Ablehnung von Flüchtlingen wächst weltweit

44 Prozent der Deutschen sind nach einer Umfrage für die Schließung der Grenzen, 51 Prozent glauben nicht an eine erfolgreiche Integration

Für die internationale Umfrage in 22 Ländern wurden mehr als 16.000 Menschen (16-65 Jahre) zwischen dem 24.Juni und dem 8. Juli befragt, also noch vor den Terroranschlägen in Nizza und Gaziantep oder den Anschlägen in Ansbach und Würzburg. Einwanderung wird zunehmend negativ beurteilt, die in Deutschland kurzzeitig gefeierte Willkommenskultur schwindet hier wie anderswo. Für 49 Prozent gibt es zu viele Flüchtlinge in ihrem Land, 40 Prozent treten für eine Schließung der Grenzen ein, nur 20 Prozent sehen in der Zuwanderung positive Aspekte, 46 Prozent sagen, dass die Einwanderung ihr Land auf eine unerwünschte Weise verändert. Eine Mehrheit in fast allen Ländern, eine Ausnahme ist nur Japan, sagt, dass die Zuwanderung in den letzten 5 Jahren angestiegen sei, allen voran mit 96 Prozent in der Türkei, in Schweden, Deutschland und Südafrika mit über 90 Prozent der Menschen.

Verständlicherweise ist der Anteil derjenigen, für die zu viele Einwanderer im Land sind, in der Türkei mit 85 Prozent am höchsten (Libanesen und Jordanier wurde nicht befragt). Gleichzeitig sagen mit 6 Prozent der Türken am wenigsten, dass Zuwanderung einen positiven Einfluss hat. An diesen hohen Werten lässt sich erkennen, dass sich in der Türkei, wo die Regierung lange Zeit eine Politik der offenen Türe verfolgt hat, ein bislang nur vereinzelt ausgebrochener Konflikt zwischen Zuwanderern und Einheimischen aufstauen dürfte, der auf gefährliche Weise in dem eh schon instabilen Land explodieren könnte.

Auch für 65 Prozent der Italiener, 64 Prozent der Russen, 60 Prozent der Belgier und 57 Prozent der Franzosen sind zu viele Einwanderer im Land. Hier sagt auch eine Mehrheit, sie seien mit den Änderungen, die die Einwanderung mit sich bringt, nicht zufrieden. In Deutschland, das hier in der Mitte liegt, sagen dies 44 Prozent, für 50 Prozent gibt es zu viele Einwanderer, allerdings waren im Juli 2015 auch bereits 43 Prozent dieser Meinung und 2014 bereits 51 oder 2011 gar 53 Prozent. Die Haltung scheint damit also auf hohem Niveau zu schwanken. Ähnlich ist dies auch in den anderen Ländern. So war die Ablehnung von Einwanderern in Ungarn schon 2011 mit 50 Prozent so hoch wie jetzt.

Interessant ist, dass in Schweden und Spanien mit 41 Prozent, in Saudi-Arabien mit 38 Prozent, in Mexiko und Südkorea mit 30 Prozent, in Japan mit 24 und in Brasilien mit 23 Prozent am wenigsten Menschen sagen, nicht mit den immigrationsbedingten Veränderungen in ihren Ländern zufrieden zu sein. Dass Einwanderung positive Folgen hatte, sagt nirgendwo eine Mehrheit. In Saudi-Arabien, Indien, Kanada, Großbritannien und Australien aber mehr als ein Drittel. Nur 18 Prozent der Deutschen wollen Positives sehen, mit 6 Prozent jeweils bilden Türken und Ungarn das Schlusslicht. Aber auch nur wenige Russen (8%), Japaner (9%), Mexikaner und Italiener (10%), Franzosen und Belgier (11%) können der Einwanderung positive Aspekte abgewinnen.

Vor allem gefürchtet werden negative Folgen für Arbeitsplätze. Auch hier liegen die Türken mit 78 Prozent an der Spitze, gefolgt von den Russen, Südafrikanern und Indern. Auch in den USA und in Italien haben 49 Prozent diese Sorge, am wenigsten übrigens in Schweden (25%), Japan (26%) und Deutschland (28%).

Die meisten Befürworter einer Grenzschließung findet man auch wieder bei den Türken mit 64 Prozent. Dies sagen auch 60 Prozent der Inder, 55 Prozent der Ungarn und 48 Prozent der Amerikaner, wo also Trump mit seinem einwanderungsabwehrenden Programm durchaus auf breite Zustimmung stößt, gegen eine Grenzschließung sprechen sich nur 35 Prozent aus. Mehrheiten für eine Grenzschließung gibt es auch in Italien, Frankreich und Russland. 44 Prozent der Deutschen sprechen sich dafür aus, 45 Prozent dagegen. Seltsamerweise sind mit 31 Prozent relativ wenige der Brexit-Briten dafür, 60 Prozent lehnen dies ab, obgleich wichtige Aspekte der Brexit-Befürworter die Ablehnung der Zuwanderung und die porösen Grenzen waren.

Für viele sind Flüchtlinge keine wirklichen Flüchtlinge

Die Angst ist überall groß, dass unter den Flüchtlingen auch Terroristen sind. Gefragt, ob es Terroristen sich als Flüchtlinge ausgeben würden, um in ihr Land zu kommen und dort gewalttätig zu werden, stimmten dem 83 Prozent der Türken zu. In Russland, Indien und Ungarn ist die Sorge oder das Misstrauen kaum geringer. Auch 71 Prozent der Deutschen sind der Meinung. Am wenigsten Angst haben mit 16 Prozent die Spanier.

Eine Mehrheit in den meisten Ländern ist überdies der Meinung, dass es sich bei den Flüchtlingen in Wahrheit um Wirtschaftsflüchtlinge oder um Menschen handelt, die von den Sozialsystemen profitieren wollen. Eine Ausnahme bilden nur die Spanier (30%) und Schweden (28%). In Deutschland sehen dies 52 Prozent so. Mit 70 Prozent sagen dies am meisten die Russen, gefolgt von Indern, Südafrikanern, Ungarn, Polen und Italienern.

In den europäischen Ländern hegt man offenbar keine hohen Erwartungen, dass sich die meisten Einwanderer erfolgreich in ihr Land integrieren werden. Besonders skeptisch ist man allerdings in Japan, wo dies gerade 18 Prozent sagen. Auch in Südkorea sind die Menschen misstrauisch. Gegenüber letztem Jahr ist die Zuversicht allerdings besonders drastisch um 15 Prozent auf gerade noch 22 Prozent gefallen, die an den Integrationserfolg glauben. Nicht viel anders sieht es in der Türkei und in Belgien aus. Immerhin 44 Prozent der Ungarn sind der Meinung, auch in Spanien und Großbritannien sind es noch mehr als 40 Prozent. In Deutschland glauben dies 38 Prozent, 2 Prozent weniger als 2015. (Florian Rötzer)

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