Afrikanische Schweinepest ist die neue Vogelgrippe

Wildschwein, aufgenommen im Wildpark Alte Fasanerie Klein-Auheim. Foto: 4028mdk09 (via Wikimedia-Commons). Lizenz: CC BY-SA 3.0

Jäger und Bauern streiten um Bachenabschuss und Saufänge

Die Afrikanische Schweinepest kommt - wie schon der Name andeutet - aus Afrika. An diesem Fieber, das sowohl Wild- als auch Hausschweine (aber keine Menschen), befallen kann, sterben 90 Prozent der erkrankten Tiere. 2007 trat die Seuche in Georgien auf und breitete sich von dort aus über Russland und andere ehemalige Sowjetrepubliken inzwischen bis nach Polen und Tschechien aus. Im Bundeslandwirtschaftsministerium spricht man deshalb von einem "hohen Infektionsdruck" auf Deutschland, das lange und häufig bewaldete Grenzen mit beiden Ländern hat.

Tritt die Afrikanische Schweinepest in einem Betrieb auf, muss sofort der gesamte Bestand gekeult und vernichtet werden. Impfstoffe gibt es bislang nämlich ebenso wenig wie wirksame Arzneimittel. Bernhard Krüsken, der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, warnt deshalb vor drohenden Schäden in zweistelliger Milliardenhöhe, zu denen auch Exporteinbußen und ein daraus resultierender Preisverfall beitragen würden. Das könnte viele Betriebe die Existenz kosten.

Werner Schwarz, der Vizepräsident des Bauernverbandes, fordert deshalb ein Dezimieren des bereits vorher als problematisch hoch empfundenen Wildschweinbestandes um etwa 70 Prozent. Auch das in Deutschland für Tierseuchen zuständige Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hält zur Verringerung des Risikos eine drastische Verringerung des Schwarzwildbestandes für sinnvoll.

Dass es in Deutschland sehr viel mehr Wildschweine gibt als sich die Landwirte wünschen, hängt den Jagdverbänden nach damit zusammen, dass die Kosten eines Wildschweinabschusses angeblich höher sind als der Erlös, der sich mit dem Fleisch erzielen lässt. In diesem Zusammenhang beklagen die Jäger unter anderem die vorgeschriebene Trichinenuntersuchung, die mit fünf bis 30 Euro pro Tier zu Buche schlägt, die Untersuchung auf Cäsium-137 und die aufwendige Verkehrssicherung bei Drückjagden mit Treibern.

Mehrere Bundesländer zahlen ihren Jägern deshalb Prämien für den Abschuss. In Mecklenburg-Vorpommern, wo ein Jäger pro Wildschweinen 25 Euro bekommt, hat man dafür zwei Millionen Euro reserviert, in Bayern 1,5 Millionen und in Niedersachsen (wo zusätzlich die Schonzeit aufgehoben wurde) 3,5 Millionen. Bauernvertreter glauben jedoch nicht, dass diese Maßnahmen ausreichen, und verweisen in diesem Zusammenhang auf eine im Sommer veröffentlichte Studie des Löffler-Instituts. Sie verlangen deshalb die generelle Wiederzulassung von Saufängen, bei denen die Tiere erst in Kastenfallen gelockt und dann geschossen werden.

Jägervertreter halten das für unsportlich und kritisieren, dass die Wildschweine in der Zeit, bis der Jäger kommt, unnötig lange leiden würden. Bauern halten dem entgegen, dass eine Wildsau noch sehr viel mehr und länger leidet, wenn sie an der Afrikanischen Schweinepest krepiert. Zudem lassen sich mittels elektronischer Signalgebung die Wartezeiten heute sehr kurz halten. Auch bezüglich des Abschusses von Bachen mit Frischlingen, mit der man Bestände deutlich effektiver reduzieren könnte als mit der bloßen Jagd auf Keiler, haben Jäger und Bauern unterschiedliche Meinungen.

Jägervertreter glauben zudem, dass an der Afrikanischen Schweinepest erkrankte Wildschweine zu erschöpft seien, um längere Strecken zurückzulegen. Sie meinen, dass die Ausbreitung der Seuche weniger über wandernde Tiere als über Rohwurst- und Fleischtransporte und an den Fernstraßen weggeworfene Lebensmittelreste verbreitet, über die das heimische Schwarzwild nachts herfällt. Die stärkere Kontrolle der Grenzen, die sie deshalb fordern, wird auch von Bauernvertretern befürwortet.

Wildschweinfleisch schmeckt etwas aromatischer und ist meist magerer als Zuchtschweinefleisch, stößt seit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl aber bei vielen Verbrauchern auf Vorbehalte, weil sie eine Belastung durch Cäsium-137 fürchten. Das radioaktive Isotop hat eine Halbwertszeit von 30 Jahren und reichert sich in den bei Wildschweinen beliebten Hirschtrüffeln an. Untersuchungen sorgen jedoch dafür, dass Wildbret mit über 600 Becquerel pro Kilo in Deutschland nicht auf den Tisch kommen kann.

In Supermärkten ist Wildschweinfleisch selten erhältlich - dafür gibt es Online-Übersichten mit Metzgereien und anderen regionalen Bezugsquellen. Zubereitet werden kann es im Grunde ebenso wie das von Zuchtschweinen: Als Braten, als Schnitzel, als Gulasch oder als Wurst. Möglich, aber nichts für unerfahrene Köche, ist auch das Braten einer ganzen Wildsau am Spieß, wie es in den Asterix-Comics dargestellt wird. (Peter Mühlbauer)

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