AfD könnte drittstärkste Partei werden

Bild: Michael Voss/CC BY-SA-3.0

YouGov stellte eine neue Vorhersagemethode vor, nach der die AfD mit 12 Prozent die Linke hinter sich ließe

Das Meinungsforschungsinstitut YouGov stellte heute die neue Methode "Multilevel Regression und Post-Stratifikation" (MRP) zur Berechnung des möglichen Ergebnisses der Bundestagswahlen für die Erst- und Zweitstimmen vor. Dafür werden täglich 1200-Online-Umfragen durchgeführt und mit anderen statistischen Daten wie Alter, Geschlecht, Bildung und Wahlentscheidung bei der letzten Bundestagswahl verbunden. So soll gesehen werden können, wie unterschiedliche Wählertypen wahrscheinlich wählen würden. Abgeleitet davon wird auch ermittelt, wie das Ergebnis auf Ebene der Bundesländer und Wahlkreise aussehen könnte. YouGov will mit dieser Methode vor allen anderen Instituten vorhergesehen haben, dass die Tories bei der Unterhauswahl die absolute Mehrheit verlieren würden.

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Nach der neuen Methode wird vorhergesagt, dass für die Union 36 Prozent stimmen würde, genauer gesagt, der Korridor für eine 95prozentige Konfidenz liegt zwischen 32 und 39 Prozent. 36 Prozent entspräche etwa dem Wert, den auch die Institute Allensbach, Emnid, Forsa, Forschunsgruppe Wahlen, GMS, Infratest dimap und INSA ermittelt haben. Hier schwanken die Vorhersagen zwischen 36 und 38, Prozent. Die SPD schneidet mit 25 Prozent (22-28%) bei YouGov etwas besser ab als bei den anderen, wo die Sozialdemokraten zwischen 20 und 24 Prozent rangieren.

Für die Grünen könnte die Wahl aber knapp ausgehen. YouGov schätzt sie auf 6 Prozent bzw. zwischen 5 und 8 Prozent, während sie bei den anderen mit 7-9 Prozent höher gehandelt wird. Auch die FDP erzielt nach der YOUGov-Methode mit 7 Prozent weniger als bei den anderen Instituten. Die Linke würde auf 10 Prozent kommen, mit einem Konfidenz-Intervall von 9-12 Prozent, bei den anderen Instituten rangiert sie zwischen 8 und 11 Prozent. Nach YouGov würde jetzt die AfD mit 12 Prozent (10-14%) zur drittstärksten Partei, allerdings hätte auch die Linke noch eine Chance, die Rechten zu überrunden. Bei den anderen Instituten liegt die AfD zwischen 8 und 12 Prozent.

Nach YouGov hätte der neue Bundestag 686 Sitze und wäre damit größer als der aktuelle. Möglich wäre nur eine Große Koalition, worauf es wohl hinauslaufen wird, oder eine Jamaika-Koalition aus der Union, der FDP und den Grünen, sollten sie den Wiedereintritt auch wirklich schaffen.

Interessant sind manche Ergebnisse, die YouGov für die Bundesländer angibt. Die CSU kann nicht ganz zufrieden sein, sie würde nur auf 42 Prozent kommen. Das verdankt sich dem FDP-Anteil von 8 Prozent und vor allem der AfD, die mit 11 Prozent zur drittstärksten Partei werden könnte und damit das Land noch stärker nach rechts abdriften lassen würde. Auch die Linke würde immerhin 7 Prozent erhalten, so viel wie die Grünen, die SPD dümpelt bei 20 Prozent.

Auch in Baden-Württemberg würden 12 Prozent die AfD wählen, die damit auf dem dritten Platz nach der CDU und der SPD liegen würde, die Grünen kämen auf 9 Prozent. Überhaupt liegt die AfD in vielen Bundesländern an dritter Stelle, nicht nur in den östlichen Bundesländern (Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen), wo sie mit Ausnahme von Brandenburg so um die 17 Prozent wählen würden. In Brandenburg würde die CDU vor der Linken liegen, an dritter Stelle käme die SPD, die Grünen kämen nur auf 3 Prozent, die FDP auf 6 Prozent. Zur drittstärksten Partei würde die AfD nach dieser Analyse in den westlichen Bundesstaaten neben Baden-Württemberg und Bayern in Hessen, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein werden. Ausnahmen sind Bremen und das Saarland, wo die Linke mehr Stimmen erhalten könnte, in Berlin wählen mit 19 Prozent mehr die Linke, aber auch käme die AfD auf 15 Prozent, während für die Grünen nur gerade einmal 8 Prozent stimmen würden. (Florian Rötzer)

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