Afrikanischer Präsident als "Rassist des Jahres" ausgezeichnet

Buschleute im Deception Valley. Foto: Ian Sewel (Isewell). Lizenz: CC BY-SA 2.5

Survival International kritisiert Ian Khama wegen des Umgangs mit Buschleuten in Botswana

Die Organisation Survival International, die sich um kleine Völker sorgt, verleiht jedes Jahr den Negativpreis "Rassist des Jahres". Dieses Jahr geht er an Ian Khama. Der Sohn eines Tswana-Häuptlings und der Tochter einer englischen Teehändlers wurde 2009 Präsident von Botswana und 2014 wiedergewählt. Zur Begründung führt Survival International an, Khama habe die Minderheit der San (Buschleute) "herabwürdigend beschrieben" weil er meinte, sie führten, ein "primitives Leben voller Entbehrungen", ein "urzeitliches Leben einer vergangenen Ära" und "eine sehr rückständige Form des Lebens".

Zieht man in Betracht, dass Buschleute traditionell Jäger und Sammler sind, die - zum Beispiel zum Feuermachen - technisch weniger entwickelte Hilfsmittel einsetzen, wirkt die Aufregung um diese Formulierungen etwas inflationär. Tatsächlich deuten die weiteren Ausführungen von Survival International darauf hin, dass es der Organisation vor allem um Aufmerksamkeit für die Umsiedlungen von Buschleuten aus der Kalahari geht, die zwischen 1997 und 2005 stattfanden und mit Artenschutz für Tiere und einer Verbesserung der Lebensverhältnisse der San begründet wurden, bis ein Gericht 2006 die Maßnahmen stoppte.

Dieses Urteil versuchte die Regierung zu umgehen, indem sie den Buschleuten die Nutzung von Wasserstellen in solchen Gebieten verbot, bis ein Gericht 2011 auch diese Umgehung untersagte. Heute setzt sie unter anderem Hubschrauber, Warnschüsse und die Justiz ein, um die ungenehmigte Jagd auf wilde Tiere zu unterbinden, was Survival International für unangemessen hält.

Obwohl sie auf einer relativ großen (aber sehr trockenen) Landfläche umherstreifen, stellen San nur etwa dreieinhalb Prozent der Einwohner Botswanas. Das Bantu-Staatsvolk der Tswana, das sich nicht nur sprachlich, sondern auch in der Physiognomie deutlich von ihnen unterscheidet, stellt drei Viertel der Bevölkerung, konzentriert sich aber vor allem auf den landwirtschaftlich besser nutzbaren Südosten des Landes.

Im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten hat das Land seit der Unabhängigkeit vor heute genau 50 Jahren eine relative Erfolgsgeschichte hinter sich: 96 Prozent der Kinder besuchen heute auch ohne Schulpflicht mindestens eine Grundschule. Die, die das nicht tun, sind häufig die Nachkommen von umherstreifenden San. Deren Wünsche werden als einer der Gründe angeführt, warum man keine Schulpflicht einführt. Außerhalb von Siedlungen haben sie auch kaum Zugang zur Gesundheitsversorgung, auf die dafür sorgt, dass Botswana heute eine niedrigere Säuglingssterblichkeit aufweist als beispielsweise Rumänien oder Bulgarien.

Die Fortschritte in Bildung und Gesundheit konnten finanziert werden, weil das mit reichen Diamantvorkommen gesegnete Land lange ein Wirtschaftswachstum von fast zehn Prozent verbuchte. Heute liegt es bei etwa fünf Prozent - und der Tourismus gewinnt gegenüber dem Diamantenabbau zunehmend an Bedeutung. Aus diesem Grund gibt sich die Regierung besorgt, dass mit einer Verminderung des Wildbestandes auch der Anreiz für Touristen zurückgehen könnte.

Außer Khama waren für den Negativpreis der australische Karikaturist Bill Leak, der indische Filmemacher Gurmeet Ram Rahim Singh, und die Organisatoren der Paralympischen Spiele 2016 nominiert. Leak hatte eine Karikatur gezeichnet, in der ein Polizist einem Vater einen Jungen übergibt und meint "You‘ll have to sit down an talk to your son about personal responsibility" - worauf hin der Vater, der eine Bierdose in der Hand hält, entgegnet: "Yeah, righto, what‘s his name then?" Alle Beteiligten in der Zeichnung (einschließlich des Polizisten) sind Aborigines - und der Australier lehnte es ab, sich für seine Zeichnung zu entschuldigen. In seiner Heimat hatten Fälle Schlagzeilen gemacht, in denen sich Aborigine-Eltern dem Rauschmittelkonsum hingaben und auf Verwarnungen hin meinten, für ihre Kinder seien nicht sie verantwortlich, sondern der Staat.

Singh wurde für seinen Film MSG-2 the Messenger nominiert, der Adivasi zwar nicht so darstellt, wie Survival International sich das wünscht, aber für deren Integration in die "Mainstream-Gesellschaft" plädiert. Die Paralympics-Organisatoren machten nach Ansicht der Organisation den Fehler, sich für das Muwaji-Gesetz auszusprechen, das Kindstötungen bei brasilianischen Indianern verhindern soll, indem es Familienmitglieder zur Anzeige von Schwangerschaften in "Gefahrensituationen" verpflichtet. Survival International vermutet, hinter dem Gesetz stünden "evangelikale Missionare", die "indigene Familien trennen wollen".

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