Afrika verdorrt

Ostafrika hungert wegen andauernder Trockenheit und Prognosen sagen Dürre für den ganzen Kontinent voraus

In Ostafrika herrscht die größte Trockenheit seit Jahrzehnten. Millionen von Menschen sind akut vom Hungertod bedroht. Im Süden Äthiopiens, in Nord-Kenia und Teilen Somalias haben viele Familien bereits ihre Lebensgrundlagen verloren und sich auf den Weg gemacht, um fernab ihrer angestammten Heimat, Wasser und Nahrung zu finden. Die Welt muss dringend humanitäre Hilfe leisten. Aber langfristig können auch noch so gut gemeinte Lebensmittelspenden nicht die Lösung sein. Wissenschafter sagen dem afrikanischen Kontinent eine trockene Zukunft voraus.

Im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlichen Maarten de Wit und Jacek Stankiewicz vom AEON (Africa Earth Observatory Network) der University of Cape Town in Südafrika ihre Studie über die Auswirkungen der globalen Klimaerwärmung auf die Wasserversorgung in Afrika (Changes in Surface Water Supply Across Africa with Predicted Climate Change).

Karte der Flusseinzugsgebiete Afrikas, eine von AEON schematisierte Darstellung auf Basis der Daten von 2 Millionen Kilometern Flusswegen quer durch den Kontinent. (Bild: Science)

Die Forscher verwendeten topografische Karten von verschiedenen Katasterämtern afrikanischer Staaten und gaben die Daten über die Wasserläufe und Seen in den Computer ein. Sie erstellten so digitalisierte Überblickskarten, in denen ungefähr zwei Millionen Kilometer Flusswege erfasst wurden. Zusätzlich nahmen de Wit und Stankiewicz Angaben über die saisonalen Regenfälle, Temperaturen und andere Klimadaten in ihre Datenbank auf. Um den Einfluss der Niederschlagsmenge auf Dürre-Szenarien genauer analysieren zu können, teilten sie den Kontinent in Blöcke von jeweils ca. 1.000.000 Quadratkilometern auf und untersuchten dann jedes der sich daraus ergebenden 37 Rechtecke gesondert.

Durch die globale Erwärmung ändert sich das Klima überall auf der Welt (Hitzerekorde, Dürre, abschmelzende Eisdecken). Verschiedene Szenarien werden seit Jahren durchgespielt und Experten sagen dem afrikanischen Kontinent zunehmend große Probleme mit Trockenheit voraus (Klimatische Warnsignale). Die beiden südafrikanischen Wissenschaftler untermauern diese Prognose nun erneut mit fundierten Fakten. Wenn sich die Erde durch die Treibhausgase weiterhin so erwärmt wie bisher – wovon die meisten Experten inzwischen ausgehen – dann wird die Niederschlagsmenge südlich der Sahara gewaltig abnehmen. Klimaforscher gehen davon aus, dass es bis 2050 um zehn Prozent weniger Regenfälle geben könnte, wobei einige Regionen besonders intensiv betroffen würden.

Ein Junge in Somalia, einem der von der anhaltenden Dürre betroffenen Land (Bild: UNICEF)

De Wit und Stankiewicz gingen sehr differenziert an die potenziellen Auswirkungen heran, aber dennoch kommen sie zu dem verheerenden Schluss, dass voraussichtlich am Ende dieses Jahrhunderts ein Viertel Afrikas mit einem ernsthaften Wassermangel zurechtkommen muss. Flüsse und Seen werden wesentlich weniger Wasser führen oder sogar komplett austrocknen. Besonders betroffen von der Knappheit an lebensnotwendigem Nass werden wahrscheinlich die dicht besiedelten Gebiete Süd- und Westafrikas sein. Auch der Maghreb wird schwer zu leiden haben. Der größte Fluss Südafrikas, der Orange River, der zugleich der fünftgrößte Strom des Kontinents ist, könnte zu einem Rinnsal verkümmern. Betroffen werden auch das Nilbecken, der Tschad-See der seit 1963 bereits auf ein Zehntel seines Umfangs geschrumpft ist, und der Fluss Niger sein. Relativ positiv sehen die südafrikanischen Wissenschaftler die Zukunft Ostafrikas – gute Nachrichten für die Region, die aktuell von einer entsetzlichen Dürre heimgesucht wird.

Die großen Hilfsorganisationen rufen zu Spenden auf, den Ostafrika verdurstet (Hungernde in Ostafrika brauchen dringend Hilfe). In einigen Gebieten hat es seit Jahren nicht geregnet. Gründe für den Hunger sind aber auch kriegerische Auseinandersetzungen, Aids, Misswirtschaft, Korruption und ökologischer Raubbau. Nach Angaben der Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen (FAO) sind akut 2,5 Millionen Kenianer, 2 Millionen Somalier, eine Million Äthiopier und 150.000 Menschen in Dschibuti am Verhungern. Dazu kommen fast noch einmal so viele Menschen, die dringend Lebensmittel benötigen, um nicht bald in die gleiche Notsituation zu geraten.

Nach Schätzungen der UNICEF sind gegenwärtig am Horn von Afrika rund 1,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren durch die extreme Dürre und Nahrungsmangel bedroht. Ganze Familien brechen auf und begeben sich auf die Suche nach Wasser und Lebensmitteln, weil der Boden in ihren Dörfern nichts mehr hergibt.

In Kenia haben die Viehzüchter bereits ein Drittel ihrer Herden verloren. Völlig verzweifelt treiben sie ihre Rinder inzwischen in die Nationalparks, wo sie als mögliche Infektionsträger eine Bedrohung der wilden Tiere darstellen. Mindestens 60 Flusspferde sind bereits verendet, weil ihre Schlammlöcher austrocknen, und in Somalia sollen Affenherden in jüngster Zeit sogar Wassertankwagen und Obstlaster angegriffen haben (Tod durch Dürre in Afrikas Nationalparks und People, Animals in Fierce Contest for Water in Somalia). Mit Niederschlägen in der Region wird frühestens Ende März gerechnet – dann beginnt die Regenzeit, die allerdings auch dieses Jahr wieder ausbleiben könnte. (Andrea Naica-Loebell)

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