Afghanistan: Opiumprodukte weiterhin Exportgut Nummer 1

Feld mit Schlafmohn, Gostan Tal, Provinz Nimruz. Bild: United States Marine Corps / gemeinfrei

Die illegale Wirtschaft übersteigt den Anteil der gesamten legalen Exporte am BIP

Afghanistan bleibt weltführend in der Opiumproduktion. Seit 10 Jahren steigt der Anbau, während die Vernichtung von Mohnfeldern zurückgefahren worden ist, was mit dem Abrutschen des Landes in größere Armut einhergeht, so Jelena Bjelica, eine Autorin des Afghan Analysts Network. Ihrem Artikel liegt der 65 Seiten starke Bericht der UN-Behörde für Drogen - und Verbrechensbekämpfung (UNODC) von 2016 zugrunde.

Ein paar Beobachtungen sind bemerkenswert. Dass Afghanistan für 90 Prozent der weltweiten Opiumproduktion verantwortlich ist, ist seit Jahren bekannt. Laut der UN-Behörde wurde 2016 nach einem kurzen Rückgang im vorhergehenden Jahr auf einer Fläche von 201.000 Hektar Schlafmohn angebaut. Damit gehöre das Jahr 2016 zusammen mit 2014 (224.000 Hektar ) und 2009 (209.000 Hektar) zu den drei Jahren mit den größten registrierten Nutzflächen für diese Art der Landwirtschaft.

Beachtlich ist, dass laut UNODC sich der Wert der afghanischen Opiumwirtschaft, wozu neben dem Anbau auch die Produktion und der Handel gehört, 2016 gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt hat. Er wird auf über drei Milliarden US-Dollar geschätzt. Laut Angaben des Statistischen Amtes der afghanischen Regierung beträgt er etwa 16 Prozent des Bruttoinlandprodukts und übersteigt den Anteil der legalen Exporte am BIP, die einen Anteil von etwa 7 Prozent haben.

Der wirtschaftliche Wert der Landwirtschaft, die mit dem Drogenanbau verbunden ist, beträgt zwei Drittel des gesamten landwirtschaftlichen Sektors in Afghanistan. Den deutlichen Anstieg des Wertes des "Opiat-Sektors" erklärt das UN-Büro zum einen mit dem Anstieg der Produktion um 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum anderen mit dem Anstieg der Heroin-Preise jenseits der afghanischen Grenzen. Zwar sei die Fläche, die zum Mohnanbau verwendet wurde, nur um 10 Prozent größer als im Vorjahr, aber der Bruttowert dieser schattenwirtschaftlichen Aktivität sei im Vergleich zum Vorjahr sehr viel stärker gestiegen.

Afghanistan kannte aber in der Vergangenheit bereits Jahre, in denen das mit Opium verbundene Geschäft sogar beinahe die Hälft des BIP ausmachte, so etwa zwischen 2003 und 2007. Dass der Anteil der Drogenwirtschaft seither gesunken ist, hänge damit zusammen, dass das afghanische BIP mittlerweile größer geworden ist und nicht mit einer Reduktion der Opium-Wirtschaft. Deren Bruttowert wird seit längerem bei etwa 2 Milliarden angegeben. Die relativ stabilen jährlichen Gewinne seit den letzten 15 Jahren würden zeigen, dass es sich hier um einen etablierten Wirtschaftszweig handele, so Bjelica.

Von den Programmen, welche die Bauern dazu überreden sollten, den Mohnanbau zu lassen und stattdessen auf andere landwirtschaftliche Nutzung ihrer Böden umzusteigen, war schon lange nicht mehr die Rede in der Berichterstattung über Afghanistan. In der Analyse von Bjelica heißt es, dass ein großer Teil der ländlichen Bevölkerung in den Anbau von Schlafmohn verwickelt ist. In der Provinz Helmand sollen es sogar 90 Prozent sein, die Flächen zum Mohnanbau betragen dort etwa 20 Prozent der gesamten landwirtschaftlich nutzbaren Fläche.

Die "Opium-Bauern" haben mehr Bargeld-Einkommen als die anderen Bauern; Geld, das über den Opium-Anbau hereinkomme, mache bei ihnen durchschnittlich etwa 60 Prozent des jährlichen Haushaltseinkommens aus. Das meiste Geld werde aber für den Grundbedarf benötigt, zum Investieren in Bildung oder eine andere Art der Landwirtschaft reicht es selten. Die großen Profite des Geschäfts, mehr als zwei Drittel des gesamten Bruttowertes geht an die Produktion und vor allem in den Handel, den Export. Davon aber habe der afghanische Staat nichts. Zudem sei diese Art der landwirtschaftlichen Nutzung langfristig schlecht für die Böden.

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