Aktuell weniger als hundert Mann

Ein Jahr nach dem Start sind die Erfolge des halbmilliardenschweren US-Trainigsprogramms für Anti-IS-Kämpfer überschaubar

Vor einem Jahr verkündete die US-Regierung, dass sie eine halbe Milliarde Dollar bereitgestellt habe, um "moderate" syrische Freiwillige auszubilden und auszurüsten, die am Boden gegen die Terrorgruppe IS kämpfen sollen. Dem Fernsehsender CNN zufolge ist die Zahl der Teilnehmer an diesem Programm auf unter hundert gesunken. Schon im Mai sprach US-Verteidigungsminister Carter von gerade 90 Kämpfern, die ausgebildet würden.

Pentagonsprecher gaben angesichts dieser Meldung zu, dass das Ziel, bis 2017 jährlich 3.000 bis 5.000 "moderate Rebellen" auszubilden, nicht erreicht wird. In welcher Größenordnung man es verfehlt, ließen sie offen. Man habe das Programm aber noch nicht aufgegeben.

Als Gründe für den sehr bedingten Erfolg nennen die US-Militärs unter anderem die körperliche Untauglichkeit vieler Rekruten. Die große Mehrheit der körperlich tauglichen Bewerber zeige außerdem kein Interesse daran, gegen den IS zu kämpfen, sondern wolle lieber die syrische Regierung stürzen. Das wirft die Frage auf, inwieweit es sich beim Rest tatsächlich um "moderate Rebellen" handelt - und nicht um verdeckte Dschihadisten. US-Verteidigungsminister Ashton Carter beantwortete diese Frage bislang nicht direkt, gestand aber öffentlich ein, dass es "sehr schwer" sei, Rekruten zu "identifizieren", die kämpfen könnten und keine ideologische Nähe zum IS aufwiesen.

Dem IS scheinen dagegen eher die Opfer auszugehen als die Kämpfer: Er enthauptete in der Provinz Deir-al-Zohr erstmals Frauen. Vorher war diese Link auf http://www.heise.de/tp/artikel/43/43729/s1.html Männern vorbehalten. Frauen wurden meist gesteinigt. Anlass für die Enthauptung war der Vorwurf, die Frauen hätten "Hexerei" betrieben.

Sheikh Zuweid. Karte: NordNordWest. Lizenz: CC BY-SA 3.0

In der Umgebung der in der Nähe des Gazastreifens gelegenen ägyptischen Ortschaft Sheikh Zuweid griffen IS-Terroristen gestern das Polizeirevier und mehrere Militär-Checkpoints an. Nach Behauptungen der Terroristen in Sozialen Medien waren es insgesamt 15. Dabei setzten die Kalifatskämpfer unter anderem Selbstmordattentäter, Pick-Up-Trucks, Mörser und Granatwerfer ein. Zur Zahl der Toten und Verletzten gibt es sehr unterschiedliche Angaben: Auf Seiten des ägyptischen Militärs scheinen die Verluste in jedem Fall deutlich zweistellig gewesen zu sein. Außerdem gelang es der Terrorgruppe angeblich, Soldaten lebend gefangen zu nehmen.

Bei ähnlichen Angriffen und Terroranschlägen kamen in den letzten zwei Jahren in Ägypten mindestens 600 Soldaten und Polizisten ums Leben. Über die besonders betroffene Provinz Nordsinai, in der sich die lokale Dschihadistengruppe Ansar Beit al-Maqdis im November dem IS anschloss, wurde der Ausnahmezustand verhängt, nachdem bei einem Angriff auf einen Checkpoint in al-Arisch Dutzende Soldaten starben. Terroristen gibt es aber nicht nur dort, sondern auch in der Hauptstadt Kairo, in der am 29. Juni der Staatsanwalt Hisham Barakat mit einer Autobombe in die Luft gesprengt wurde. (Peter Mühlbauer)