Algerien als alternativer Energielieferant für Europa

Und die Protestbewegung gegen Fracking als neuer Widerstandsherd gegen die algerische Regierung

Ihre Delegation war von den Möglichkeiten Algeriens begeistert, notierte die Wirtschaftskammer Österreich im März. Das Land biete sich als angesichts von Lieferunsicherheiten in Libyen und Russland als alternativer Energielieferant an.

Dass Algerien über Öl- und Gasvorkommen verfügt, ist bekannt. Es spielt schon seit längerem eine Rolle als Gaslieferant für Europa, es ist der drittwichtigste Lieferant. Das Interesse am algerischen Beitrag zur Energieversorgung wurde noch einmal gesteigert, als die amerikanische Bundesbehörde für Energie 2013 vom weltweit drittgrößten Schiefergasvorkommen in Algerien berichtete.

Ende vergangenen Jahres führte der algerische Energieriese Sonatrach die ersten Probebohrungen durch. Im April dieses Jahres war dann auch Halliburton bei Frackingversuchen mit von der Partie.

Auch die französischen Konzern Total und GdF-Sue spielen "diskret", aber nicht im kleinen Maßstab mit im aussichtsreichen neuen Fördermodell. In Algerien hat man nicht mit den gesetzlichen Auflagen und Hindernissen zu kämpfen, die gegen Fracking in Frankreich existieren, wie das Webmagazin Qantara dazu kommentiert.

Im Qantar-Bericht wird auf diejenigen aufmerksam gemacht, die nur sporadisch in die Schlagzeilen kommen, nämlich die Gegner des Frackings in Algerien. Sie fürchten um die Qualität des Grundwassers in einer ohnehin wasserarmen Region, die Wasserverschwendung und die toxischen Beigaben beim Fördern des Schiefergases.

Hin und wieder wurde auch in anderen deutschen Publikationen von der "Umweltbewegung in der Sahara" berichtet. Allerdings werden die Proteste, die seit Anfang des Jahres anwachsen und von französischen Medien etwas besser beachtet werden, mit der Kategorie "umweltpolitisch" möglicherweise falsch eingeschätzt.

Geht es nach den Worten eines der Protagonisten des Widerstands gegen Fracking in Algerien, Mouhad Gasmi, so steht für die Bewegung mehr auf dem Spiel. Die Art, wie die Regierung in Algier in der Sache verfahre - zugunsten internationaler Konzerne, die seit Jahrzehnte dafür bekannt seien, dass sie auf die Umwelt keine Rücksicht nehmen -, demonstriere das Wesen dieser Regierung.

Gasmi kündigte dem französischen Magazin Basta gegenüber an, dass es der Umweltbewegung gelingen könnte, mehrere politische Widerstandsbewegungen zu vereinigen und damit die Staatsmacht ernsthaft zu gefährden: "Unser Kampf gegen das Fracking kann das Regime zu Fall bringen."

Die Polizei hat jedenfalls schon damit begonnen, hart gegen die Umweltschützer vorzugehen. Und die von alten Größen beherrschte Regierungspartei FLN zeigt sich laut Qantara beunruhigt angesichts des Widerstands der jungen Bewegung: "Man darf die Wut der Bevölkerung aus dem Süden nicht unterschätzen." (Thomas Pany)

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