Albert Einstein – Popstar der Erkenntnis

Vier Dokumentarfilme über das Phänomen Albert Einstein und unbekanntere Aspekte seines Lebens

Albert Einstein? Jeder kennt seinen Namen und weiß, dass er ein wissenschaftliches Genie war. Er stellt auch bis heute den Prototypen des „zerstreuten Professors“. Doch es gibt noch viele andere Aspekte Einsteins.

2005 ist es 50 Jahre her, dass Albert Einstein verstarb und 100 Jahre her, dass er gleich mehrere wissenschaftliche Arbeiten verfasste, die das Weltbild der Physik revolutionierten. Er erklärte die Natur des Lichts, entwarf die Relativitätstheorie und formulierte die wohl berühmteste Formel der Wissenschaft, e = mc2.

Das Jubiläum von Einsteins „Wunderjahr“ wird weltweit gefeiert: mit Einstein-Ausstellungen, einer Einstein-Oper, Einstein-Tagungen, Einstein-Dokumentationen. Das Jahrhundertgenie hätte den ganzen Rummel wohl mit der ihm eigenen Gelassenheit kommentiert: „Bei mir“, so wusste er, „wird jeder Piepser zum Trompetensolo“. Albert Einstein hat als einer der ersten Medien- und Weltstars die Kultur und Wissenschaft des 20. Jahrhunderts beeinflusst. Die Faszination für den genialen Denker ist ungebrochen, obwohl sein Wissensgebiet nach wie vor keineswegs als „sexy“ gilt.

Einsteins Formel schmückt in einer Installation des Chaos Computer Clubs im Oktober 2002 auch die französische Nationalbibliothek (Bild: Rundfunk Berlin-Brandenburg)

Ein besonderes Jahr der Wissenschaft: erstmals steht kein Wissenschaftsgebiet, sondern eine berühmte Persönlichkeit im Mittelpunkt. Deutschland feiert 2005 das Einsteinjahr, eine gemeinsame Initiative von Bundesregierung, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur. Es soll den interdisziplinären Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und Politik fördern und wird von zahlreiche Aufführungen, Konzerten und Ausstellungen begleitet. Da Albert Einstein von 1914 bis zu seiner Emigration in die USA 1933 in Berlin und Potsdam lebte und lehrte, sind diese beiden Städte zentrale Veranstaltungsorte des Einsteinjahres 2005.

Doch in vier neuen Dokumentarfilmen zum Einstein-Jahr wird nicht nur die Geschichte einer Ikone erzählt. Vielmehr soll anhand der Biographie und des Umfeldes von Albert Einstein auch das Spannungsverhältnis zwischen Mythos und Realität deutlich werden, das Leben eines Weltbürgers voller Widersprüche, zwischen Heroisierung und Anfeindungen.

Einstein und das FBI

So mochte Einstein beispielsweise seine Wahlheimat Amerika – doch diese nicht automatisch auch ihn: Dem FBI war er höchst suspekt. Jahrzehntelang hat FBI-Direktor J. Edgar Hoover versucht, Albert Einstein als Kommunist und sowjetischen Spion zu entlarven und ausweisen zu lassen. Das geheime FBI-Dossier über Albert Einstein umfasst mehr als 1.800 Seiten, von denen ein Teil bis heute unter Verschluss ist.

Für seine wissenschaftlichen Verdienste wurde Albert Einstein in den USA wie ein Held verehrt. Doch dem FBI war seine Popularität suspekt. (Bild: Rundfunk Berlin-Brandenburg/U.S. National Archives)

Im ersten Weltkrieg machte sich Einstein als bekennender Pazifist Feinde. Doch erst die Nazis wollen in ihm einen Bolschewisten sehen. Vermutlich wurde Hoover schon 1932 auf den ein Jahr später in die USA ausgewanderten Physik-Nobelpreisträger aufmerksam, nicht zuletzt wegen eines 16 Seiten langen Traktats der konservativen "Woman Patriot Corporation". Einstein gehöre "mehr anarcho-kommunistischen Gruppen an als Stalin", so der schwerwiegende Vorwurf der amerikanischen Patriotinnen, und dürfe deshalb unter keinen Umständen ein US-Visum erhalten. Der Entdecker der Relativitätstheorie bekam zwar trotz aller vorgebrachten Einwände sein Einreisevisum und wurde sogar US-Bürger, doch die Schrift gegen seine "kommunistische" Gesinnung legte den Grundstein zu einer der wohl interessantesten und brisantesten Akten des FBI, zur Akte Albert Einstein.

Kommunismus ist in der Theorie nicht so schlecht. In der Sowjetunion funktioniert es aber nicht

Albert Einstein

Das FBI hat sich auch nach dem Tod Einsteins lange bemüht, diese Ermittlungen geheim zu halten, immerhin war der Nobelpreisträger in den USA wie ein Hollywood-Star verehrt worden. Doch der Journalist Fred Jerome fand 1983 bei Recherchen in der New York Times einen Hinweis, dass es eine FBI-Akte von Albert Einstein gibt. Daraufhin begann er nachzuforschen.

1940 konnte Hoover seine bis dahin gesammelten "Informationen" über Einstein erstmals zum Einsatz bringen: Die US-Army suchte Wissenschaftler für das Manhattan Projekt zur Entwicklung der Atombombe. Der berühmte Physiker war natürlich prädestiniert dafür. Doch Hoover schlug Alarm: Einstein sei nicht geeignet, hieß es in dem "biografischen Überblick", den er an den militärischen Geheimdienst schickte. Einsteins Wohnung in Berlin sei ein "kommunistisches Zentrum" gewesen. So durfte der Gelehrte aus Princeton nicht mitforschen, obwohl er es doch gewesen war, der 1939 in seinem berühmten Schreiben an US-Präsident Franklin D. Roosevelt für die Erforschung des Atoms eingetreten war, aus dem möglicherweise eine "extrem mächtige Waffe" entwickelt werden könne. .

J. Edgar Hoover (1895-1972) stand von 1924 bis 1972 an der Spitze des FBI. (Bild: Rundfunk Berlin-Brandenburg/U.S. National Archives)

Nach den Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki gründeten die Atomforscher ein Notkomitee der Atomwissenschaftler, um weitere Atombombenabwürfe zu verhindern. Sie wollten Einstein als Vorsitzenden haben. Da sah Hoover wiederum die Gefahr, dass Einstein die Weise, wie die Bombe funktioniert, den Russen erklärt, um vor dieser Gefahr zu warnen.

Das Geheimnis der Bombe soll einer Weltregierung anvertraut werden. Amerika allein darf nicht entscheiden.

Albert Einstein

Als die Russen am 29. August 1949 auch die Atombombe haben – die „rote Bombe“ –, lässt US-Präsident Harry S. Truman die „Superbombe“, die Wasserstoffbombe entwickeln. Einstein fordert im US-Fernsehen am 12. Februar 1950, die Wasserstoffbombe zu ächten und die Atomrüstung weltweit zu beenden. Damit wird am nächsten Tag die Akte Einstein zur Chefsache. Hoover verlangte nun jede Einstein belastende Information.

Einstein lehnte auch die Rassentrennung in den USA ab. Einstein und der in Princeton geborene Sänger Paul Robson waren 1946 Vorsitzende des Verbands „Amerikanischer Kreuzzug gegen das Lynchen“. Das FBI wollte die Aktivisten von Bürgerrechtsgruppen als Kommunisten in Verruf bringen, um so die Bewegung stoppen.

Ich wusste, dass das FBI immer und überall zugegen war

Mary Louise Patterson, Bürgerrechtlerin

Einstein wird nie von Hoover oder Mc Carthy offiziell vorgeladen. Doch als der unbekannte New Yorker Lehrer William Frauenglass vorgeladen wird, nicht aussagen will und dazu Einstein um Hilfe bittet, antwortet dieser, das sei nicht nur berechtigt, sondern auch notwendig, um Intellektuelle und intellektuelle Freiheit zu schützen, auch wenn dies wirtschaftlichen Ruin bedeutet und erlaubt Frauenglass auch die Veröffentlichung dieser Antwort. Am 12. Juni 1953 wird dieser Brief auf Seite 1 der New York Times veröffentlicht – ziviler Ungehorsam und eine Kriegserklärung an Mc Carthy.

Erst als Einstein 1955 stirbt, wird seine FBI-Akte nach 22 Jahren kontinuierlicher Beobachtung Einsteins durch das FBI geschlossen. Ihre vollständige und ungeschwärzte Veröffentlichung verweigert das FBI bis heute.

Das Deckblatt von Einsteins FBI-Akte. Ein Teil der 1.800 Seiten ist bis heute nicht freigegeben. (Bild: Rundfunk Berlin-Brandenburg)

Als Spielfilm-Komödie nach einem Theaterstück wurde die Thematik „Einstein und das FBI“ 1985 in Insignificance – Die verflixte Nacht unter der Regie von Nicholas Roeg verfilmt. Dokumentarisch wagte man sich damals nicht an das Thema.

Einstein und seine erste Frau

In den frühen Morgenstunden des 18. April 1955 starb Albert Einstein mit 76 Jahren an einer geplatzten Schlagader im Bauch. Sein schriftlicher Nachlass blieb 26 Jahre in den Kellern der Princeton Fuld Hall versteckt, wo sie seine Sekretärin Helen Dukas verwahrte. Erst als sie ebenfalls mit 76 Jahren verstarb, gingen die etwa 45.000 Schriftstücke wie von Einstein in seinem Testament festgelegt an die hebräische Universität Jerusalem.

Dabei wurden Liebesbriefe von Einstein an seine erste Frau Mileva entdeckt und die Diskussion um ihren Anteil an der Relativitätstheorie entbrannte (Die unsichtbare Frau hinter Einstein). Mileva Maric war eine geniale Physikerin und die erste Frau an der Seite von Albert Einstein, mit der er 16 Jahre zusammen lebte und forschte. Mileva Maric wurde 1875 im heutigen Serbien geboren. Da es Frauen in ihrer Heimat nicht gestattet war, zu studieren, zog sie im November 1894 in die Schweiz, beginnt ein Medizinstudium, wechselt aber bald in die Fächer Physik und Mathematik.

Mileva Maric war von 1903 bis 1919 mit Albert Einstein verheiratet. (Bild: Rundfunk Berlin-Brandenburg/Australian Broadcasting Corporation)

An der ETH Zürich ist Mileva in ihrem Jahrgang die einzige Frau. Mit Mileva beginnt auch der vier Jahre jüngere Albert Einstein das Studium der theoretischen Physik. Aus dem gemeinsamen Lesen, Studieren und Forschen wurde schließlich Liebe. Einstein vergötterte Mileva – als Frau wie als Wissenschaftlerin, wie aus den Liebesbriefen des Paares hervorgeht. In einem Brief vom 27. März 1901 schrieb Einstein an Mileva: "Wie stolz und glücklich werde ich sein, wenn wir beide zusammen unsere Arbeit über die Relativbewegung siegreich zu Ende geführt haben."

Mileva war dabei im Gegensatz zu anderen Frauen jener Zeit Albert ebenbürtig. Doch seine Eltern lehnten ihre Beziehung ab. Dennoch heirateten sie, bekamen nach dem unehelichen Kind Lieserl 1902 und ihrer Heirat am 6. Januar 1903 noch zwei Jungen: Am 14. Mai 1904 Hans Albert und am 28. Juli 1910 Eduard. Nach 16 Jahren gerät die Beziehung in die Krise. Einstein hat nach dem Umzug in Berlin die Kusine Elsa als Geliebte und Mileva reist ab. Dann kommt der 1. Weltkrieg. 1919 scheiden sich Albert und Mileva und er heiratet Elsa. Am 4. August 1948 stirbt Mileva Maric-Einstein in Zürich nach einigen Schlaganfällen allein.

In auch hierzu existierenden Spielfilmen wird Einsteins Liebesleben verklärt (I.Q. – Liebe ist relativ, USA 1994), in Wirklichkeit war er privat sehr hart zu seiner Familie. So schrieb er dem schizophrenen Sohn „vergib mir Deine Existenz“.

Einstein und der Ruhm

Als Albert Einstein am 7. November 1919 in Berlin erwacht, ist er ein berühmter Mann. Am Abend zuvor hatte die Royal Society in London bekannt gegeben, dass die Relativitätstheorie experimentell bestätigt wurde. Von nun an wird Albert Einstein begeistert gefeiert. Als größtes Genie aller Zeiten, als Idol und Ikone eines ganzen Zeitalters. Albert Einstein – der erste globale Popstar der Wissenschaft.

Allein durch Nachdenken hatte Albert Einstein die Physik ins 20. Jahrhundert katapultiert. Er revolutionierte die bisherigen Vorstellungen von Raum und Zeit, Masse und Energie. Nach Einstein ist nichts so, wie es vorher war. Das machte ihn zum Helden und zum Heiligen, zumal er auch politisch aufmerksam war; dadurch allerdings auch die Entwicklung der Atombombe vorantrieb. Die Nazis organisieren Kundgebungen gegen ihn und setzen ein Kopfgeld auf ihn aus.

Für mich ist jede Tötung von Menschen gemeiner Mord – auch wenn es der Staat im Großen tut

Albert Einstein 1929

Mit dem toten Wissenschaftler als geschütztes Markenzeichen lässt sich viel Geld verdienen (Der Mensch als kommerzielle Marke, Profit von toten Prominenten). Das Konterfei von Einstein schmückt T-Shirts, Tassen und Unterhosen.

10 bis 12% des Großhandelsumsatzes einer Albert-Einstein-Büste nebst Vorschuss sind dabei an den Rechtsanwalt Roger Richman abzutreten, Werbespots sind noch teurer. Bis zu 35% behält dabei die Richman Agency für sich, der Rest geht an Einsteins Erben und die Hebräische Universität in Jerusalem – zehn Millionen Dollar in den letzten zehn Jahren. Mit 14 Anwälten prüft Roger Richman Ausstrahlungen und Veröffentlichungen weltweit und es gibt viele „Freunde“ Albert Einsteins, die ihm anonyme Hinweise geben.

Im Film kommt der amerikanischen Anwalt Roger Richman auch persönlich zu Wort. Er ist für die Lizenzverträge zuständig und weiß, warum seine Kunden so gern auf Einstein zurückgreifen. Der Anwalt ist ein Experte für 52 „kalte Körper“: Bei ihm sind die Erben von Stars wie Mae West, Gary Cooper, Sigmund Freud und eben Albert Einstein unter Vertrag.

Ich habe gelesen, Einstein ist der bekannteste Kopf auf Erden

Jürgen Neffe, Einstein-Biograf

Eine dreiköpfige Institution an der Hebräischen Universität Jerusalem entscheidet, wer Albert Einstein lizensieren darf und wer nicht. Keine Probleme hatte man bei dem Spielzeug „Baby Einstein“ oder bei dem Pepsi-Werbespot, in dem es als „genialer Geistesblitz“ Einsteins gewertet wird, dass er – in der in der Praxis natürlich niemals auftauchenden Situation, gleich vor zwei Cola-Automaten von Coca-Cola und Pepsi-Cola zu stehen, die er deshalb auch als Paradoxon sieht – sich nach längerer Denkpause über dieses tiefschürfende Problem daran zu erinnern, wer den Werbespot bezahlt hat und folglich die Pepsi-Dose zieht und diese trinkt. Bei Wodka streikten Lizenzverwalter dagegen und auch Madonna ging leer aus, als sie auf ihrer letzten Tournee ein Bild von Einstein auf der Bühne verwenden wollte.

In den Think Tanks der großen Werbeagenturen ist man dennoch begeistert, denn die Marke Einstein steht nicht nur für das Genie, sondern auch für Querdenken und Humanismus. Und so ist der zerstreute Professor ein Renner – und steht beispielsweise beim Computerhersteller Apple neben anderen berühmten "Querdenkern", wie Muhammad Ali, Pablo Picasso und Mahatma Gandhi.

Einstein selbst hat dagegen die Verwendung seines Namens für kommerzielle Zwecke stets abgelehnt, auch bei unbedenklichen Produkten. Zudem hatte er sich mit Deutschland nach dem Holocaust auch nie mehr versöhnt – zwar schätzt man heute Einstein in Deutschland, doch für das Vorgehen gegen Deutsche, die sich seines Namens bedienen, gilt nach wie vor sein Testament.

Besonders in Deutschland wollen viele Albert Einstein ohne unsere Erlaubnis benutzen und es freut mich sehr zu sagen, dass wir gegen alle erfolgreich zurückschlagen konnten

Roger Richman

Einstein ist allgegenwärtig: Magazine kürten ihn zur populärsten Person des zwanzigsten Jahrhunderts, nannten ihn den „Che Guevara der Wissenschaft“. Der Gottvater der Popkultur, Andy Warhol, adelte ihn per Siebdruck. „Woher kommt es, dass mich niemand versteht und jeder mag?“ brachte einst der Weltbürger seine wachsende Beliebtheit auf eine Formel.

Das berühmte Foto mit der herausgestreckten Zunge entstand an seinem 72. Geburtstag, als er im Wagen zwischen dem ehemaligen Direktor seines Instituts und dessen Frau saß und von Paparazzi genervt war. Er schnitt es dann selbst in die heute bekannte Form zurecht und schickte es als Grußkarte an Freunde.

In Amerika wird Albert Einstein sogar als Heiliger verehrt: In der Riverside Church in New York wurde er in Stein verewigt, als Einziger zu seinen Lebzeiten inmitten von Geistesriesen wie Darwin, Kant und Socrates. (Bild: Rundfunk Berlin-Brandenburg)

Einstein wollte den Kult um seine Person nicht und verfügte daher, dass er nach dem Tode eingeäschert und seine Asche vertreut werden solle, damit es keine Wallfahrten zu seinem Grab gebe. Doch der Pathologe Thomas Harvey stahl ohne Erlaubnis zuvor das Gehirn, um darin die Ursache für Einsteins Genie zu finden (Dokumentarfilm Einsteins Gehirn, UK 1994) – ebenso stahl Einsteins Augenarzt Dr. Abrams seine Augen, Michael Jackson bot dafür 4 Millionen Dollar und Steven Spielberg nahm Einsteins Augen als Vorbild für E.T.

Einstein und die Relativität

Als Albert Einstein Anfang 1905 seine Relativitätstheorie veröffentlichte, klang das, was sie beschreibt, geradezu unglaubwürdig, zeigt sie doch unsere Welt in einer Weise, die sich diametral entgegen unseren Alltagserfahrungen verhält. Einstein weist nach, dass die Zeit unterschiedlich schnell vergehen kann, auch wenn sie für unser Empfinden immer gleichmäßig läuft. Er behauptet, dass sich der Raum verändert, obwohl eine Wegstrecke, die wir für eine Reise von A nach B zurücklegen, immer gleich lang bleibt.

Spezielle Relativitätstheorie: Bewegte Uhren sind langsamer, bewegte Körper sind kürzer
Allgemeine Relativitättheorie: Schwerkraft lässt Körper schrumpfen und Uhren langsamer gehen – sie führt zur Raumkümmung

Doch Einsteins Theorie konnte praktisch nachgewiesen werden, wenn auch erst Jahre und Jahrzehnte nach ihrer Veröffentlichung. Und bis heute hat sie Einzug in unseren Alltag gehalten. So könnte das GPS-System ohne die Berücksichtung der relativistischen Effekte keine exakten Daten liefern. Auch die Nutzung der Atomenergie wurde erst durch die Erkenntnisse der Relativitätstheorie möglich. Und obwohl wir auf die Atombombe gut und gerne verzichten würden, erst die unmittelbar mit ihr zusammenhängenden Erkenntnisse erlauben uns Einsichten in den Kosmos, die seine Entstehung im Urknall und seine nachfolgenden Entwicklungen erklären.

Wie viel Energie tatsächlich in der Materie steckt, können wir uns nur schwer vorstellen. Könnte man nur ein einziges Kilogramm in Materie umwandeln, wie es im Inneren unserer Sonne geschieht, erhielte man soviel Energie, dass damit eine unglaublich große Arbeitsleistung durchgeführt werden könnte: Man würde achttausend Milliarden Kilogramm Gewicht einen Kilometer hoch heben können. Dieses Gewicht entspricht dem eines durchschnittlich großen Alpensees von 20 Kilometer Länge, 2 Kilometer Breite und 200 Meter Tiefe. (Bild: Rundfunk Berlin-Brandenburg)

Selbst heute, 100 Jahre nach ihrer Veröffentlichung, ist die Relativitätstheorie immer noch nur wenigen vertraut. Es sollen lediglich einige Tausend Wissenschaftler weltweit sein, die diese Materie mit allen ihren Konsequenzen verstehen. Doch in Wahrheit beschreibt die Theorie einfache Prozesse, die in der Natur ablaufen.

Biographie

14. März 1879 Albert Einstein wird in Ulm geboren.

1896 Beginn eines mathematisch-physikalischen Fachlehrerstudiums an der Technischen Hochschule Zürich, nachdem er dort im Vorjahr abgewiesen worden war.

1900 Diplom als Fachlehrer für Mathematik und Physik.

1902 – 1909 Technischer Vorprüfer am Eidgenössischen Amt für geistiges Eigentum (Patentamt) in Bern.

1905 Veröffentlichungen in den "Annalen der Physik" zur Quantentheorie und zur Relativitätstheorie: Er erweitert die Quantentheorie von Max Planck um die Hypothese der Lichtquanten. Mit der Begründung der "Speziellen Relativitätstheorie" leitet er den Übergang zur Wissenschaft des 20. Jahrhunderts ein. Kurz darauf liefert er mit der Formal E=mc2 einen Nachtrag zur Relativitätstheorie. Die Energie eines Körpers ist demnach das Produkt aus seiner Masse und dem Quadrat der Lichtgeschwindigkeit. Seine Theorien setzen sich in der Wissenschaft schnell durch.

1907 Habilitation an der Berner Universität, nachdem sie diese im Vorjahr abgelehnt hatte.

1909 Einstein erhält eine außerordentliche Professur für theoretische Physik an der Universität Zürich.

1912 Er arbeitet an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich, wo er allerdings neben seiner Forschung zu Lehrveranstaltungen zur theoretischen Physik verpflichtet ist.

1. April 1914 Einstein erhält den Ruf an die Preußische Akademie der Wissenschaften in Berlin. Er kann sich nun ausschließlich seiner Forschung widmen, da er keinerlei Lehrverpflichtung hat.

Oktober 1915 Einstein formuliert die "Allgemeine Relativitätstheorie", die bis dahin geltende physikalische Erklärungsansätze ersetzt.

24. August 1921 Der sogenannte Einsteinturm von Erich Mendelsohn wird in Potsdam eingeweiht. Mit Hilfe dieses Turmteleskops soll die Relativitätstheorie empirisch überprüft werden. Einstein erhält den Nobelpreis für Physik für die Einführung des Begriffs der Lichtquanten und seine Arbeiten auf dem Gebiet der theoretischen Physik.

1925 – 1927 Er arbeitet weiter an der Quantentheorie.

30. Januar 1933 Am Tag der Machtübernahme durch die NSDAP befindet sich Einstein in Pasadena. Er protestiert gegen die Menschenrechtsverletzungen in Deutschland und legt sein Amt an der Preußischen Akademie der Wissenschaften nieder, noch bevor die Nationalsozialisten ihn ausschließen können. Einstein siedelt in die USA über, wo er in Princeton (New Jersey) eine neue Anstellung am "Institute for Advanced Studies" erhält.

2. August 1939 Trotz seines grundsätzlichen Pazifismus unterzeichnet auch Einstein eine Aufforderung an den amerikanischen Präsidenten, den Bau der Atombombe voranzutreiben. Er befürchtet das Voranschreiten der deutschen Atomforschung und deren militärischen Nutzung.

6./9. August 1945 Nach dem Abwurf der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki durch die US-Luftwaffe gründet Einstein das "Emergency Committee of Atomic Scientists". Als Präsident des Kommitees setzt er sich für die friedliche Nutzung der Atomenergie ein.

18. April 1955 Albert Einstein stirbt in Princeton (New Jersey).

Quelle: Deutsches historisches Museum Berlin

Einsteins größte Leistung war es, die Schwerkraft zu definieren. Jahrhunderte lang rätselte man, welche Kraft uns zur Erde zieht. Einstein beantwortete diese Frage mit der Krümmung des Raumes. Große Himmelskörper krümmen den Raum, was man sich, vereinfacht, wie Dellen vorstellen kann. Dass Körper in diese Dellen fallen, ist die Wirkung der Schwerkraft. (Bild: Rundfunk Berlin-Brandenburg)



Arte TV 6. Mai 2005 Themenabend Albert Einstein

22.15 Uhr Die Akte Einstein Der Professor und das FBI, Dokumentation von Jürgen Ast und Konrad Ege Deutschland 2004, 45 Min.

23.00 Uhr Einsteins Frau, Kurzbiographie von Mileva Maric, Dokumentation von Nicola Woolmington, Australien 2003, 55 Min.

00.00 Uhr Albert Einstein Superstar, Dokumentation von Peter Scholl, Deutschland 2004, 45 Min.

00.40 Uhr Das Geheimnis der Zeit Einsteins Relativitätstheorie, Dokumentation von Gerald Kargl, Deutschland 2004, 30 Min.

(Wolf-Dieter Roth)