AfD will "volksfeindliche" Medien und Deutschland "rocken"

Bild: YouWatch/CC BY-SA-2.0

Geleakte Chat-Inhalte der AfD in Sachsen-Anhalt zeigen auch die Radikalität der Partei. Immunität von Petry soll aufgehoben werden

Ist die AfD eine Partei oder sind Teile davon eine Bürgerwehr? Chat-Protokolle aus Sachsen-Anhalt erinnern zuweilen eher an letztgenanntes. Daran ändert auch die Selbstvermarktung der eher spießbürglichen Partei, wonach sie "Deutschland rocken" will, nichts.

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Teile der AfD träumen davon, nach der Machtübernahme ähnlich rigoros gegen Medien vorzugehen wie Erdogan. Also kein Rock'n'Roll, sondern ein nationalistischer Sturmtrupp. Statt Jagger, Scott oder Cobain nur Gauland und Höcke. Wie ein kleines bisschen Rebellion wirkt es da fast schon, wenn die Staatsanwaltschaft gegen Petry wegen Falschaussage ermitteln will.

Montag, 8 Minuten nach Mitternacht, erneut sorgt dass linksradikale Mediennetzwerk "Linksunten.Indymedia" für Aufsehen. Auf dem Portal, das eher dank der Texte linker bis linksextremer Gruppen und Bekennerschreiben zu Anschlägen aufgefallen ist, erscheinen neben der Überschrift ein Bildchen und nur anderthalb selbst geschriebene Sätze: "Wir veröffentlichen hier das Protokoll der Whatsapp-Gruppe der AfD Sachsen-Anhalt von Februar bis Mai 2017. Viel Spaß damit!" Dazu eine Textdatei verlinkt, inklusive Rufnummern, Klar- oder Nutzernamen sowie manchmal selbst eingestreuten biografischen Daten der Personen.

Wer das alles lesen will, braucht Zeit, denn die Textmasse ist fast eine Million Zeichen schwer. In dem Chat haben Funktionäre aus Fraktion und Landesvorstand, aber auch einfache Mitglieder und Unterstützer der Partei sich ausgetauscht.

Auffallend ist, dass AfD-Vertreter die Authentizität des Datensatzes bestätigen. Landeschef Poggenburg dementierte gegenüber dem WDR bestimmte Inhalte aus den Chat-Protokollen nicht. Angelegt hat die Gruppe der AfD-Landtagsabgeordnete und Bundestagskandidat Andreas Mrosek aus Dessau. Das bestätigte er unter anderem gegenüber der "Westfälischen Rundschau". Ausgeschlossen sei indes nicht, sagte Mrosek, dass einzelne Passagen verändert worden sein könnten. Es gebe einen oder mehrere Maulwürfe.

Seit der Abwahl Luckes im Jahre 2015 hat sich die AfD politisch immer weiter nach rechtsaußen bewegt und radikalisiert. Der Parteinachwuchs und völkisch-nationalistische bis radikal rechte Burschenschafter haben seit rund zwei Jahren eifrig daran mitgewirkt, eine Art deutsche FPÖ aufzubauen. Der ehemalige NPD-Chef Holger Apfel wollte seinerzeit die NPD mit seiner "seriösen Radikalität" zur FPÖ umformen, scheiterte aber und sagte kürzlich in einem Interview: "Die AfD fährt zur Ernte ein, was die NPD gesät hat."

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