Afghanistan: Mehr als 60.000 Taliban-Kämpfer

Foto der Taliban mit der Bildunterschrift: "Insider Mujahidin eagerly awaiting for fresh foreign invaders".

Allein die USA haben weit mehr als eine Billion US-Dollar in den Krieg gegen die Taliban investiert, der längste Krieg der USA hat die Macht der Taliban verstärkt und zu einem Rekordanbau von Opium geführt

Über den längsten und auf Pump finanzierten Krieg der USA hat US-Präsident in seiner ersten Rede an die Nation kaum ein Wort verloren. 17 Jahre sind nun amerikanische Soldaten ebenso wie die Bundeswehr und Truppen anderer Staaten in Afghanistan. Über eine Billion US-Dollar hat dem amerikanischen Steuerzahler der Krieg in Afghanistan gekostet, wahrscheinlich deutlich mehr.

Anstatt die Taliban zu stärken, den auf Rekordhöhe gestiegenen Opiumanbau zu fördern und korrupte, mit Warlords verbundene Regierungen und Behörden zu unterstützen (Regierungsinterne Machtkämpfe in Afghanistan), hätte man mit einem Marshall-Plan aus Afghanistan ein blühendes Land machen können. Seit 2002 haben die USA mit 122 Milliarden US-Dollar gegenüber den Militärausgaben nur einen Bruchteil der Ausgaben für "Hilfe und Wiederaufbau" ausgegeben, darunter mehr als 8 Milliarden für den Kampf gegen den Opiumanbau. Der größte Batzen war mit 75 Milliarden für "Sicherheit", davon 18 Milliarden für den Afghanistan Security Forces Fund (ASFF), für "zivile Operationen" waren es 10 Milliarden, für humanitäre Zwecke 4 Milliarden. Das BIP Afghanistans, eines der ärmsten Länder der Welt, liegt bei gerade einmal 21 Milliarden US-Dollar.

Nach dem letzten, am 30. Januar veröffentlichten SIGAR-Bericht (Special Investigator General for Afghan Reconstruction) sieht es nicht zum Besten aus. 64 Prozent der Bevölkerung sollen - Stand November 2017 - nach General John W. Nicholson Jr., dem Kommandierenden US-Streitkräfte in Afghanistan, "unter Kontrolle oder Einfluss" der Regierung stehen. Das ist schon vorsichtig formuliert und weist darauf hin, dass selbst nach Angaben des US-Militärs über ein Drittel der Bevölkerung in Gebieten außerhalb des Regierungseinflusses lebt (24 Prozent in umkämpften Gebieten, 12 Prozent in von den Taliban kontrollierten Gebieten). Angestrebt werde, dass in den nächsten zwei Jahren 80 Prozent unter Kontrolle oder Einfluss der Regierung stehen.

Der General erzählt wohl eher alternative Fakten, wenn er behauptet, dass die afghanischen Sicherheitskräfte (ANDSF) "zunehmend in der Offensive" seien. Die von Trump "erweiterten Befugnisse" des US-Militärs haben zu einer erheblichen Zunahme der Spezialeinsätze und Luftangriffe geführt. So seien dreimal so viele Bomben wie 2016 abgeworfen worden. Da die Spezialeinsätze und Bombardierungen sich mitunter auch gegen Zivilisten richten, kann man so auch die Menschen den Taliban in die Hände treiben. Auf die größere Härte scheint jedenfalls Donald Trump stolz zu sein. Die einzige Erwähnung Afghanistans in der Rede zur Nation: "Unsere Kämpfer in Afghanistan haben neue Einsatzregeln. Zusammen mit seinen heroischen afghanischen Partnern wird unser Militär nicht mehr von künstlichen Zeitvorgaben untergraben, und wir sagen unseren Feinden nicht mehr unsere Pläne." So viel also zur Afghanistan-Strategie.

Wie schon darauf hingewiesen (Afghanistan: Taliban kontrollieren mehr und mehr Territorium), haben die Taliban nicht nur die Zahl der Angriffe und Anschläge vermehrt, sondern es nimmt auch ihre Präsenz und sogar Kontrolle wieder zu. Fast die Hälfte der Distrikte soll schon nicht mehr von der Regierung kontrolliert werden. Und dazu kommt, dass sich den Taliban auch immer mehr Kämpfer anzuschließen scheinen. Militärs schätzen die Zahl der Taliban-Kämpfer auf mindestens 60.000, manche gehen von deutlich mehr aus, Bill Roggia vom Long War Journal meint, es könnten auch doppelt so viele sein. 2014 wurde angenommen, es seien um die 20.000.

Zwar sind die afghanischen Truppen mit der Unterstützung des US-Militärs aktiv, oft scheinen die Erfolge, sofern es welche gibt, ziemlich kurzfristig zu sein. So berichtete die Nato-Mission am 25. Januar von einer erfolgreichen Operation nördlich von Kundus. Es seien 87 Talibankämpfer getötet (removed"), 39 Sprengfallen zerstört, vier Lagerorte mit Sprengfallen und mehr als 30 Minen beschlagnahmt und 250 kg selbst gemachter Sprengstoff gesprengt worden. Nach dem Bericht eines Einheimischen haben die Taliban aber das Gebiet schnell wieder eingenommen. Zudem seien Häuser von Einheimischen durch die Angriffe und Luftschläge zerstört worden.

Seit 2014 ist auch der Islamische Staat in Afghanistan aktiv. Ihm haben sich auch Taliban-Kämpfer angeschlossen. Nach Berichten sollen nach der Niederlage des IS in Syrien und im Irak vermehrt Kämpfer nach Afghanistan kommen.

Seit 2016 haben die Anbauflächen von Opium um 63 Prozent zugenommen, die Produktion hat sich mit 87 Prozent fast verdoppelt. 9000 Tonnen wurden 2017 nach UN-Schätzungen hergestellt. Nach UN-Informationen wird nur noch in 10 Provinzen kein Opium angebaut. (Florian Rötzer)

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