Aleppo: Lastwagen voller Waffen für die syrische al-Qaida-Allianz

Kein Ende der Kämpfe in Sicht. Die Anti-Assad-Koalition versorgt die Dschihadisten

Die UN warnt immer dringender vor einer Versorgungskatastrophe in Aleppo. Der Strom würde "in weiten Bereichen" ausfallen, die Trinkwasservorräte knapp. Eine humanitäre Pause der Kämpfe wäre dringend geboten.

"Wir suchen ununterbrochen nach Wegen, die Kriegsparteien zu Verhandlungen zu bewegen", sagte der deutsche Außenminister Steinmeier. Eine andere Lösung sei nicht in Sicht. Man könne das Ende der Kämpfe nicht anordnen.

Zwei Treffen

Heute gibt es zwei Treffen, die auf den Fortgang Einfluss haben können. In Genf beraten Vertreter der USA und Russlands über Möglichkeiten, humanitäre Hilfe in Aleppo zu leisten. Auch über eine Waffenruhe soll gesprochen werden. Das Treffen findet im Rahmen regelmäßiger Konsultationen statt, die es seit Ende Juli gibt. Die Ergebnisse werden dann erst in Moskau und Washington besprochen. Entscheidendes ist nicht zu erwarten.

Es ginge darum, die Gegner Assads, die beiden Milizenverbände Jaish-al Fatah und Halab al-Fatah in ihrer "Offensive auf Aleppo" zu stoppen und eine Waffenruhe durchzusetzen. Russland hat Einfluss auf die syrische Regierung, der Einfluss der USA auf die Milizen ist beschränkt. Dennoch hätten sie Hebel dafür, die Versorgung der Dschihad-Milizen auszudünnen. Die Frage ist, ob es einen politischen Wille dazu gibt.

Beim zweiten heutigen Treffen, zwischen dem russischen Präsidenten Putin und seinem türkischen Amtskollegen Erdogan liegen die Dinge ein bisschen anders. Die türkische Regierung hat größeren Einfluss auf die Miliz Ahrar al-Sham, die das Verbindungsglied zwischen den beiden genannten Allianzen ist.

Sollten die beiden Staatsführer eine Abstimmung ihrer Syrienpolitik beraten, was nicht feststeht, worüber aber spekuliert wird, so dürfte das Thema Ahrar al-Sham ein wichtiges Thema sein.

"Sie bekommen mehr ausländische Hilfe, als es scheint"

Wie die Financial Times berichtet, ist die Türkei nach wie vor entscheidend für die Versorgung. Gestützt auf Aussagen von "Aktivisten und Rebellen", die ebenso ungenannt bleiben wie der westliche Diplomat, der ebenfalls interessante Aussagen beisteuert, legt die Finanzzeitung offen, dass die Milizen in Aleppo "mehr ausländische Hilfe bekommen, als es scheint". Vor und während der Kämpfe sei dies geschehen.

Berichtet wird von zig Lastwagen, die aus der Türkei kommen, und Waffen, Geld und anderen Nachschub in erheblichen Mengen bringen. Die Versorgung bedeutet, wenn man sich die Zusammensetzung der bewaffneten Milizen in Aleppo genau anschaut, eine direkte Hilfe von al-Qaida. Vor einiger Zeit wäre das noch Irrsinn genannt worden. Selbst ausgesprochene Anhänger der Gegner Assads räumen ein, dass es die al-Nusra-Front geschafft hat, die Milizen unter ihrer Führung zu vereinen.

Jabhat al-Nusra-Führer Abu Mohammad al-Julani proklamiert. Ausschnitt aus einem Propaganda-Video

Die Lastwagen aus der Türkei würden seit Wochen Nachschub bringen, so die FT, die Offensive der Dschihad-Milizen, die seit Wochen geplant war, wurde damit willentlich unterstützt. Der Nachschub bestehe nicht aus bloßen Gewehren und Munition, sondern aus großkalibrigen Geschützen, "Artillerie", wie ein "Aktivist/Rebell" der Zeitung gegenüber aussagt. Der ungenannte westliche Diplomat gibt dazu das politische und strategische Kalkül wieder.

Die Amerikaner wüssten seiner Aussage zufolge selbstverständlich, was hier am Laufen war. Sie würden die Beteiligung der al-Nusra-Front aber ignorieren, um Druck auf Russland und Iran auszuüben.

Saudi-Arabien, Katar und die Türkei

Ob die CIA bei der Nachschubversorgung möglicherweise eine aktive Rolle gespielt hat, das wird im Bericht nicht angedeutet. Dort wird lediglich wiedergegeben, die Gesprächspartner seien davon überzeugt, dass die Lieferungen von regionalen Unterstützern, darunter Saudi-Arabien und Katar käme und über die Türkei nach Syrien geschickt werde. Saudi-Arabien hatte eine derartige Hilfe offen angekündigt. Katar ist zurückhaltender.

Die USA würden wegschauen, behaupten die Aktivisten/Rebellen gleichermaßen wie der westliche Diplomat. Ihnen dürfte sehr wohl bewusst sein, dass die Macht und die Kontrolle der Milizen bei der Nusra-Front und Ahrar al-Sham liegen. Sie hätten die größte militärische Durchschlagskraft, die sogenannten "moderaten Gruppen" seien wie Lehrlinge, die sich von ihnen militärisch ausbilden lassen und sich ihnen unterordnen (im Übrigen auch ideologisch).

Dass sich die von Dschihadisten dominierten Milizen über ausreichend Unterstützung freuen, wird auch an anderer Stelle berichtet. Auch dabei wird der Türkei eine große Rolle zugewiesen. So würden Ahrar al-Sham-Mitglieder auf Twitter von einer geradezu überbordenden Hilfe aus der Türkei für die Schlacht um Aleppo Auskunft geben. (Thomas Pany)

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