruppe Urban Air Mobility des Konzerns geht, nicht nur Drohnen zur Warenbeförderung oder zu sonstigen Zwecken kommen, sondern etwa auch autonom fliegende Hubschrauber zur Beförderung von Personen, die es noch bequemer und schneller haben wollen. Kaum also wird die sowieso brüchige Fantasie der Auto- und IT-Unternehmen ausgebreitet, dass die Einwohner der Städte zum Wohl ihrer Lebenswelt auf die autonomen Fahrzeuge umsteigen sollen, wobei dies dann im wesentlichen aber nur die reicheren Schichten in den gentrifizierten Städten mit ihren gated communities betreffen wird, folgt bereits die Überbietung. Wer zur Elite gehören will und kann, lässt den Boden hinter sich. Was sich bislang nur wenige leisten konnten, könnte dann zum Luxus einer breiten Reichenschicht werden, die sich damit noch weiter in eine Parallelgesellschaft einschließt.

Das wird natürlich von Airbus ganz anders dargestellt. Angeblich soll noch Ende des Jahres ein Prototyp eines autonomen Fahrzeugs getestet werden. Man hängt also weiterhin einer Idee an, die schon lange in den Köpfen herumschwirrt. Airbus-Chef Tom Enders sagte auf der DLD-Konferenz in München im gewohnten Optimismus der technischen Optimierer, das Ziel des Konzerns seien solche senkrecht startende und landende Flugzeuge oder Hubschrauber, die einen oder mehrere Passagiere befördern können, um diesen zu ersparen, am Boden in Staus feststecken zu müssen: "Vor hundert Jahren ging der städtische Verkehr in den Untergrund, jetzt haben wir die technische Möglichkeit, über den Boden zu gehen." Man sei noch in einer Experimentphase, "aber wir nehmen die Entwicklung sehr ernst".

Der Konzern hat das Projekt A^3, das eine solche, Vahana genannte autonome Flugmaschine für Menschen und Güter mit Elektroantrieb vorsieht, als Erfüllung eines Traums für die in den weiter wachsenden Megacities lebenden Menschen beschrieben, dabei aber "vergessen", dass dieser nur einen Teil der Gesellschaft betrifft, während der Rest unter dem Fluglärm leiden wird, zudem würde man die Staus, sollten nun Millionen in die Luft gehen, nur verschieben:

Der Rushhour-Verkehr ist heute für viele Pendler unerträglich - und das Problem nimmt zu. Bis 2030 werden 60 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben, 10 Prozent mehr als heute. Um dieses wachsende Problem anzugehen, schöpft Airbus aus seiner Erfahrung, um den Traum aller Pendler und Reisenden eines Tages wahr zu machen: mit einem Knopfdruck über die Verkehrsstaus hinwegzufliegen.

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