Airbus will A380-Staatskredite nicht zurückzahlen

Airbus A380. Foto: Xeper aus der deutschsprachigen Wikipedia. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Über 600 Millionen Euro Schaden alleine für deutsche Steuerzahler

Am 13. Februar gab der aus Messerschmitt, Focke-Wulf und mehreren anderen Flugzeugherstellern entstandene Airbus-Konzern bekannt, dass er das 2007 fertig entwickelte Großraumpassagierflugzeug A380 ab 2021 nicht mehr herstellen will. Grund dafür sei mangelnde Nachfrage (vgl. Vom Massentransport zur Individualluftfahrt). Wie gestern bekannt wurde, sollen die Folgen daraus nicht nur Aktionäre tragen, sondern auch Steuerzahler.

Das deutsche Bundeswirtschaftsministerium teilte nämlich auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hin mit, dass von den für den A380 gewährten Staatskrediten in Höhe von insgesamt 942 Millionen Euro mehr als 600 Millionen Euro noch nicht zurückbezahlt wurden. Das werde man nun "analysieren" und mit der Firma Airbus "erörtern".

Staatliche "Risikobeteiligung"

Übereinstimmenden Medienberichten nach wird dabei aber nicht viel herauskommen, weil die Bundesregierung Verträge schloss, in denen Airbus eine Rückzahlung der Kredite von der Auslieferungen von A380 abhängig macht. Ein Sprecher von Airbus begründete das dem Handelsblatt gegenüber mit einer "Risikobeteiligung" der Bundesregierung.

Ob sich auch die Regierungen von Frankreich, Spanien und Großbritannien, die ebenfalls A380-Kredite gaben, auf solche Risikobeteiligungen einließen, ist noch unklar. In jedem Fall waren die Kredite für Airbus so auffällig vorteilhaft gestaltet, dass die Welthandelsorganisation WTO diese "Produktionsanschubfinanzierungen" im letzten Jahr als eine unzulässige Wettbewerbsverzerrung gegenüber dem amerikanischen Konkurrenten Boeing einstufte (vgl. WTO: Subventionen für Airbus A350 und A380 waren unzulässig).

A350-2000 als Nachfolger?

Das Ende des A380 könnte den Analysten von Leeham News nach die Wiederaufnahme eines anderen Projekts zur Folge haben, das das Airbus-Management eigentlich schon beerdigt hatte: Die Weiterentwicklung des A350-1000 zum A350-2000. Der könnte dann als Variante des A350 Neo (für den das Unternehmen gerade Designer und Ingenieure sucht) 410 Passagiere fassen und damit den Boeing-Modellen 777-300 ER, 777-9, 777-10 und 777X Konkurrenz machen. Eine Konkurrenz, die der A380 nun nicht mehr sein wird. Außer zusätzlichen Sitzen sollte diese Weiterentwicklung auch ein neues von Rolls Royce entwickeltes Trent XWB-Ultrafan-Triebwerk bekommen, das nicht vor 2025 fertig wird - also frühestens vier Jahre nach der Auslieferung des letzten A380. Den bestellten in der Vergangenheit nach der staatlichen Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate (132) und Singapore Airlines (24) vor allem die deutschen Lufthansa, die 14 Stück abnahm. Sie setzt nun auf den 293 oder 319 Passagiere fassenden A350-900, der ihre alten A340-Maschinen ersetze und weniger Kerosin verbrauchen soll.

Zwei Ursachen und eine Nichtursache

Dass Airbus vom A380 nicht mehr als insgesamt 331 Maschinen absetzen konnte, lag auch daran, dass das Unternehmen Liefertermine nicht einhielt. Virgin Atlantic stornierte deshalb die Bestellung von sechs A380. An andere Käufer musste Airbus hohe Vertragsstrafen zahlen, die den vorher bei 250 Exemplaren angesetzten Beginn der Gewinnzone auf 420 Exemplare hochschraubten. Mit den ausgelieferten Flugzeugen scheinen zudem nicht alle Käufer wirklich hundertprozentig zufrieden gewesen zu sein: In jedem Fall verlängere die Leasingverträge für die fünf zuerst gekauften Maschinen entgegen der Erwartungen von Investoren nicht. Zwei davon werden jetzt verschrottet. Auf dem Gebrauchtmarkt", befand der Spiegel am 28. Februar, sind die A380 mit bislang nur einer weiterverleasten Maschine "Ladenhüter".

Daran, dass weniger geflogen würde, kann der mangelnde Absatz des A380 nicht liegen: Zwischen 2013 und 2017 stieg die Zahl der Flüge der International Air Transport Association (IATA) zufolge nämlich von 35,9 Millionen auf fast 42 Millionen. Dass der Komfort bei dieser Art der Fortbewegung nicht unbedingt zugenommen hat, scheint bislang nur wenige potenzielle Passagiere abzuschrecken (vgl. Reisen ist Arbeit). Einer gestern herausgegebenen Warnung der Ferienfluggesellschaft TUI fly nach müssen sie auch im Sommer 2019 mit so vielen Verspätungen und Flugausfällen rechnen wie 2018 (vgl. Sicherheitskontrollchaos am Münchner Flughafen und Alarm an südwestdeutschen Flughäfen), weil es bei wachsendem Luftverkehr "nach wie vor Engpässe bei der Flugsicherung und [...] logistische Schwierigkeiten an den Airports" gibt. Beim Luftfahrtverband BDL sieht man das ähnlich. (Peter Mühlbauer)

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