AfD als neue "Mövenpick Partei"?

Wer finanziert nun die Wahlparty der immer weiter ins wahnhafte Extrem taumelnden Rechtspopulisten, wenn sich das Konstrukt der vielen Kleinspenden als ein "Märchen" entpuppte? Die Konrad Adenauer Stiftung (KAS) glaubte jedenfalls schon 2013, eine heiße Spur zu verfolgen, wie etwa die Tageszeitung Die Welt am 22. April berichtete. Ein "alter Bekannter der schwarz-gelben Koalition" solle den Wahlkampf der AfD finanzieren. Dies ginge aus internen Papieren der KAS hervor, die der Welt zugespielt wurden. Demnach sollte der in der Schweiz lebende, deutsche "Mövenpick-Milliardär" Baron August von Finck die AfD - zumindest damals - finanziert haben:

Die Rechercheure der Adenauer-Stiftung wollen auch eine bereits existierende Verbindung der AfD zum Mövenpick-Konzern gefunden haben: Beatrix von Storch, die als Vorsitzende der sogenannten Zivilen Koalition, einer Organisation, die viele Anti-Euro-Kampagnen initiiert hat, und als Unterstützerin auf der Webseite der AfD geführt wird. "Die Adresse der Zivilen Koalition stimmt mit der PR-Abteilung von Mövenpick Germany, das zum August-von-Finck-Imperium gehört, überein", steht in dem Dokument, mit dem sich die CDU-Politiker auf die Auseinandersetzung mit der Newcomer-Partei vorbereiten.

Die Welt

Der "bayerische Milliardär, der längst in der Schweiz lebt", solle einstmals Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber, dann aber insbesondere der FDP "mit großen Spenden geholfen" haben. Der "Besitzer des Hotel- und Gastronomiekonzerns Mövenpick" sei einer der Hauptprofiteure der von der damaligen Koalition durchgesetzten "Senkung der Mehrwertsteuer auf Hotelübernachtungen" gewesen, sodass die FDP anschließend monatelang von der Opposition als "Mövenpick-Partei" verspottet wurde, berichtete die "Welt".

Somit klärt sich auch der Unmut der KAS gegenüber von Finck, der sich in der gezielten Indiskretion äußert. Für gewöhnlich werden ja solche Zuwendungen von den Parteien nicht thematisiert. Der Mövenpick-Milliardär scheint der CDU schlicht undankbar zu sein, indem er die politische Konkurrenz finanziert. Schwarz-Gelb hat dem Mövenpick-Konzern ein enormes Steuergeschenk gemacht - und dieser scheint nun die rechtspopulistische Konkurrenz zu finanzieren. Während Finck sich 2013 weigerte, zu den Anschuldigungen Stellung zu beziehen, hat die AfD die Vorwürfe der KAS abgestritten.

Ist die AfD nun die neue "Mövenpick-Partei" oder hat sich diese angebliche Beziehung verflüchtigt? Vorgänge aus dem Jahr 2016 legen den Schluss nahe, dass es weiterhin Kontakte zwischen dem Imperium des Milliardärs und den Rechtspopulisten gab. Ende 2011 stieg die "Milliardärsfamilie Finck" in den Handel mit Gold ein, schrieb die Süddeutsche Zeitung: "Sie hat den Namen des traditionsreichen Edelmetall-Händlers Degussa erworben und will das Geschäft wiederbeleben." Bei Degussa handelt es sich in der Tat einen traditionsreichen Namen, den sich der Finck-Klan für seinen Einstieg in das Goldgeschäft aussuchte: Im Dritten Reich lieferte die Degussa Zyklon-B für die Gaskammern der Nazis, in den Schmelzöfen der Evonik Degussa wurde das Zahngold eingeschmolzen, dass den vergasten Juden herausgebrochen wurde.

Am 26. Oktober 2016 erschien in der Süddeutschen Zeitung (SZ) ein Beitrag, der sich mit einem Buch "Gefährliche Bürger" beschäftigte, das sich mit der neuen Rechten auseinandersetzt und als ein "Standardwerk" für alle gelte, "die sich für die neuen rechten Netzwerke in Deutschland interessieren". Der Artikel "Angst ist Gold" setzte sich aber gerade mit den Informationen auseinander, die nicht in dem Standardwerk zu finden sind, da sie kurz vor dem Druck entfernt werden mussten. Eine der Autorinnen, Liane Bednarz, bestand darauf, heikle Informationen zu entfernen:

Jetzt zeigt sich, dass an der Auswahl der "gefährlichen Bürger" nicht nur die Autoren Liane Bednarz und Christoph Giesa beteiligt waren. Bednarz ist im Hauptberuf Rechtsanwältin bei der renommierten Kanzlei Noerr in München. Sie publiziert an vielen Orten, von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung bis hin zu Spiegel Online, wo sie als "AfD-Expertin" firmiert, sehr häufig auch auf ihrer eigenen, mittlerweile von Tausenden Lesern - darunter zahlreiche Journalisten und Politiker - frequentierten Facebook-Seite.

SZ

Frau Bednarz betätigte sich somit nebenberuflich als Buchautorin - was aber zu einem Interessenskonflikt führte. Vor der Veröffentlichung des Buches musste Bednarz "Namen, Firmen und Begriffe" aus ihrem Buch streichen: "In mehreren Schreiben nennt sie ihren Arbeitgeber und dessen Interessen als Grund." Es ginge offenbar darum, einflussreiche Personen nicht gegen die Kanzlei Noerr aufzubringen, schlussfolgerte die SZ. Vor allem in dem Kapitel, in dem Goldgeschäfte im Dunstkreis der Neuen Rechten beleuchtet werden, bei denen die Rechtspopulisten die anwachsende Krisenangst ausnutzten, mussten weitreichende Streichungen vorgenommen werden:

Die Änderungen am Text sind nicht klein. Inhaltlich schwerwiegend und umfangreich sind Streichungen und Umformulierungen in jenem Teil, der schließlich auf zwei Buchseiten zusammen schrumpfte, nämlich auf die Seiten 137 und 138. Auf jenen Seiten strich die Autorin zum Beispiel die Namen "Thorsten Polleit", "August von Finck", wie auch "Degussa Goldhandel".

SZ

Thorsten Polleit arbeitet für den Degussa Goldhandel des Milliardärs August von Finck, der ja die "traditionsreichen" Namensrechte 2011 erwarb. In der ursprünglichen, unzensierten Version des Buches wurde er als ein "Angstmacher" tituliert, der seine Kundschaft zum Erwerb der sicheren Krisenanlage Gold verleiten wollte. Die Krisenangst dient diesem neurechten Milieu somit als Geschäftsgrundlage. Laut Recherchen der SZ stehen August von Finck und der Gründer der Kanzlei Noerr, Rudolf Nörr, in einer geschäftlichen Beziehung. Dies legt den Schluss nahe, dass Bednarz ihre Streichungen im Text vernehmen musste, um Rücksichtnahme auf das Verhältnis zwischen Nörr und Finck zu nehmen.

Entscheidend aber ist, dass es laut SZ Beziehungen zwischen Degussa und der AfD gegeben haben soll. Die Rechtspopulisten betrieben bis Anfang 2017 ihren umstrittenen "Goldshop". Laut der SZ sei zu vermuten, "dass das Gold für dieses Geschäft wenigstens zum Teil ursprünglich von Degussa kommt". Das Unternehmen des Milliardärs, von dem es "in internen Papieren der CDU" heißt, er unterstütze den Wahlkampf der AfD, lieferte somit laut SZ - wenigstens teilweise - das Gold für den Goldshop der AfD.

Kein Wunder somit, dass die AfD zu jener Zeit so ihre Probleme mit den Goldbarren hatte, die plötzlich überall auftauchten. Dieselbe Beatrix von Storch, deren Zivile Koalition dieselbe Adresse mit Fincks PR-Agentur in Berlin teilte, fand sich im Zentrum einer Goldbarrenaffäre, bei der angeblich Spendengelder zum Erwerb von Gold im Wert von rund 83.000 Euro missbraucht wurden.

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