Abtreibung und Sterbehilfe sind Formen des Terrorismus

Erzbischof Amato geht für den Vatikan in die moralische Offensive und sieht die Medien als Wegbereiter des Bösen

Im Vatikan geht man wieder einmal in die Offensive. Erzbischof Angelo Amato, der Sekretär der vatikanischen Glaubenskongregation und Vertrauter von Papst Benedikt XVI., holte weit aus, um gegen politische Bestrebungen zu mobilisieren, die moralische Grundsätze der Kirche missachten. Richten dürfte sich Amato etwa gegen die Absicht von Politikern in Mexiko-City, eine Fristenregelung einzuführen.

Dass auch der Papst an den überkommenen Werten festhalten und sie wieder beleben will, die Ehe, Sexualität, Abtreibung oder Sterbehilfe betreffen, ist bekannt. Benedikt hat den mexikanischen Bischöfen einen Brief geschrieben, in dem er sie aufforderte, mit Entschlossenheit für das Recht auf Leben einzutreten. Die katholische Kirche hat daraufhin beschlossen, die Abgeordneten sofort zu exkommunizieren, die für die Fristenregelung stimmen. Doch die katholische Kirche scheint dabei nicht, wie erhofft, an Stärke zu gewinnen. Selbst traditionell katholische Länder wie Polen, Italien, Spanien oder Portugal entwinden sich dem Zugriff der Kirche, wenn es um Homosexuelle und Abtreibung geht. Auch lateinamerikanische Staaten wollen wie Mexiko oder Kolumbien die Fristenregelung einführen.

Update: Das Parlament von Mexiko City hat gestern nach langer Debatte mit großer Mehrheit für die Legalisierung der Abtreibung gestimmt. Mit 46 Ja-Stimmen gegen 17 Nein-Stimmen, vor allem von der konservativen PAN-Partei des mexikanischen Präsidenten Felipe Calderon, wurde das Gesetz angenommen, das Auswirkungen auf ganz Lateinamerika haben dürfte, wo bislang nur in Kuba und Puerto Rico Abtreibungen vorgenommen werden dürfen. Zudem gilt die Einführung der Fristenregelung als Sieg für die Frauenrechte. Die katholische Kirche musste hingegen sehen, dass sie ihren Rückhalt in wichtigen Fragen auch in Lateinamerika verliert.

Jetzt können nicht nur die Frauen in der 20 Millionen Metropole straffrei Abtreibungen vornehmen lassen, auch die Frauen aus ganz Mexiko können diese Möglichkeit in Anspruch nehmen, wenn sie in die Hauptstadt reisen. Bislang mussten sie in die USA gehen, was sich nur die reichen Frauen leisten konnten.

Amato dürfte freilich der katholischen Kirche keinen Gefallen gemacht haben, wenn er nun Abtreibung, die Pille danach oder Sterbehilfe als Formen des Terrorismus, als "Terrorismus mit menschlichem Antlitz" geißelt, der von den Medien verbreitet werde. Der Erzbischof sagte in einer Ansprache, dass dieser Terrorismus von dem "schrecklichen Selbstmordterrorismus", der in den Medien über Zeitungen über das Internet bis hin zum Fernsehen zu einem "perversen Film des Bösen" mit "immer neuen und grausamen Szenarios" gerate, verdeckt werde.

Die "sozialen Massenmedien" würden die Abtreibung "hinterlistig" propagieren, indem sie sprachlich die "tragische Wahrheit der Fakten" verschleiern. So spreche man von Schwangerschaftsabbruch, wo es um die "Tötung eines wehrlosen menschlichen Lebens" gehe, oder man bezeichne die Euthanasie als "Sterben in Würde". Der andere Terrorismus bleibe so fast unsichtbar oder werde gar als "Fortschritt zum Guten" dargestellt.

Von den Medien derart aufbereitet würden dann die Themen Abtreibung und Euthanasie, aber auch die Abtreibungspille RU 486 oder Eingriffe in Embryonen zu den Parlamenten gelangen, die schließlich Gesetze verabschieden, die sich gegen das "Wesen des Menschen" richten. Man könne all das zu einer "satanischen Sekte" rechnen, die einen "wirklichen Kult des Bösen" betreibe.

Das heutige Böse, so Amato, sei nicht mehr nur "eine Tat eines Einzelnen oder einer sehr individualistischen Gruppe, sondern es kommt aus den Zentren des Bösen, aus den Laboratorien der falschen Meinungen, von anonymen Mächten, die unseren Geist mit falschen Meinungen bearbeiten, die das Leben nach dem Evangelium als lächerlich und rückwärts gerichtet beschreiben". Man könne aber, so bedauert der Erzbischof, "weder die Bibliothek des Bösen schließen, noch sein Kino zerstören, das sich wie ein tödlicher Virus verbreitet". Man könne sich nur an Gott wenden und ihn um Hilfe bitten.

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