Air Berlin: Chefgehaltssicherung über unwiderrufliche Bankgarantie

Foto: Maarten Visser from Capelle aan den IJssel, Nederland. Lizenz: CC BY-SA 2.0

Während etwa 200.000 Kunden auf wertlosen Tickets sitzenbleiben, kassiert der Manager bis 2021 viereinhalb Millionen Euro

Etwa 200.000 Kunden, die bei Air Berlin einen Flug buchten, sitzen nun auf wertlosen Tickets, für die sie teilweise viel Geld bezahlt haben. Den Schaden müssen sie selbst tragen. Noch schlechter ergeht es etwa 5.000 einfachen Air-Berlin-Angestellten, die nicht zu den 3.000 gehören, welche von der Lufthansa übernommen werden. Sie müssen auf Easy Jet hoffen oder sich nach einen neuen Arbeitgeber umsehen.

Nach bisherigem Kenntnisstand bekommt nur ein einziger Air-Berlin-Mitarbeiter sein Gehalt bis 2021 ausbezahlt: Der Chef Thomas Winkelmann, der seinen Job erst im Februar antrat. Er ließ sich dieses Gehalt über eine unwiderrufliche Bankgarantie in Höhe von viereinhalb Millionen Euro garantieren. Diese Summe setzt sich aus einem jährlichen Grundgehalt in Höhe von 950.000 Euro, einem Bonus in Höhe von von 400.000 Euro und einer Pensionsanspruchsabgeltung in Höhe von 300.000 Euro zusammen. Damit kann sich der dann 61-Jährige sorgenlos auf den Ruhestand freuen.

In der auf den Seiten 75 und 76 des Air-Berlin-Jahresabschlusses dokumentierten Vereinbarung zwischen dem Manager und dem Unternehmen heißt es wörtlich:

Im Falle einer ordentlichen Kündigung des Dienstvertrages durch die Gesellschaft mit Wirkung vor dem 31. Januar 2021 hat Herr Winkelmann Anspruch auf eine Abfindungszahlung in Höhe seines vertraglichen Grundgehalts, das er für den Zeitraum von dem Wirksamwerden der Kündigung bis zum 31. Januar 2021 ansonsten erhalten würde. […] Um die Zahlungsverpflichtungen der Gesellschaft aus dem Dienstvertrag bis zum 31. Januar 2021 abzusichern, wurde eine unwiderrufliche Bankgarantie in Höhe von bis zu 4,5 Millionen Euro zugunsten von Herrn Winkelmann ausgestellt.

Dass die anderen Verantwortlichen der Fluggesellschaft so einen Vertrag genehmigten, erklären sie im Geschäftsbericht wie folgt:

Der Vergütungsausschuss hat bei der Festsetzung des Vergütungspakets für Herrn Winkelmann seinen Ermessensspielraum ausgenutzt und ist - aufgrund der außergewöhnlichen und unerwarteten Umstände im Vorfeld der Vereinbarung des Vergütungspakets für Herrn Winkelmann - von der Vergütungsrichtlinie abgewichen, [nachdem er] das Interesse der Gesellschaft, Herrn Winkelmann in dieser kritischen Zeit zu gewinnen, mit dem Ziel, Misserfolg nicht zu belohnen, abgewogen [hat].

Der Wirtschaftsblogger Norbert Häring meinte dazu auf Twitter:

Riecht irgendwie nach Untreue, wenn man einen CEO einstellt, der sich nicht zutraut, Konkurs abzuwenden.

Ungefähr sechs Monate nach Winkelmanns Einstellung meldete Air Berlin dann auch Insolvenz an. Den Weiterbetrieb bis Ende Oktober verdankt die Linie lediglich 150 Millionen Euro Steuergeld. Dass kurz nach der Insolvenzverkündung Bundestagswahlen anstanden, dürfte die Bereitschaft der Bundesregierung, diese Summe sofort bereitzustellen, nicht unbedingt gemindert haben. Dabei hätte die Politik (die sich nach dem öffentlichen Bekanntwerden von Winckelmanns Ansprüchen offiziell entsetzt gibt) "für den Notkredit im Gegenzug auf einen teilweisen Verzicht des Firmenchefs drängen können", wie der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) auffiel.

Einen anderen Fall, in dem ein umstrittenes Verhalten eines Managers mit einer noch höheren Summe belohnt wurde, haben gerade die französische Internetzeitung Mediapart und der Spiegel aufgedeckt: Er betrifft 80 Millionen Euro, die der staatsnahe Raum- und Luftfahrtkonzern Airbus seinem ehemaligen Vertriebsmanager Jean-Paul Gut zum Abschied gewährte.

Gut, der sich selbst auf LinkedIn als Mann "von großer Diskretion" schilderte, hatte Produkte des Konzerns vor allem in arabische Länder recht erfolgreich verkauft - alleine an Qatar Airways 80 Passagiermaschinen vom Typ A350, die 16 Milliarden Dollar kosteten. Und er hatte Kontakt zu mindestens einem Araber, auf dessen Briefkastenfirmenkonto in Panama eine Millionenzahlung von Airbus landete. Als man sich 2007 von ihm trennte, hieß es, Gut erhalte lediglich eine Abfindung in Höhe von 2,8 Millionen Euro und behalte nicht weiter bezifferte Pensionsansprüche.

Vermutungen, dass die Abfindung tatsächlich höher sein könnte, wiesen der Manager und der Konzern damals zurück. Französische Korruptionsfahnder, auf deren Informationen sich Mediapart und der Spiegel stützen, sollen nun jedoch herausgefunden haben, dass 80 Millionen Euro aus einem Beratervertrag flossen, den das Unternehmen in seinem Geschäftsbericht 2007 ohne Summe nannte und im Jahr darauf in folgendem Satz versteckte: "Die Zugänge der sonstigen immateriellen Vermögenswerte im Geschäftsjahr enthalten in Höhe von 86 Millionen Euro den Kauf von Rechten, die vorher in einer Dienstleistungsvereinbarung enthalten waren." Weder Gut noch Airbus wollen sich zu diesem Vorwurf bislang äußern. Der Konzern verweist dabei auf "laufende Ermittlungsverfahren in Frankreich und Großbritannien". (Peter Mühlbauer)

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